Eindhoven ist mit dem Triangulum-Projekt auf dem Weg zur Smart City und auch andere Städte können von diesem und weiteren Projekten lernen.

Bild: Triangulum Project / FraunhoferIAO
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Fünf Erfolgsfaktoren So gelingt das Smart City-Projekt

26.10.2016

Smarte Technologien sollen Städte sauberer, ressourcenschonender und lebenswerter machen. Erfahrungen zeigen, wie Pilotprojekte langfristig erfolgreich sein können.

Durch geförderte Pilotprojekte können Städten erste Schritte Richtung Smart City gehen und sich an die komplexe Thematik heranwagen. Oft versanden diese Testläufe aber relativ schnell, sobald die Förderung ausläuft.

Warum scheitern Smart-City-Projekte?

Häufig sind die technischen und organisatorischen Herausforderungen, die die Vernetzung von Gebäude, Energie, Verkehr und Kommunikation mit sich bringen, größer als angenommen. Meist fehlt ein Gesamtkonzept für die Integration der verschiedenen Bereiche oder ein funktionierendes Geschäftsmodell. Teils werden Leistungen und Produkte geplant und implementiert, die den Nutzerbedürfnissen nicht entsprechen oder es fehlt die Akzeptanz.

Das unterstreichen Erfahrungen aus dem Innovationsnetzwerk Morgenstadt: City Insights, dem aktuell 10 Städte, 21 Industriepartner und 11 Fraunhofer-Institute angehören.

Auch das Projekt Triangulum ist daraus hervorgegangen – eines der Leuchtturmprojekte des Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 der Europäischen Kommission. Unternehmen wie TÜV Süd begleiten in solchen Initiativen Pilotprojekte und werten sie aus.

Fünf Faktoren für den Erfolg

Es haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für den langfristigen Erfolg entscheidend sind:

  • Verwaltung und Organisation anpassen:

    Um innovative Technik planen, finanzieren, implementieren und betreiben zu können, müssen viele Ämter zusammenarbeiten. Auch Bürger, Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollten in allen Phasen mit einbezogen werden.

    Dazu müssen Verwaltungen ihre internen Strukturen anpassen, etwa mit neuen Organisationsformen und modernen Managementsystemen. Damit lassen sich Ziele, Maßnahmen und Fortschritte ämterübergreifend koordinieren und werden transparent.

    Die Aktivitäten können auch in speziellen Smart City-Abteilungen gebündelt werden. Mit einer Bedarfsanalyse sollten vorab langfristige Ziele definiert und Lösungen entwickelt werden. Gut geschulte Mitarbeiter sind wesentlich für erfolgreiche Projekte. Deswegen sind kontinuierliche Trainings zum Thema unerlässlich.

  • Datenplattformen zukunftsfähig planen und betreiben: Stadtverwaltungen können Informationen zu Abfall, Straßenbeleuchtung, Parkraum, Energienetzen und vielen anderen Bereichen nutzen, um mithilfe intelligenter Algorithmen neue Dienstleistungen zu schaffen und Prozesse zu verbessern. So lassen sich etwa Verkehrsflüsse steuern und Staus vermeiden, was auch die innerstädtische Luftqualität verbessert. Dazu brauchen Verwaltungen übergreifende Datenplattformen. Diese müssen Informationen möglichst aktuell oder idealerweise in Echtzeit liefern. Um sich nicht von Technologieanbietern abhängig zu machen, sollten offene Standards verwendet werden. Eine Open-Data-Strategie hilft, Innovationspotenziale zu nutzen. So können etwa lokale Startups mit den Daten neue Produkte und Dienste entwickeln. Aber auch die strategische Planung der Stadtverwaltung kann durch die systematische Datenanalyse verbessert werden.

  • Lokale Innovationskraft stärken: Innovationen sind ein Kernelement der Smart City. Ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen Städte durch Strukturen, die den Austausch zwischen Verwaltung, Bürgern, Unternehmen und Hochschulen ermöglichen. Online-Plattformen können dabei helfen, über Entwicklungen zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Dazu können Verwaltungen auch Arbeitsgemeinschaften beteiligter Akteure fördern. Beispiele sind Netzwerke wie Tripple Helix oder Quadruple Helix, die vielerorts aus Stadtverwaltung, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft beziehungsweise Stadtverwaltung, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Bürgern entstehen. In Netzwerken über Stadtgrenzen hinaus, wie Morgenstadt: City Insights, können Akteure Erfahrungen mit Pilot-
    projekten, Herausforderungen und Lösungsansätze austauschen. Als Instrument, um Nutzen und Akzeptanz von Innovationen in der Praxis zu testen, haben sich sogenannte City Labs erwiesen. Neue Technologien werden hier auf einem begrenzten Teilgebiet der Stadt implementiert und unter realistischen Bedingungen erprobt. Das baut Berührungsängste ab, es können aber auch Nutzerprobleme zurückgemeldet werden. Produkte und deren Vernetzung können verbessert werden. Gründerzentren und Inkubatoren unterstützen Startups mit günstigen Räumen, Infrastruktur und Zugang zu Beratungsangeboten.

  • Regulierungen und Anreize schaffen: Anreizstrukturen, etwa eine selektive City-Maut, können helfen, smarten Technologien den Weg zu ebnen. Dabei müssen Fahrer konventioneller PKW zahlen, während Elektroautos davon befreit sind. Solche Regulierungen beeinflussen das Nutzerverhalten, wie hier das Mobilitätsverhalten, wirksam und beschleunigen nachhaltige Entwicklungen. Für den Erfolg ist allerdings wichtig, dass die Stadt es auch schafft, die Vorschriften konsequent zu überwachen.

  • Innovatives Finanzieren und Ausschreiben: Finanzierung und Ausschreibung zählen zu den größten Hürden für gelungene Smart City-Projekte. Nicht nur, weil sie komplex sind und zahlreiche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Technologien bestehen. Vielmehr ist ein gemeinsamer Ausschreibungsprozess verschiedener Ämter notwendig. Deren Planungsabläufe und Budgets müssen zeitintensiv und kompliziert aufeinander abgestimmt werden. Einige Kommunen erproben hier neue Modelle, beispielsweise den wettbewerblichen Dialog. Hier diskutieren Vertreter der Kommunen Details des Auftrags vorab gemeinsam mit Unternehmen. Das kann dabei helfen, Anforderungen und Lösungsstrategien frühzeitig und genauer zu definieren und damit gezielter auszuschreiben. Im Rahmen von Innovationspartnerschaften fördert die öffentliche Hand Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Entwicklung passgenauer Lösungen für spezifische Probleme. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn keine adäquaten Produkte auf dem Markt verfügbar sind.

Smarter Vorreiter

Das Stadt Eindhoven in den Niederlanden gilt als eine der innovativsten Städte weltweit und hat in den letzten Jahren seine Entwicklung zur Smart City – unter anderem im Rahmen des europäischen Triangulum-Projektes – bedeutend vorangetrieben.

So ist es Vorreiter bei neuartigen Partizipationsformen und macht seit Jahren gute Erfahrungen mit Quadruple-Helix-Dialogen zwischen Stadtverwaltung, Forschungseinrichtungen, Wirtschaft und Bürgern.

Die Stadt testet Public-Co-Investment-Strategie für smarte Technologien. Auch City Labs werden hier umgesetzt: Auf dem ehemalige Industrieareal Strijp-S arbeiten Stadt und Bauunternehmen gemeinsam an Lösungen, wie smarten Parkleitsystemen oder einer Software zur Steuerung von Gebäudetechnik. Ein anderes Unternehmen testet hier Sound Kameras, die in Straßenlaternen integriert werden, Geräusche auswerten und kritische Situationen erkennen können.

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