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Christian Vilsbeck, Chefredakteur A&D: „Sollen wir uns maskenlos und ohne Abstand guten Gewissens bei den aktuellen Fallzahlen in den Messetrubel stürzen?“

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Kann bei aktuellen COVID-19 Fallzahlen die Automatisierungsmesse trotz 2G stattfinden? Kommentar: Absage SPS 2021 Messe in Nürnberg notwendig?

14.11.2021

Täglich werden – nicht nur in Deutschland – dramatisch steigende Fallzahlen und Inzidenzen bei der COVID-19 Pandemie gemeldet. Das RKI rät aktuell dringend dazu, größere Veranstaltungen abzusagen und zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren. Kann in dieser Lage die wichtigste Automatisierungsmesse SPS 2021 in Nürnberg überhaupt guten Gewissens stattfinden?

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Update am 17. November: „Auf Basis des seit dem 6.11. geltenden neuen Maßnahmenkatalogs der Bayerischen Staatsregierung wird die SPS 2021 Ende November in Nürnberg unter 2G Regeln stattfinden“, heißt es in der Pressemeldung des Messeveranstalters Mesago vom 9. November. Weiter heißt es in der Pressemeldung vom 16. November: „Trotz der sehr kurzfristigen Absagen einiger Aussteller an der physischen Veranstaltung findet die SPS 2021 als Präsenzveranstaltung statt.“ Wir alle in der Branche hoffen natürlich, endlich wieder den persönlichen Kontakt auf einer Messe intensivieren zu können. Doch ganz ehrlich, in der aktuellen Lage, wo Wissenschaftler, Ärzte und die Politik faktenbasierend dringlich davor warnen, größere Veranstaltungen zu besuchen, sollen wir uns guten Gewissens in den Messetrubel stürzen?

Empfehlungen des RKI ernst nehmen

Man braucht nur den Wochenbericht des RKI lesen, wie akut schwere Erkrankungen und Todesfälle durch die Delta-Variante in Deutschland derzeit zunehmen. Erst 67,6 % Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft, und mit 2G auf der Messe haben auch nur Geimpfte oder Genesene Zutritt. Trotzdem empfiehlt das RKI allgemein Kontaktreduktion, das Tragen von Masken, Einhaltung von Mindestabstand und gründliches Lüften von Innenräumen. Als doppelt geimpfter Mensch fühle ich mich zwar halbwegs gut geschützt, aber weiß ich gerade, welche Antikörperzahl ich noch habe? Die Booster-Impfung erwarte ich bereits sehnlichst, doch vor der Messe wird das nichts mehr. Ist die Gefahr also nicht zu groß, ist es nicht einfach zu unvernünftig, sich jetzt in eine Großveranstaltung zu begeben, sich den Virus unbemerkt zu holen und dann doch mit nach Hause zu schleppen? Und was ist, wenn ich die 2G-Messehallen verlasse und dann dicht gedrängt in der Messe-U-Bahn und anschließend im Zug sitze… Denn auch als Geimpfter kann mal als „Transportvehikel“ für das Virus dienen, selbst wenn man davon nichts merkt. Will ich dann gerade ältere Menschen, die ebenfalls noch keine Booster-Impfung haben, gefährden… auf keinen Fall!

Skepsis allerorts

Ich bin absolut ein Befürworter von Impfungen und scharfen Regeln, um endlich die Pandemie in den Griff zu bekommen. Auch genieße ich es sehr, mit ebenfalls geimpften und getesteten Kollegen wieder im Büro zusammenarbeiten zu können. Aber mit einem Messebesuch befinde ich mich sehr im Zwiespalt derzeit. Über viele Jahre aufgebaute Kontakte und Freunde der Branche mal wieder live zu sehen, sich auszutauschen – wer freut sich nicht darauf. Seit Wochen machen ich so mit Vorfreude Termine aus. Aber wenn ich die Telefonate der letzten Wochen mit Vertretern der Industrie mal Revue passieren lasse, dann werden die meisten – wenn überhaupt – ebenfalls mit Skepsis auf die Messe fahren. Einige große Hersteller wie ABB, Siemens, Schneider Electric, Pepperl+Fuchs, Rittal, Phoenix Contact, Turck, Weidmüller, Sick, Wago, Harting, Pilz und Beckhoff haben ihre Teilnahme an der physischen Messe jetzt auch kurzfristig abgesagt. Denn wie sollen sie eine Teilnahme vor ihren Mitarbeitern und Kunden verantworten können, wenn im eigenen Unternehmen zum Schutz Aller strenge Regeln befolgt werden. Wir bei publish-industry haben uns ebenfalls dazu entschieden, die Gesundheit unserer Mitarbeiter nicht zu gefährden und bleiben der Messe fern. Die Unternehmen, die auf der Messe sein werden, schicken meist auch nur eine sehr reduzierte Mannschaft hin. Eine weitere Skurrilität in ökologischer Hinsicht am Rande: statt wie vor der Pandemie geschlossen mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Messe zu fahren, müssen bei nicht wenigen Firmen die Messeteilnehmer einzeln in Fahrzeugen nach Nürnberg fahren; schließlich soll ja enger Kontakt zu anderen gemieden werden…

Hoffen wir für alle, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden und wir bald wieder unbekümmert auf Messen und Veranstaltungen gehen können!

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