Bild: Quarry Mining LLC, Steute

Verfahrenstechnik Heavy Duty im Wüstenstaub

23.03.2016

In den Steinbrüchen des arabischen Kalifats Ras Al Chaima herrschen extreme Temperaturbedingungen, nur am 14,3 Tagen pro Jahr regnet es. Safety-Schaltgeräte, die hier zum Einsatz kommen, müssen robust konzipiert sein.

Quarry & Mining mit Sitz im arabischen Emirat Ras Al Chaima verfolgt ein außergewöhnliches Geschäftsmodell. Moritz Kerler, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens erläutert es: „Wir projektieren und errichten Anlagen für die Gewinnungstechnik und das Schüttgut-Handling wie zum Beispiel Zerkleinerungs- und Förderanlagen sowie Schiffsumschlagsanlagen. Unser Markt sind die arabischen Länder, und wir liefern ausschließlich qualitativ sehr hochwertige Anlagen mit Kernkomponenten aus deutscher Fertigung.“

Steinbruch statt Öl

Mit dieser Strategie ist das 2001 gegründete Unternehmen durchaus erfolgreich. Quarry & Mining beschäftigt rund 150 Mitarbeiter, nutzt moderne Engineering-Tools und hat sich vor allem in Arabien und den Vereinten Arabischen Emiraten einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Der Sitz des Unternehmens ist nicht zufällig das kleinste der sieben arabischen Emirate. In Ras Al Chaima gibt es keine Ölvorräte, aber sehr große Steinbrüche, die vor allem Kalkstein – Grundmaterial für Fertigbeton – zum Beispiel nach Qatar, Bahrein und Kuwait exportieren.

Mit den Anlagen von Quarry & Mining lässt sich das Material besonders wirtschaftlich gewinnen, verarbeiten und verladen. Jede einzelne Komponente wird dabei hart beansprucht: Kalksteinstaub ist in den Steinbrüchen und den Verarbeitungsbetrieben allgegenwärtig.

Im Sommer wird es im Emirat dauerhaft bis zu 50 °C heiß – im Schatten wohlgemerkt. Feuchtigkeit spielt hingegen trotz der Küstennähe kaum eine Rolle: In Ras al Chaima gibt es im Schnitt 14,3 Regentage pro Jahr, in Deutschland sind es 121.

Trotz der widrigen Bedingungen realisiert Quarry & Mining technisch sehr anspruchsvolle Anlagen. Ein Beispiel: Die kilometerlangen Gurtförderbänder, die den zerkleinerten Kalkstein von den Steinbrüchen in den Bergen hinunter zur Küste fördern, werden über drehzahlvariable Antriebe gesteuert. Da das Eigengewicht der Last die Bänder antreibt, speisen sie beim regenerativen Bremsen Energie zurück ins Netz.

3,5 km Gurtfördertechnik sichern

Zu den deutschen Partnern und Zulieferern, deren Technik Quarry & Mining einsetzt, gehören unter anderem Aumund (Förderanlagen), Kleemann (Zerkleinerungsanlagen), Nilos (Fördergurte), Steinert (Recyclinganlagen), Stiebel (Getriebe) – und Steute. Bei einem aktuellen Projekt kommen rund Hundert „Heavy duty“-Schaltgeräte aus dem Extreme-Programm von Steute zum Einsatz. Christian Drewes, Technischer Manager von Quarry & Mining, erklärt dazu: „Wir haben in einem arabischen Kalksteinbruch zwei Gurtförderanlagen mit einer Gesamtlänge von 3,5 km installiert – einschließlich Brecher und Siebanlagen.“

Zu den Aufgaben der Ingenieure gehörte dabei auch die Absicherung des Bandes gegen Schieflauf und die Konstruktion einer Not-Aus-Einrichtung, die an jedem Punkt der Fördereinrichtung wirksam ist.

„Heavy Duty“-Schaltgeräte für die Sicherheit

Für diese Anwendungen – auch und gerade unter Extrembedingungen – hat Steute die ZS 91-Serie entwickelt. Sie ist als Seilzug-Notschalter (ZS 91 S) und auch als Bandschieflaufschalter (ZS 91 SR) verfügbar und kann dank eines breiten Temperaturbereiches von -40 bis +85 °C sowohl in der arabischen Wüste als auch in sehr kalten Regionen eingesetzt werden.

Die Gehäuse der Schaltgeräte sind sehr widerstandsfähig gegen mechanische Beanspruchungen und bestens abgedichtet sowohl gegen Feuchtigkeit (IP 66/ IP 67) als auch – was technisch noch anspruchsvoller ist – gegen feine abrasive Stäube, wie sie bei der Verarbeitung von Mineralien vorherrschen.

Quarry & Mining setzt in dieser Förderanlage rund 20 Bandschieflaufschalter vom Typ ZS 91 SR ein. Über eine Rolle als Betätigungsorgan werden Abweichungen vom Spurlauf des Förderbandes zuverlässig überwacht. Das verhindert den Abwurf von Material oder Fehlbeladungen, die im schlimmsten Fall zum Stopp des Bandes führen können.

Für die Anlagensicherheit sorgen rund 80 Seilzug-Notschalter ZS 91 S. Sie sind über die gesamte Förderstrecke installiert und erledigen ihre Aufgabe sehr wirtschaftlich, da bereits ein einziger Schalter jeweils 200 m Förderband (2 x 100 m) absichern kann. Eine Seilzug- und Seilriss­erkennung schafft die Voraussetzung für dauerhafte Verfügbarkeit. Die von Steute entwickelten Seilspanner ermöglichen dabei das komfortable Nachstellen der Seilspannung, darüber hinaus vereinfachten sie ganz wesentlich die Installation der Seilzug-Notschalter.

Die Extreme-Schaltgeräte wurden so in die Gesamtanalge integriert, dass sie möglichst geschützt sind. Zum Beispiel verhindern Abdeckbleche an den Aufgabezonen, dass Gestein auf die Schalter fällt. Der Kalksteinstaub lässt sich hingegen nicht vermeiden. Er stellt – gemeinsam mit den sehr hohen Temperaturen – hohe Anforderungen an die Gehäuse und deren Abdichtung. Diese Anforderungen erfüllen die Extreme-Schaltgeräte in vollem Umfang: in den Steinbrüchen Arabiens und zahlreichen anderen anspruchsvollen Einsatzbereichen wie beispielsweise den Abraum-Förderbändern von Tunnelbohrmaschinen.

Bildergalerie

  • Die Umgebungsbedingungen sind eine Herausforderung für elektrische und vor allem für sicherheitskritische Bauteile.

    Bild: Steute

  • Die ZS 91 Extreme-Serie ist als Seilzug-Notschalter (rechts) und Bandschieflauf-Schalter (links) verfügbar

    Bild: Steute

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