Nicht nur Kriminelle nutzen den Schutz der Anonymität, den das Darknet bietet.

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Was Sie schon immer wissen wollten Die Wahrheit über das Darknet

11.05.2017

Drogenhandel, Waffen, Kinderpornografie: Mit dem Darknet verbinden die meisten das Illegalste vom Illegalen. Aber wussten Sie, dass die dunklen Ecken des WWW auch helle Seiten haben? Ein Internet-Experte vom KIT beantwortet die häufigsten Fragen zum Darknet.

Was bedeutet der Begriff „Darknet“ oder „Darkweb“ eigentlich? Zunächst einmal bezeichnet man damit Teile des Internets, deren Inhalte Suchmaschinen nicht erkennen und wo die Identität der Akteure im Dunkeln bleibt.

Anonym bedeutet nicht automatisch illegal

Dieser Bereich werde auch nicht ausschließlich für illegale Machenschaften genutzt, so der Internet-Experte Roland Bless vom Karlsruher Institut für Technologie . Das Darknet ist per se weder gut noch böse, es verspricht den Nutzern vor allem eines: Anonymität.

Das Darknet besteht aus Web-Servern, die über anonymisierende Netze wie Tor erreichbar sind. Gewöhnliche Webbrowser wie Firefox, Safari oder Google Chrome können darauf gar nicht erst zugreifen. So wird verhindert, dass Dritte Informationen über den Standort beziehungsweise die Identität des Nutzers und seine Surfgewohnheiten abgreifen.

Das Tor zum Darknet

Das Tor-Netz bildet als sogenanntes Overlay-Netz ein eigenes logisches Netz oberhalb der normalen Internetinfrastruktur und verschleiert durch die Verkettung von mehreren Tor-Servern (auch „Tor-Knoten“ genannt), von welchem Rechner oder Smartphone aus auf welche Inhalte zugegriffen wird, ebenso wie den Server- Standort. Dazu werden die Informationen entsprechend verschlüsselt, so dass ein Abhören der Kommunikation im Netz keine Rückschlüsse auf Absender oder Empfänger zulassen. Betrieben wird das Tor-Netz von Freiwilligen, welche die nötige Infrastruktur bereitstellen.

Meinungsfreiheit im Darknet

Nicht nur Kriminelle sind daran interessiert, anonym im Netz zu bleiben. Neben gewöhnlichen Usern, die sparsam mit ihren Daten umgehen wollen, ist das Darknet als Plattform besonders interessant für Journalisten, Whistleblower oder Menschen, die unter einem repressiven Regime leben. Beispielsweise behält es sich die türkische Regierung vor, Webseiten zu sperren, wenn die „nationale Sicherheit“ bedroht ist. Unlängst hat es nach Sperrungen bei Twitter, Facebook, Youtube, Whatsapp oder Skype auch die Internet-Enzyklopädie Wikipedia getroffen.

Das Darknet bietet Nutzern dann die Möglichkeit, trotzdem auf die Seiten zuzugreifen. „Die Nutzer tauschen sich durch die Anonymität ungezwungener aus, insofern wird die Meinungsfreiheit dort geschätzt und Themen diskutiert, die für das normale Web zu risikoreich sind“, sagt der Informatiker, der am KIT regelmäßig Vorlesungen zu Themen wie „Next Generation Internet“, „Netzsicherheit“ und „Multimediakommunikation“ hält.

Wie sicher ist das Darknet?

Einen hundertprozentigen Schutz bietet das Darknet jedoch weder Dissidenten noch Gangstern: Denn die ersten beziehungsweise letzten Tor-Server der Kette haben Kenntnis über zumindest einen der Teilnehmer.

„Staatliche Stellen können daher versuchen, Tor-Knoten zu unterwandern oder zu kontrollieren“, sagt Bless. Tor-Knoten werden daher regelmäßig nach ihrer Vertrauenswürdigkeit beurteilt und verdächtige Knoten aus dem Netz ausgeschlossen.

Andererseits wird es durch die Anonymisierung auch schwerer, festzustellen, welche Informationen, Angebote oder Dienste vertrauenswürdig sind, da die Identität der Teilnehmer „im Dunkeln“ bleibt. „Natürlich gibt es auch kriminelle Plattformbetreiber, die versuchen, Kunden zu prellen und dann beispielsweise Waren, die schon bezahlt sind, nicht liefern.“ Ähnlich wie bei normalen Handelsplattformen im Internet helfen aber auch im Darknet Reputationslisten und Wiki-Seiten, um betrügerische Angebote zu entlarven.

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