Nicht aus den Augen verlieren: Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 behalten Energiefresser auch in energieintensiven Unternehmen im Blick und helfen, Einsparpotenziale zu heben.

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Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 Energiefresser im Blick

05.10.2016

Die energiepolitischen Ziele der deutschen Bundesregierung scheinen ambitioniert: Gegenüber 2008 soll der Primärenergieverbrauch bis 2020 und langfristig um 50 Prozent sinken. Einsparpotenziale, die helfen können, diese Ziele zu erreichen, schlummern sowohl in privaten Haushalten als auch in Unternehmen und lassen sich mit Energiemanagementsystemen heben.

„Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, sagt der Volksmund. Auf die Energiewelt übertragen bedeutet das: Der Stromverbrauch, von dem ich nichts weiß, interessiert mich nicht. So überrascht es nicht, dass es beim Energiesparen im ersten Schritt darum geht, Transparenz über den aktuellen Verbrauch zu schaffen. Erst mit einem Bewusstsein für den tatsächlichen Verbrauch entsteht auch das Bewusstsein für Einsparpotenziale. Hier setzt die ISO-Norm 50001 (Norm zu Energiemanagementsystemen, siehe Kasten) an.

Eine Anmerkung vorab: In Deutschland besteht für Unternehmen bisher keine Pflicht, ein Energiemanagementsystem (EnMS) einzuführen. Deshalb jedoch darauf zu verzichten, wäre zu kurz gedacht, da ein EnMS mittelfristig viele Vorteile bringt. Denn für Unternehmen, die nicht vor der Einführung eines normgerechten Energiemanagementsystems zurückschrecken, ist der Gewinn nicht nur aus finanzieller Sicht enorm: Energiebewusste Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unseres Planeten und verbessern damit auch ihr Image in der Öffentlichkeit. Für das produzierende Gewerbe besteht ein weiterer Anreiz: Die Zertifizierung nach ISO 50001 ist in Deutschland Voraussetzung für die teilweise Befreiung besonders energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage und für die Entlastung von der Strom- und Energiesteuer.

Die ISO 50001

Die im Juni 2011 veröffentlichte ISO 50001 ist eine weltweit gültige Norm der International Organization for Standardization (ISO). Ihr Ziel ist es, Organisationen und Unternehmen beim Aufbau eines systematischen Energiemanagements zu unterstützen. Ist bereits ein mit der Norm übereinstimmendes Energiemanagementsystem vorhanden, kann dieses mit Hilfe der Norm zertifiziert werden. Die Struktur entspricht dem Aufbau anderer ISO-Managementsysteme. Dadurch lässt sich die ISO 50001 sehr einfach in entsprechende, bereits vorhandene Managementsysteme integrieren. Sie basiert auf dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) und legt einen Schwerpunkt auf kontinuierliche Verbesserungsprozesse. Die Zertifizierung übernehmen akkreditierte Zertifizierungsorganisationen. Das bringt einem Unternehmen Gewissheit über die Funktionalität und Effizienz des implementierten Energiemanagementsystems.

Die ISO 50001 in der Praxis

Bei der Umsetzung der Norm in die Praxis ist wesentlich, dass Verantwortung und Leitung für das Managementsystem bei der Unternehmensführung angesiedelt werden. Diese entwickelt die firmeninterne Energiepolitik samt konkreten Strategien, legt Grenzen fest, stellt notwendige Ressourcen zur Verfügung und beauftragt einen Energiemanager. Je nach Firmengröße stellt dieser dann gemeinsam mit einem ganzen Team sicher, dass das Energiemanagementsystem normgerecht implementiert, verwirklicht, aufrechterhalten und kontinuierlich verbessert wird.

Es ist sinnvoll, das Team mit Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens zu besetzen, wie Einkauf, Instandhaltung, Produktion und Buchhaltung. Damit ist sichergestellt, dass Bewusstsein und Kooperationswillen auf breiter Ebene geschaffen werden. Darüber hinaus ist eine gute interne Kommunikation eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der firmeninternen Energiepolitik.

Grundsätzlich darf ein Unternehmen das EnMS flexibel handhaben und im Hinblick auf Energieeinsparungen selbst den Grad, Umfang sowie zeitlichen Rahmen bestimmen. Allerdings muss die Unternehmensführung in regelmäßigen Abständen, mindestens aber jährlich, die festgelegte Energiepolitik überprüfen, evaluieren und bei Bedarf anpassen.

Knackpunkt: Datenerfassung

Die Unternehmensführung benennt im Zuge des Energiemanagements strategische und operative Ziele. Sie stellt sicher, dass die Energiekennzahlen (EnPLs) angemessen sind und überprüft regelmäßig, ob sie auch eingehalten werden. Damit spielt die Datenerfassung eine wesentliche Rolle bei der Einführung eines EnMS. Wie lassen sich Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 in Unternehmen einführen? Mit dieser Frage hat sich Ante Crnjac, Account Manager Business Management & Sales bei Rösberg Engineering, im Zuge einer Pilotanwendung bei einem Industrieprojekt ausführlich befasst: „Die Norm macht keine Vorgaben, wie Energieverbräuche erfasst und ausgewertet werden sollen. Das kann manuell oder softwaregestützt geschehen“, erklärt er.

„Wir haben in diesem Zusammenhang gute Erfahrung mit dem Anlagenchronist Acron von Videc gemacht, der sich hier als nützliches Tool erweist. Bei der Einführung können wir unterstützend zur Seite stehen. Auch bei der Anbindung von Energiedaten ans PLS unterstützen wir Anwender mit entsprechender Hardware und den passenden Softwareschnittstellen“, so die Erfahrung des Account Managers. Abhängig von der Größe und Komplexität einer Anlage kann es sinnvoll sein, sich vorerst auf die Hauptverbraucher zu konzentrieren. Je detaillierter man alle Verbraucher in einer Anlage betrachtet, desto höher ist das Einsparpotenzial. Die Software unterstützt bei der Analyse der Daten.

Neben der praktischen Unterstützung stehen die Automatisierungsexperten von Rösberg auch beratend zur Seite, wenn es um die Einführung von EnMS nach ISO 50001 geht. „Von staatlicher Seite erhalten Unternehmen zum Beispiel Unterstützung bei der Beschaffung von Messtechnik beziehungsweise dem Erwerb von Betriebsdatenerfassungssoftware, außerdem gibt es für die effizientere Nutzung von Energie zahlreiche staatliche Vergünstigungen. Auch hier beraten wir“, zählt Crnjac die verschiedenen Beratungsmöglichkeiten auf.

Energiebewusstsein fördern

Energieeffizienz muss in Prozessen, Design und Beschaffung aber auch bereits bei der Beschaffung von Komponenten präsent sein. Folgekosten, etwa durch Energieverbrauch im Einsatz, müssen ebenso bedacht werden wie die Anschaffungskosten selbst. Deshalb sind neben technischen Maßnahmen, wie dem Austausch von „Energieschluckern“, vor allem instruktive Maßnahmen wichtig, um Energie zu sparen: Es bedarf konkreter Handlungsanweisungen dafür, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt oder in welchem Rhythmus auszuführen sind.

Die regelmäßige Kommunikation über ein eingeführtes Energiemanagementsystem, dessen Zielsetzung und Verantwortlichkeiten ist also wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung. Ebenso wichtig sind Tools zur übersichtlichen Darstellung verbrauchter und eingesparter Energie, die Einsparpotenziale immer wieder ins Bewusstsein der Mitarbeiter rücken und dazu motivieren, „dran zu bleiben.“

Systemintegration und vertikale Integration sind Themen, die Rösberg schon seit Jahrzehnten verfolgt. Von der in vielen Projekten gesammelten Erfahrung des Unternehmens können Anwender auch dann profitieren, wenn es darum geht, ein EnMS in der eigenen Anlage nachzurüsten. Der Hersteller von Automatisierungslösungen berät beispielsweise bei der Wahl geeigneter Software zum Erfassen und Visualisieren von Energiedaten ebenso wie bei deren Implementierung. So können Unternehmen mit einem Energiemanagementsystem nach ISO 50001 nicht nur einen Beitrag zur Energiewende leisten, sondern meist schon relativ kurzfristig Kosten ihre senken.

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