Bei der Aufbereitung von Abwasser zeigen sich die Ifat-Aussteller einfallsreich: Donau Carbon stellt beispielsweise Aktivkohlen vor, die aus den Schalen von Kokosnüssen produziert werden und störende Substanzen entfernen.

Bild: Donau Carbon

Wasser in der Chemiebranche Effizienzpotenziale nicht versickern lassen

25.04.2018

Über Neuentwicklungen für die Wasserversorgung und die Aufbereitung von Abwasser und flüssigen Abfällen informiert die Ifat vom 14. bis 18. Mai 2018 in München. Ein Fokus liegt dabei auf der wasserintensiven Chemieindustrie.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO müssen mindestens zwei Milliarden Menschen weltweit ihren Durst mit verunreinigtem Wasser löschen. Der Klimawandel könnte die Situation zukünftig noch verschärfen. Damit steigt die Verantwortung der Industrie, mit der kostbaren Ressource effizient umzugehen.

Besonders hoch ist der Wasserbedarf in der Chemiebranche, die zudem oft in Ländern mit Wasserknappheit produziert. Doch Chemieunternehmen sind sich ihrer besonderen Verpflichtung bewusst und nutzen laut Verband der Chemischen Industrie jeden Liter Wasser mittlerweile fast sechsmal.

Werkzeuge für Wassermanagement

Doch damit nicht genug: Die Chemiebranche entwickelt selbst Werkzeuge für ein effizientes Wassermanagement. Auf der Ifat 2018 in München informiert zum Beispiel der Spezialchemiekonzern Lanxess über seine Produkte zur Wasseraufbereitung, darunter Ionentauscher und Membranelemente für die Umkehrosmose. Beide Techniken, oft im Verbund eingesetzt, entfernen Schadstoffe und störende Substanzen aus Wässern.

Während die Membrantechnik bei hohem Salzgehalt kosteneffizient arbeitet, erreichen Ionentauscher bei niedrigen Salzkonzentrationen eine Feinreinigung. Derart aufbereitetes Prozess- und Kühlwasser schont industrielle Anlagen, denn dank der Entmineralisierung und der geringen Restleitfähigkeit wird Verkalkung und Korrosion vorgebeugt.

Eine wichtige Rolle spielen Ionentauscher und Membrantechniken vor allem auch im Umweltschutz: In der Region um Tirupur beispielsweise, dem Zentrum der indischen Baumwollverarbeitung, werden mit Produkten von Lanxess täglich rund 24.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt, die früher umliegende Gewässer kontaminierten. Störende Substanzen lassen sich auch per Adsorption aus Wasser und Abwasser entfernen. Lanxess bietet dafür Eisenoxide an.

Das Unternehmen Donau Carbon aus Frankfurt am Main stellt auf der Messe Aktivkohlen vor, die es unter anderem auf den Philippinen aus den Schalen von Kokosnüssen gewinnt. Das Unternehmen bietet mobile Aktivkohlefilter in verschiedenen Größen zur Miete oder zum Kauf. Anwender können dabei den kompletten Service inklusive des Austausches und der Entsorgung beladener Aktivkohle in Anspruch nehmen.

Industrielle Abwasserbehandlung

Die Chemie- und Pharmabranche behandelt ihre Abwässer vor oder betreibt gar eigene Klärwerke, da kommunale Kläranlagen mit den oft komplexen Schadstoffgemischen der industriellen Abwässer überfordert wären. Für Substanzen, die nicht biologisch abbaubar sind, bietet sich eine oxidative Zerstörung an. Dabei fallen keine kontaminierten Reste an, die man verbrennen müsste.

Systeme für den oxidativen Schadstoffabbau stellen mehrere Aussteller auf der Ifat vor: Envirochemie aus dem hessischen Roßdorf hat eine auf Wasserstoffperoxid und UV-Licht basierende Anlage entwickelt, die Abwässer der Pharmaindustrie von Arzneimittelrückständen befreit.

Linde zeigt ein System für die oxidative Behandlung mit Ozon. Für die biologische Abwasseraufbereitung, die ebenfalls im Fokus der Messe steht, hat Linde ein mobiles System der Sauerstoffbegasung speziell für kleinere und mittlere Unternehmen im Programm.

Damit Bakterien eine hohe Abbaurate erreichen, ist ferner eine gute Durchmischung erforderlich. Rührwerke müssen dabei nicht nur das Absetzen von Partikeln verhindern, sondern zudem scherarm arbeiten, damit sie Flocken nicht zerstören. In der anaeroben Stufe sollten außerdem Turbulenzen an der Wasseroberfläche vermieden werden, um den Sauerstoffeintrag zu minimieren. Die Rühr- und Begasungssysteme von Invent erfüllen diese hohen Ansprüche und sind zudem robust genug für die oft aggressiven und salzhaltigen Abwässer der Chemieindustrie.

Schlämme als wertvolle Ressource

Klärschlämme sowie Schlämme aus der industriellen Produktion müssen oft teuer entsorgt werden – obwohl sie noch kostbare Rohstoffe enthalten. Die österreichischen Anlagenbauer Kremsmüller und Kanzler Verfahrenstechnik zeigen in München, wie sich Wertstoffe und Energie aus Schlämmen jeglicher Konsistenz zurückgewinnen lassen. Das Herzstück ihrer Anlage ist ein modernes thermisches Trennverfahren, basierend auf einem Dünnschichtverdampfer.

Bildergalerie

  • Ionenaustauscher von Lanxess leisten einen Beitrag zur industriellen Wasseraufbereitung, für die Aufbereitung von Trinkwasser sowie zur Herstellung von Höchstreinwasser.

    Bild: Lanxess

  • Die Umkehrosmose-Membranelemente der Marke Lewabrane, die Lanxess für die Wasseraufbereitung anbietet, zeichnen sich durch lange Lebensdauer, gute Permeatausbeute und Salzrückhaltung bei geringem Energiebedarf aus.

    Bild: Lanxess

  • Die Rühr- und Begasungssysteme von Invent sind robust genug für die oft aggressiven und salzhaltigen Abwässer der Chemieindustrie.

    Bild: Invent

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