Diebstahl, Bestechung, Schwindel Detektiv klärt auf: Wie können sich Unternehmer vor Betrug schützen?

Diebstahl im eigenen Unternehmen ist ein sensibles Thema für Führungskräfte. Der Schaden muss dabei nicht immer monetär sein.

Bild: iStock, PeopleImages
01.02.2023

Es ist ein Thema, über das Geschäftsführer ungern sprechen: Was tun, wenn Mitarbeiter betrügen? Michael Günther, Detektiv und Gründer der Detektei Günther, weiß, wie facettenreich Unternehmensbetrug sein kann. Er zeigt auf, wie Unternehmer am besten reagieren – und was sie lieber unterlassen sollten.

„Leider kommt es vor, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Arbeitgeber beispielsweise bestehlen, bei den Arbeitszeiten betrügen oder sich gar in eine Bestechung verwickeln lassen“, sagt Michael Günther. Der Detektiv, der seine Detektei in Bremen hat, betont, wie vielseitig daraus entstehende Schäden sein können – so vielseitig, „dass man die Art und Weise mitunter lange nicht durchschaut oder sich überhaupt ausmalen kann“.

Nicht immer fällt der Betrug am Arbeitgeber dabei durch fehlende Gewinne auf. „Ich habe schon Fälle betreut, in denen der finanzielle Aspekt gar nicht relevant war“, berichtet Günther. „Bei diesen Fällen ging es um entwendete Gegenstände, die den Unternehmer nicht viel gekostet haben. Dies betraf Gadgets für Kunden, die in Einzelfällen nicht funktionierten und somit ein Imageproblem darstellten. Wir haben diesen Fall erfolgreich gelöst.“

Allerdings werde seine Detektei auch beauftragt, wenn innerhalb eines Unternehmens Dinge passieren, die auffällig sind, aber noch keine klare Absicht erkennen lassen. Darunter fallen „besonders hohe Strom- oder Wasserrechnungen, starker Mehrverbrauch von Materialien, aber auch Vorkommnisse, die die Sicherheit von Mitarbeitern oder Arbeitsabläufe betreffen“, zählt Günther auf. Weitere Aspekte betreffen Vermutungen hinsichtlich eines Arbeitszeitbetrugs, unerlaubter Nebenbeschäftigungen oder Zweifel bei Spesenabrechnungen. Auch hier sollten Arbeitgeber laut Günther aktiv nachforschen.

Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Manche Betrugsfälle fallen zunächst auch gar nicht auf. Hier werden nur kleinste Diebstähle begangen oder minimale Veränderungen vorgenommen, oder es kommt über einen längeren Zeitraum zu unregelmäßigen, aber insgesamt vielen kleinen Aktionen. Das können aktive, aber auch passive wie das Nichtbeachten von Verpflichtungen oder Zuständigkeiten sein. Insbesondere Wirtschafts- oder Versicherungsbetrug gehören hier zu Gefahren, die oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten auffallen und schlimmstenfalls zum Untergang eines Unternehmens führen können.

Die Herausforderung innerhalb eines Unternehmens ist die Vielzahl von Personen, die potenziell infrage kommen – sei es durch Schichtdienste, unterschiedliche Arbeits- oder Prozessstationen oder große Abteilungen. „Was Geschäftsführer also auf jeden Fall vermeiden sollten, ist, gleich wie die Axt im Walde zuzuschlagen und ein Exempel zu statuieren“, warnt Günther und verdeutlicht: „Nichts ist für Arbeitgeber schlechter, als durch vorschnelle Verdächtigungen im schlimmsten Fall das Vertrauen eines ganzen Teams zu verlieren. Und es gilt zu bedenken: Mitarbeiter reden auch abteilungsübergreifend miteinander. Ein vertrauensvolles Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis sollte immer oberste Priorität haben.“

(Fast) wie in den Krimifilmen

In der Regel wird ein Betrug nur von einer Person oder einer kleinen Personengruppe begangen. Dabei muss nicht immer das Offensichtlichste auch richtig sein. „Bei zu schneller Verurteilung kann es sogar passieren, dass die falsche Person verantwortlich gemacht wird und die tatsächlichen Verantwortlichen durch diese Vorwarnung ihre Spuren verwischen können“, merkt Günther an.

Die Verantwortlichen können dabei an den unterschiedlichsten Stellen sitzen. Für eine erfolgreiche und vor allem richtige Aufklärung gilt es, mit viel Feingefühl und Geduld vorzugehen. „Neben der Gefahr falscher Verdächtigungen muss auch bedacht werden, dass die ausführenden Personen nicht unbedingt auch die Drahtzieher sein müssen. So kann die kriminelle Intention von jemandem ausgehen, der außerhalb des Unternehmens agiert, ein Wettbewerber oder eine kriminelle Organisation zum Beispiel. Es ist aber auch möglich, dass Personen mit höheren Positionen im Unternehmen persönliche verdeckte Ziele verfolgen“, erklärt Günther.

Maßnahmen wie offene Bestechungen, Drohungen, Erpressungen oder wesentlich perfideres „Einweben“ von Strohmännern, um diese anschließend „gefügig“ zu machen, sind im Bereich der Möglichkeiten. Wenn der Detektiv aus Bremen einen Fall hat, ist sein erster Schritt: Informationen sammeln. Hier geht er je nach Herausforderung unterschiedlich vor. „Alles, was man aus Kriminalfilmen kennt, ist theoretisch auch in der Realität möglich. Auftreten als Lieferant, Handwerker, Techniker, das Nutzen von versteckten Kameras, Mikrophonen oder Drohnen“, sagt Günther. Er weist aber auch darauf hin: „Ein hoch technologisiertes Equipment allein macht noch keinen guten Detektiv. Viel wichtiger sind Anerkennungen durch den Bund der internationalen Detektive BID und die DGFK, Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik. Diese Mitgliedschaften werden nur an Detekteien vergeben, die sich als professionell und vertrauenswürdig auf ihrem Gebiet erwiesen haben. Meine Arbeit basiert auf Professionalität und Transparenz, denn ich liefere meinen Auftraggebern immer rechtskräftige Beweise, die auch vor Gericht gelten.“

Bildergalerie

  • Michael Günther ist Gründer und Geschäftsinhaber der Detektei Günther in Bremen. Er weiß: „Unternehmensbetrug kann so facettenreich sein, dass man die Art und Weise mitunter lange nicht durchschaut oder sich überhaupt ausmalen kann.“

    Michael Günther ist Gründer und Geschäftsinhaber der Detektei Günther in Bremen. Er weiß: „Unternehmensbetrug kann so facettenreich sein, dass man die Art und Weise mitunter lange nicht durchschaut oder sich überhaupt ausmalen kann.“

    Bild: Detektei Günther

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel