Mithilfe von flüssigem Stickstoff entstehen vor den Augen der Besucher Eiskreationen.

Bild: Linde Gas

Thermische Verfahren Eis live kreiert

30.10.2016

Zu den Attraktionen eines Vergnügungsparks zählen seit Kurzem auch Eis-Erlebnisse: Mithilfe von flüssigem Stickstoff entstehen vor den Augen der Besucher Eiskreationen wie Salty Caramel, Granny´s Apple Pie oder Vanilla Oreo Cream. Das Konzept für die Stickstoffversorgung stammt – wie auch das Gas selbst – von einem Industriegaseproduzenten.

Im traditionsreichen Heide Park Resort im niedersächsischen Soltau ist für alle Generationen etwas geboten: Eltern und Kinder werden zum Beispiel in der Themenwelt „Drachenzähmen – Die Insel“ zu Nachwuchs-Drachenreitern und können in der Bucht der Piraten in einer Schlacht gegen Landratten antreten. Hinzu kommen Achterbahnen und seit Neuestem eine Art Live-Eis.

Das Management des Heide Parks arbeitet gern mit Geschäftspartnern zusammen, die eigene Ideen einbringen. „Wir haben seit dem Saisonstart 2016 den weltweit größten und deutschlandweit ersten Nitrogenie-Shop“, berichtet Commercial Director Jan-Peter Becker. „Allein der Herstellungsprozess sorgt für viel Aufmerksamkeit und lockt Zuschauer an“, erklärt Becker. Die „coole“ Zutat dieser außergewöhnlichen Eiskrea­tion aus Australien mit Ablegern: flüssiger Stickstoff. Das Gas, Hauptbestandteil der Erdatmosphäre, wird beim Herunterkühlen flüssig. Mit einer Temperatur von -195,8 °C kommt es unter anderem in der Lebensmittelverarbeitung beim Schockfrosten zum Einsatz.

Doch auch Eiscreme lässt sich mithilfe von flüssigem Stickstoff zubereiten – im Handumdrehen und auf spektakuläre Weise: Wird das Gas in eine Eismischung aus Sahne und Milch gegossen, zischt und dampft es. Binnen Sekunden verflüchtigt sich der Stickstoff und das Eis ist bereit zum Verzehr. Alle Nitrogenie-Eiskrea­tionen bestehen aus natürlichen Zutaten und werden vor den Augen der Zuschauer zubereitet. Anders als bei herkömmlichem Speiseeis verhindert der schnelle Gefrierprozess die Bildung von Lufteinschlag. Entsprechend gut kommt das Eis bei den Gästen an.

Der Umgang mit flüssigem Stickstoff erfordert jedoch besondere Sorgfalt. Denn der direkte Kontakt, ohne Handschuhe und Schutzbrille, kann schwere Kälteverbrennungen hervorrufen. Zudem birgt eine Unterschreitung der natürlichen Sauerstoff-Konzentration Gefährdungspotenzial – etwa wenn Stickstoff den zum Atmen notwendigen Luftsauerstoff verdrängt. Verdampft ein Liter flüssiger Stickstoff, entstehen knapp 700 l gasförmiger Stickstoff. Nur ein in diesem Feld kompetenter Partner kam für die Umsetzung des Nitrogenie-Shops im Heide Park infrage. „Linde ist weltweit Marktführer und hat langjährige Erfahrungen“, begründet Jan-Peter Becker die Entscheidung für den Industriegashersteller.

0,3 Liter Stickstoff pro Portion

Schnell war den Experten bei Linde klar: Der herkömmliche Herstellungsprozess mithilfe mobiler Stickstoffkannen eignete sich für den Nitrogenie-Shop nicht. Aufgrund der Größenordnung galt es ein völlig neues Versorgungskonzept zu finden. Vor allem musste eine lückenlose Versorgung gewährleistet sein, um auch den großen Andrang an heißen Sommerwochenenden mit minimalem Handlingaufwand zu bewältigen.

Etwa 0,3 l Stickstoff fallen für die Herstellung einer Eisportion an. Damit der Nachschub nicht ausgeht, wurde ein 3.000 l fassender Tank im Heide Park aufgestellt. Gefüllt ist er mit Stickstoff in Lebensmittelqualität aus dem Biogon-Sortiment von Linde. Das Produktportfolio umfasst Reingase und Gasgemische speziell für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, deren Reinheit die gesetzlich geforderten Werte übertrifft. Zum anderen entsprechen die Gase den speziellen Vorgaben zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmittelzusatzstoffen, etwa über eine kontinuierliche Erfassung und Dokumentation aller Produktions- und Lieferschritte.

Im Heide Park gelangt der flüssige Stickstoff über vakuumisolierte Leitungen mit Leitungsentgaser zu den vier Entnahmestellen über dem Tresen. Das Hantieren mit Stickstoffkannen entfällt damit für die Mitarbeiter. Für Sicherheit sorgt ein speziell für Anwendungen im Nitrogenie-Shop entwickeltes, dreistufiges Konzept. Das beim Herstellungsprozess entstehende Kaltgas wird über Bodenabsaugung abgezogen und ins Freie geleitet. Sollte ein bestimmter Schwellenwert für den Sauerstoffgehalt der Umgebungsluft erreicht werden, weist eine Warnlampe das Personal darauf hin. Die Absaugung schaltet dann automatisch auf die höchste Stufe. Bei Erreichen eines zweiten Schwellenwerts wird eine allgemein sichtbare Warnleuchte aktiviert. Bei Erreichen des dritten Schwellenwerts ertönt ein Signalton und die Stickstoffzufuhr wird durch das automatische Tankventil unterbrochen. Diese lückenlose Überwachung soll eine Gefährdung von Mitarbeitern und Besuchern ausschließen.

Auch im Heide Park gilt: Wo Gase im Einsatz sind, nimmt der Gesetzgeber den Arbeitgeber über die Betriebssicherheitsverordnung sowie die Gefahrstoffverordnung in die Pflicht: Er überträgt ihm die Verantwortung für den sicheren Betrieb und die Unterweisung seiner Mitarbeiter.

Dreistufiges Sicherheitskonzept

Die Eiszubereiter des Nitrogenie-Shops wurden deshalb durch Mitarbeiter von Linde im Zuge der Inbetriebnahme geschult. Dauerhaft soll das Liprotect-Sicherheitspaket von Linde den Standard gewährleisten. Es beinhaltet neben der regelmäßigen Wartung der Anlage eine jährliche Sicherheitsbegehung sowie alle vier Jahre einen komplette Überprüfung des Sicherheitskonzepts. Außerdem stellt Linde einen Einweisungsleitfaden für neue Mitarbeiter zur Verfügung.

Bildergalerie

  • Zu den Attraktionen des Heide Park Soltau zählt nun auch eine Eisdiele, in der Eis direkt vor den Augen der Zuschauer gefertigt wird.

    Bild: Linde Gas

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