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Interview: Versorger im Wandel Digitale Lösungen und Dienstleistungen

29.01.2018

Natgas hat das IT- und Innovationsmanagement neu auf gestellt und befindet sich im digitalen Wandel. Was genau gemacht wird, erklärt Jan-Hendrik Semkat, Bereichsleiter Innovations- und IT-Management.

Energy 4.0:

Sie kommen vom klassischen Gas- und Stromhandel. Was hat Sie dazu veranlasst sich zum digitalen Lösungsanbieter und Dienstleister in der Energiewirtschaft zu wandeln?

Jan-Hendrik Semkat:

In unserem Geschäft geht es immer weniger um den Transport von Energierohstoffen, sondern zunehmend um Daten und Steuerungsprozesse. Der Schwenk von großen Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken zu einer kleinteiligen, regenerativen Stromerzeugung verändert auch die Marktmechanismen. Neuen Dienstleistungen wie der Direktvermarktung von Strom aus dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, der Vermarktung von Regelenergie für den Strom- und Gasmarkt sowie dem Cross-Commodity-Management gehört die Zukunft. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Erzeugungsanlagen unserer Kunden entlang des Marktes weiterzuentwickeln: von der Potenzialanalyse über die Ausarbeitung optimierter Einsatz-Fahrpläne bis hin zur finalen Umsetzung und Flexibilitätsvermarktung. Neben diesen neuen Geschäftsfeldern ist allerdings der Handel mit Strom und Gas unverändert ein wichtiges Standbein unseres Unternehmens.

Welche digitalen Lösungen bieten Sie an?

Schon vor geraumer Zeit haben wir mit dem Aufbau unseres virtuellen Kraftwerks begonnen. In diesem anspruchsvollen Projekt konnten wir eine performante Lösung schaffen und dabei sehr viel lernen. Wir verfügen heute deutlich schneller über relevante Informationen und Daten, um daraus gute Entscheidungen abzuleiten. Unsere Erwartungen wurden dabei klar übertroffen und es war für uns ein logischer nächster Schritt, das Thema digitale Lösungen und Dienstleistungen anzugehen. Obwohl wir hier noch am Anfang stehen, können wir unseren Kunden und Partnern bereits viele digitale Services anbieten. Dies beginnt in den klassischen Bereichen des Bilanzkreis- und Portfoliomanagements und setzt sich unter anderem in unserem Netzwerkprojekt fort. Im Rahmen des EnergieFlexWerks entwickeln wir maßgeschneiderte Lösungen im Energiemanagement für Kunden aus der Industrie und öffentlichen Einrichtungen. Dabei sind wir jetzt schon feingliedriger als das bisher auf Zählpunktbasis möglich war. Wir nutzen Demand-Side- und Cross-Commodity-Management zur Steigerung der Energie- und Markteffizienz und leisten damit unseren Beitrag zum Klimaschutz. Das Ziel ist, diese Möglichkeiten zeitnah auch für Endkunden verfügbar zu machen.

Demand Side Management und Sektorenkopplung prägen die Energielandschaft. Ihr Meinung dazu?

Wir sehen diese Entwicklungen als essentiell für den Energiemarkt der Zukunft. Gleichfalls sind sie zwingend für die Energiewende. Durch die smarte Vernetzung von dezentraler Erzeugung und Verbrauch ist es uns möglich, grüne Energie effizient und klimaneutral zu nutzen.

Was ist unter Cross-Commodity zu verstehen?

Unter CCM verstehen wir die Verknüpfung verschiedener Energieträger wie Strom, Gas, Wärme oder Kälte. Diese Verknüpfung erfolgt sowohl in der Erzeugung als auch im Verbrauch. Darunter fallen beispielsweise die Steuerung dezentraler Erzeugung aus BHKW mit Wärme- oder Kältenutzung, aber auch die Nutzung neuer Technik wie Power-to-Gas. Hier werden Synergieeffekte über den Rand der einzelnen Commodity-Netzwerke hinaus erschlossen.

Sie haben den Bereich I2M gegründet. Können Sie diesen bitte erklären?

In unserem Bereich Innovations- und IT-Management haben wir unterschiedliche Kompetenzen gebündelt, um aktuelle und zukünftige Problemstellungen der Digitalisierung zu lösen. Wir folgen dabei einem interdisziplinären Ansatz, vergleichbar mit dem des Hasso-Plattner-Instituts hier in Potsdam. Zwar starten wir mit einem Fokus auf die Energiewirtschaft, beschränken uns aber nicht darauf. Im Gegensatz zu vergleichbaren Think-Tanks haben wir I2M grundlegend mit unseren Leistungsbereichen innerhalb des Unternehmens verknüpft und mit den Ressourcen ausgestattet, Lösungen unbürokratisch in der Praxis zu erproben.

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