Dr. Dirk C. Gratzel ist unter anderem Gründer der Unternehmen greenzero.me und Heimaterbe und steht an der Spitze des Greenzero Konzerns. Er ist Pionier in ökologischer Transformation und der erste Mensch, der mit wissenschaftlicher Genauigkeit seinen lebensbezogenen ökologischen Ausgleich betreibt, mit dem Ziel, seine persönliche Ökobilanz auf null zu setzen.

Bild: Heimaterbe

Dr. Dirk C. Gratzel, Heimaterbe Enkelfähiger Ruhrort

27.10.2022

Als mein Vorhaben im Jahr 2016 startete, lag beispielsweise noch mein jährlicher Klimagas-Fußabdruck bei 27 Tonnen CO2 – er war damit doppelt so groß wie der NRW-Durchschnitt. Mittlerweile nähere ich mich der grünen Null an, bin Gründer zweier Firmen im Nachhaltigkeitssektor und stehe an der Spitze des Greenzero-Konzerns – was bei mir funktioniert hat, wenden wir auf nun auf Städte und Unternehmen an.

Es begann, wie alles im Leben, mit einem Gefühl. Das Gefühl wurde zur Überzeugung, die Überzeugung zur Unternehmung. Das Unternehmen zum Konzern. Als mein Vorhaben im Jahr 2016 startete, lag mein jährlicher Fußabdruck bei rund 10.000 Euro Umweltkosten. Zur Einordnung: Das ist doppelt so hoch wie der nordrhein-westfälische Durchschnitt. Ich hatte das immer drängendere Gefühl, etwas an meinem Umgang mit dem Planeten ändern zu wollen. So entstand der Entschluss, meine ökologische Lebensbilanz bis zu meinem Tode auszugleichen. Mittlerweile bin ich beispielsweise bei sieben Tonnen CO2-Ausstoß jährlich, meine laufenden Umweltkosten – nach europäischem Standard berechnet – haben sich um mehr als zwei Drittel reduziert.

Aber fangen wir von vorne an: Meinen ökologischen Fußabdruck zu untersuchen war schwieriger als zunächst gedacht. Auf dem Markt gab es keine Dienstleistenden, die diesen in allen relevanten Wirkungskategorien – Versauerung, Eutrophierung, Toxizität, Wasserfußabdruck, stratosphärische Beeinträchtigung der Ozonschicht – berechnen konnten. Also habe ich in einem von der TU Berlin begleiteten Prozess eben diese Berechnung, erstmalig für ein ganzes menschliches Leben, vorgenommen und dabei mein erstes Unternehmen, Greenzero.me, gemeinsam mit den dortigen Wissenschaftlern gegründet. Das Ergebnis der Analyse war alarmierend: Bezogen auf mein gesamtes Leben habe ich 1.180 Tonnen CO2, fünf Tonnen Schwefeldioxid und eine Tonne Phosphat emittiert – eine tiefrote Ökobilanz. Mit einer deutlichen Veränderung meines Lebensstils konnte ich diesen Fußabdruck um 60 bis 80 Prozent senken.

Was aber mit den Umweltschulden, die bis dato entstanden waren, und den restlichen, nicht vermeidbaren Wirkungen meines weiteren Handelns? Gemeinsam mit der TU Berlin haben wir einen ganzheitlichen Kompensationsansatz entwickelt: Die stofflichen Ergebnisse der Ökobilanz werden nach etablierten Monetarisierungsstandards in sogenannte Umweltkosten umgerechnet. Sie betragen, auf mein bisheriges Leben gerechnet, rund 400.000 Euro und mein derzeitiger Lebensstil verursacht zusätzlich Kosten von 1.500 bis 2.000 Euro jährlich. In exakt diesen ökonomischen Dimensionen muss ich nun der Natur neuen Umweltwert, also ökologische Aufwertung, zurückgeben.

Um diesen Kompensationsansatz herum habe ich sodann die Heimaterbe gegründet. Das Unternehmen steht für einen mehrdimensionalen, ganzheitlichen Ausgleich aller negativen Umweltauswirkungen. Wir erwerben brachliegende Flächen und entwickeln diese im Sinne der Natur neu.

Mittlerweile wachsen wir weiter: Neben Greenzero.me und Heimaterbe gehören HQ und die Innovation City Management GmbH, die seit über zehn Jahren in der nachhaltigen Stadtentwicklung aktiv ist, zum kleinen Greenzero-Konzern. Ziel von Greenzero ist, Unternehmen für ihre Produkte und Dienstleistungen und Städten für ihre Quartiere Transformationslösungen zu bieten, die zu einem die Biosphäre nicht mehr belastenden Zustand führen. Einfach gesagt: Wir erstellen Ökobilanzen von Quartieren oder Produkten, erarbeiten Strategien für einen Weg zur maximalen Verringerung der Umweltwirkung und unterstützen dann dabei, die unvermeidlichen, übrig geblieben Umweltwirkungen zu kompensieren. Wir möchten so zu einer Gesellschaft kommen, in der wir die Natur durch unser Dasein nicht weiter belasten. Die grüne Null ist die Leitidee – eben Greenzero.

Mit dieser geballten Kompetenz von jetzt schon über 100 Umweltexperten können wir das Ruhrgebiet nachhaltig verändern. In diesem Jahr haben wir, gemeinsam mit der Stadt Duisburg und Haniel, das Großprojekt „Urban Zero“ gestartet: Es markiert den weltweit erstmaligen Versuch, ein urbanes Quartier – Duisburg-Ruhrort – in wenigen Jahren hin zur vollständigen Umweltneutralität zu transformieren. Dabei sollen alle mit Methoden der Ökobilanzierung messbaren Umweltwirkungen des Quartiers erfasst, reduziert und in ihren unvermeidlichen Anteilen kompensiert werden. Gelingt das Vorhaben, dient es auch international als Vorbild für den grundlegenden Transformationsprozess urbaner Räume und Gesellschaften. Als solches weist es den Weg in eine (über)lebensfähige Gesellschaftsstruktur und zukunftsfähige Urbanität.

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