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Üben für den Ernstfall: Großaufgebot von Rettungsdiensten auf der Bonner Straße im Kölner Süden am vergangenen Sonntag.

Bild: FH Köln/Steyer

Schutz kritischer Infrastrukturen Köln übt den Ernstfall

02.06.2015

Forschungsprojekt Rikov testet Maßnahmen für Katastrophenfall in ÖPV

Verletzte und Blaulicht wohin man schaut – Ende Mai glich die Kölner Südstadt einem Katastrophenschauplatz. Grund dafür war glücklicherweise kein Terroranschlag sondern eine zweitägige Übung der Fachhochschule Köln in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, der Polizei, dem Rettungsdienst und den Kölner Verkehrs-Betrieben.

Die Ernstfall-Übung des Instituts für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der FH Köln ist Bestandteil des Verbundforschungsprojektes „Rikov“ (Risiken und Kosten von terroristischen Bedrohungen des schienengebundenen öffentlichen Personenverkehrs) und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel des Forschungsprojekts Rikov ist es, neue Risikomanagementsysteme zur Beurteilung von terroristischen Gefahren im öffentlichen Personenverkehr zu entwickeln.

Für den Ernstfall üben

Denn der schienengebundene öffentliche Personenverkehr (ÖPV) als offenes System mit vielen Zugängen und wenigen Zugangskontrollen, der täglich von zahlreichen Menschen genutzt wird, war in der Vergangenheit ein Ziel für terroristische Aktivitäten, etwa in Madrid und Tokio. Auch in Deutschland ist ein solcher Anschlag nicht komplett auszuschließen. Beteiligte Behörden und auch Betreiber von Personenverkehrssystemen müssen sich deshalb mit diesen Gefahren auseinandersetzen und sich im Bereich der Prävention und Gefahrenabwehr vorbereiten.

Die in Köln durchgeführten Übungen dienten dazu, die erzielten theoretischen Methoden und Ergebnisse aus der dreijährigen Projektlaufzeit in einer realistischen Testumgebung zu validieren und die Zusammenarbeit verschiedener Behörden zu trainieren. Es handelt sich speziell um eine Methode zur Bestimmung der Verletzlichkeit eines ÖPV-Systems und der Wirksamkeit verschiedener Sicherheitsmaßnahmen.

Hierzu haben am ersten Tag der Realübung (30.05.2015) 100 Studierende der Fachhochschule Köln das Fahrgastaufkommen eines gewöhnlichen Arbeitstages an einer beliebigen Haltestelle in Deutschland simuliert, um verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen in der Haltestelle zu testen. Neuartige Sicherheitsmaßnahmen konnten so in einer realen Testumgebung auf Ihre Anwendbarkeit im deutschen ÖPV getestet werden. Die Ergebnisse sollen Grundlage für künftige Empfehlungen für Betreiber sein.

Wirksamkeit von Sicherheitsmaßnahmen testen

Zudem wurde die Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen durch Experten in einem Planspiel ermittelt. Die FH Köln entwickelte hierzu im Rahmen des Projekts eine wissenschaftliche Methode, die es Sicherheitsexperten erlaubt, die Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen in einem ÖPV-System zu ermitteln. Durch den Vergleich der theoretisch ermittelten Werte der praktischen Übung können die Ergebnisse validiert werden.

Am zweiten Tag der Realübung wurde das Krisenmanagement einer Stadt exemplarisch in Zusammenarbeit mit der behördlichen Gefahrenabwehr und den Kölner Verkehrs-Betrieben geübt. So sollten Schnittstellen von Risiko- und Krisenmanagementsystemen herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse sollen später auf beliebige deutsche ÖPV-Systeme übertragbar und anwendbar sein.

Hierzu stellte die FH Köln ein terroristisches Anschlagszenario mit 100 Patientendarstellern in einer exemplarischen U-Bahnhaltestelle dar. Die Studierenden wurden dafür von einem professionellen Team der realistischen Unfalldarstellung (RUD Nettetal) geschminkt. Auf diese Weise bot sich den Einsatzkräften der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, der Polizei, des Ordnungsamtes und der Kölner Verkehrs-Betriebe AG die Chance anhand eines realistisches Einsatzszenarios das gemeinsame Krisenmanagement zu üben.

Zur wissenschaftlichen Auswertung begleitete die FH Köln beide Übungen. Durch ein lokales Positionierungssystem wurden alle Bewegungen und Ereignisse in der Haltestelle aufgezeichnet, um diese in die Übungsauswertung mit einzubeziehen. Die Auswertung erfolgt nach Abschluss der Übung durch die Fachhochschule Köln und wird Aufschluss über künftige Richtungsweisen im Risiko- und Krisenmanagement von kritischen Infrastrukturen, wie dem öffentlichen Personenverkehr, geben.

Projektpartner

Projektpartner des Forschungsprojekt RiKoV sind die Universität der Bundeswehr München (Projektkoordination), das Karlsruher Institut für Technologie, das Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der FH Köln und Airbus Defence & Space. Assoziierte Partner sind die Kölner Verkehrs-Betriebe, die Münchener Verkehrsgesellschaft, die Deutsche Bahn, die Polizei Rheinland-Pfalz, das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei.

Bildergalerie

  • Sicherheit geht vor: Bereits am Samstag wurden Sicherheitsschleusen getestet.

    Bild: FH Köln/Steyer

  • Ernstfall-Übung: 100 Studentinnen und Studenten waren als Darsteller als Zeugen und Verletzte im Einsatz.

    Bild: FH Köln/Steyer

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