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Bild: Veolia Deutschland

Ingenieurswissen trifft Digitalisierung „Effizienzen heben, die aus Zeitmangel liegenbleiben würden“

06.04.2018

Anfang des Jahres hat Veolia ein Effizienztool vorgestellt, das unter anderem der Wasser- und Abwasserbranche helfen soll, Effizienzpotenziale zu heben, die bisher auf der Strecke blieben. Wie das funktioniert, welche Rolle der Mensch dabei spielt und warum Unternehmen damit trotzdem keinen Mehraufwand haben, erklärt Olaf Kipp, Geschäftsführer bei Veolia Industrie Deutschland.

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publish-industry: Herr Kipp, auf der E-World hat Ihr Unternehmen in diesem Jahr mit Hubgrade ein neues Effizienz-Tool für Industriekunden vorgestellt. Was steckt dahinter?

Olaf Kipp: Mit Hubgrade bieten wir unseren Kunden eine Effizienzplattform, mit der wir sie dabei unterstützen, ihre Energie, Wasser und weitere Medien in den Prozessen effizient zu gestalten. Im Wesentlichen ist Hubgrade ein Smart-Monitoring- und Analyse-System. Das bedeutet, die Daten des Kunden laufen in einem Kontrollraum, einer Art „Leitwarte der Effizienz“, zusammen. Dort sitzen unsere Analysten, viele davon Ingenieure, die aus dem Prozessbereich kommen. Im Dialog mit dem Kunden heben sie die Effizienzpotenziale, die ansonsten aus Zeitmangel oder weil sie nicht erkannt werden, liegenbleiben würden. Wenn der Kunde es wünscht, schicken wir unsere Mitarbeiter auch in seine Werke und Anlagen, damit sie direkt vor Ort Effizienzmaßnahmen technisch umsetzen können.

Wie unterscheidet sich das System von anderen Monitoring-Lösungen?

Es gibt viele Softwarelösungen auf dem Markt, die Verbräuche visualisieren. Der Unterschied bei Hubgrade ist, dass es nicht nur den Verbrauch visualisiert, sondern Aussagen zur Effizienz trifft, diese sogar in Echtzeit. Man muss sich vor Augen führen, dass der Verbrauch einer Ressource, egal ob Wasser oder Energie, immer von einer oder mehreren Einflussgrößen abhängt. Ein einfaches Beispiel: Wenn von einem Produkt 100 Stück in der Stunde hergestellt werden, ist dafür vermutlich weniger Energie notwendig, als bei der Produktion von 200 Stück. Um beurteilen zu können, welche Auswirkung zum Beispiel der Produktions-Output auf die Effizienz hat, müssen wir die verschiedenen Einflussgrößen mittels Algorithmen logisch miteinander verbinden. Im genannten Beispiel sind das Verbrauchs- und Produktionsdaten. In der Industrie gibt es wie gesagt deutlich mehr Faktoren, die auf die Effizienz bei Energie, Wasser und weiteren Medien einwirken.

Wie viel menschliches Zutun ist nötig, um möglichst viel Effizienz zu schaffen?

Es steckt ganz viel Mensch in Hubgrade, denn wir lassen den Kunden mit der Software nicht allein. Unsere Dienstleistung ist es, Effizienzen aufzuspüren, nachhaltig umzusetzen und dann auch transparent für den Kunden weiter im Monitoring zu behalten. Bevor wir überhaupt damit anfangen etwas zu messen, beschäftigen wir uns damit, welche Daten wir benötigen und mit welchen Werkzeugen wir diese bekommen. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang der Dialog mit dem Kunden, um sinnvolle KPIs zu definieren. Dazu klären wir, welche Daten der Kunde in seiner Produktion bereits erfasst und überlegen, wie wir daraus eine Effizienzaussage ableiten können. Die Grundlage ist unsere in der Industrie bereits an über 80 Standorten erfolgreich eingesetzte Software für Energieeffizienz-Controlling, Eneffco. Die Skills der Ingenieure, die sich hauptberuflich mit Effizienz auseinandersetzen, sind aber das, was den Erfolg der Effizienzmaßnahmen beim Kunden ausmacht.

Was geschieht mit den benötigten Messwerten, die der Kunde noch nicht erfasst?

Im Gegensatz zu anderen Lösungen wollen wir den Kunden nicht mit Messetechnik überhäufen, sondern sind Dienstleister für den Kunden. Unsere Wurzeln liegen im Ingenieursbereich, deshalb gehen wir im Gegensatz zu Big-Data-Lösungen, die Unmengen an Daten sammeln möchten, einen klassischeren Weg. Nicht alles, was man messen kann, macht auch Sinn. Wir machen es umgekehrt: Wir schauen uns im Rahmen eines individuellen Messkonzeptes an, was der Kunde bereits hat und was er aus unserer Sicht noch benötigt, um die gewünschten KPI zu bilden. Im Gespräch mit dem Kunden stimmen wir dabei Schritt für Schritt die weitere Vorgehensweise ab.

Woher wissen Sie im Einzelfall, welche Messwerte Ihre Analysten brauchen?

Dank der mit dem Kunden erarbeiteten und abgestimmten KPIs wissen wir von Anfang an, wohin wir wollen und können auf Basis dessen ein schlankes Messkonzept erstellen, und zwar eines, das herstellerunabhängig ist. Hubgrade bedient alle relevanten Schnittstellen von Sensorik und Daten. Wir geben bezüglich der Messtechnik natürlich gerne Empfehlungen aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen, sind aber vollkommen technologie- und schnittstellenoffen.

Angenommen, ein Industrieunternehmen denkt über den Einsatz von Hubgrade nach. Welche Gedanken sollte man sich im Vorfeld machen?

Unsere Kunden sind allesamt Profis und kennen ihre Prozesse genau. Durch die gängigen Normen sind viele Unternehmen ohnehin aufgefordert, sich mit Effizienz in ihren Abläufen zu beschäftigen. Die Grundlagen sind bei vielen Kunden also bereits vorhanden. Wichtig für uns ist die Dokumentation darüber, welche Maßnahmen getätigt wurden und wie Kunden für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen aufgestellt sind. Das Thema Effizienz wird übrigens immer komplexer und es gibt auf diesem Gebiet stetige Weiterentwicklungen. Unsere Ingenieure beschäftigen sich aber täglich damit. Einer der wesentlichen Vorteile von Hubgrade ist also, dass der Kunde sich voll auf seine Produktion konzentrieren kann und wir uns um seine Effizienz kümmern. Eine echte Zeitersparnis und zusätzliche Expertise also für unsere Kunden. Durch die Beschäftigung der Kunden mit dem Thema Effizienzen sind meines Erachtens die „low hanging fruits“ weitestgehend umgesetzt. Hier trennt sich natürlich nun auch auf der Seite der Dienstleister die Spreu vom Weizen.

Welche Bereiche betrifft die Effizienz, von der Sie sprechen?

Wenn wir von Effizienzen sprechen, dann sprechen wir damit zwei Themen an: zum einen die Peripherie, also die klassische Versorgung mit beispielsweise Wärme, Dampf und Druckluft. Zum anderen verstehen wir darunter aber auch die Kernprozesse beim Kunden, die von unseren Projektleitern betrachtet werden. Bei diesem sicherlich nicht einfachen Thema hat sich schon oft gezeigt, dass der Blick von außen für den Kunden einen echten Mehrwert bringt.

Gibt es Praxisbeispiele, bei denen Hubgrade bereits zum Einsatz kommt?

Wir haben die Energie- und die Wasser-/Abwasser-Daten unseres Industrieparks Heinsberg komplett an Hubgrade angebunden. Es gibt direkte Unterstützung unserer Analysten im Hubgrade und bei Veolia-Technikern vor Ort. Die Daten sammeln wir mit mehr als 600 Datenpunkten – von denen ein Großteil bereits vor der Anbindung vorhanden war. Wir fahren außerdem unsere PET-Anlage in Rostock über Hubgrade und sparen so in einer energieintensiven Anlage Kosten. Wichtig ist es uns, gegenüber Kunden aufzuzeigen, dass wir unsere eigenen Anlagen und Prozesse mittels Hubgrade effizienter gestalten konnten. Das ist gleichzeitig eine Referenz für Neukunden.

Auf der E-World haben Sie Hubgrade vorgestellt – mit welchem Feedback?

Das Feedback war durchweg positiv. Das liegt vor allem daran, dass unsere Eneffco-Software, auf der Hubgrade basiert, schon seit mehreren Jahren bei über 80 industriellen Kunden in Form eines Lizenzmodells eingesetzt wird. Von diesen Kunden haben wir oft gehört, dass die Software super ist, aber sie wenig Zeit haben, sich intensiv damit zu beschäftigen. Mit Hubgrade sind wir dem Wunsch dieser Kunden nachgekommen, sie dabei zu unterstützen, das volle Potenzial der Software auszuschöpfen, Effizienzen zu heben und letztlich Ressourcen und Kosten einzusparen. Aus dem reinen Softwarelizenz-Verkauf haben wir also ein Dienstleistungsmodell geschaffen. Auch weiterhin kann der Kunde natürlich zwischen beidem wählen.

Gibt es Sicherheitsbedenken? Schließlich geben Ihre Kunden viele Daten preis.

Datensicherheit nehmen wir ernst, nicht nur weil wir dazu verpflichtet sind, sondern weil die Daten und das Vertrauen der Kunden die Grundlage unserer Dienstleistung sind. Der Kunde muss seine Daten nicht an uns abgeben. Es gibt hier verschiedene technische Möglichkeiten. Entweder bleiben der Server und die Daten beim Kunden und wir schalten uns darauf auf. Oder die Daten liegen auf unserem Server oder in einer zertifizierten Cloud, sofern der Kunde keine ausreichende Infrastruktur hat. Für alle Lösungen gilt: Sicherheit ist ein wichtiger Punkt, schließlich sprechen wir bei der Industrie von Daten, die unter anderem Aussagen über Auslastung oder Produktion treffen.

Mit Hubgrade macht Veolia große Schritte auf dem Gebiet der Digitalisierung. Was kommt als nächstes?

Es gibt Überlegungen in Richtung Augmented Reality, um zum Beispiel Service-Techniker zu unterstützen. Wir sprechen hier mit verschiedenen Partnern und haben mit Hubgrade ein Tool, das prädestiniert ist für solche digitalen Technologien. Ohnehin sind wir immer daran interessiert, zusammen mit unserem Kunden weiterzudenken und Piloten für neue Ideen zu fahren, aus denen wir gemeinsam lernen können. Die Software Eneffco war eine gemeinsame Entwicklung zusammen mit namhaften Partnern aus der Industrie. Diese Vorgehensweise hat sich für alle Beteiligten als zielführend erwiesen und so soll auch die Weiterentwicklung des Hubgrade durchgeführt werden.

Bildergalerie

  • In einer Leitwarte der Effizienz überwachen Analysten die KPIs des Kunden und leiten Effizienzmaßnahmen ein.

    Bild: Kasper Jensen/Veolia

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