Konrad Lauberbach ist bei Bürklin Elektronik gleich „doppelt“ tätig: sowohl in der Unternehmensentwicklung als auch in der Logistikleitung.

Bild: Bürklin Elektronik

Einkaufen in der Elektronik Der doppelte Lauberbach

04.10.2016

Logistikleiter bei Bürklin Elektronik zu sein, hört sich bereits nach einem Vollzeitjob an. Für Konrad Lauberbach ist das nicht genug. Er übernahm noch eine weitere Aufgabe bei dem Distributor. Schließlich liebt er die Abwechslung.

Konrad Lauberbach kann sich nicht entscheiden. Sein sonst so munterer Strom an Worten versiegt. Die Augen hinter seiner randlosen Brille wandern unschlüssig durch den Besprechungsraum. Ein Stunde geht das Gespräch bisher. Zum ersten Mal kommt der 32-Jährige mit ordentlichem Seitenscheitel, in blauem Hemd und beiger Hose ins Stocken. Ist um eine Antwort verlegen. Soll er seine Stelle als Leiter der Logistik bei Bürklin Elektronik für die Unternehmensentwicklung aufgeben? Er ist gerne für die Logistik verantwortlich, sorgt für eine reibungslose Abwicklung der Bestellungen und findet kleine Stellschrauben, um die Organisation zu verbessern. Vor allem würde ihm aber die Führung der Mitarbeiter fehlen. Ungefähr 80 sind es aktuell. Die Unternehmensentwicklung besteht nur aus fünf. „Ich weiß es nicht. Stellen wir die Frage lieber zurück“, meint er schließlich.

Gut, dass sie rein hypothetisch ist, er weiterhin beides machen kann. Seit 2014 arbeitet er für den Distributor Bürklin Elektronik. Zunächst leitete er nur die Logistik, bis ihm 2015 zusätzlich noch die Verantwortung für die Unternehmensentwicklung angeboten wurde. „Das war ein großer Schritt für mich, den ich als gewaltigen Vertrauensbeweis empfand. Vor allem da ich erst seit Kurzem hier war“, erzählt er. Bereut hat er ihn nicht. Lauberbach schätzt die unterschiedlichen Aufgaben seiner beiden Positionen. Freut sich über die stete Abwechslung, den breiten Einblick, den er erhält, und den Kontakt mit verschiedenen Mitarbeitern.

Dass er die Doppelfunktion überhaupt ausüben kann, liegt seines Erachtens nach vor allem an seinen Mitarbeitern und der „uhrwerkhaft funktionierenden“ Logistik. Dadurch konnte er Aufgaben an Kollegen abgeben und muss nicht jeden Tag in der Logistik präsent sein. Lauberbachs Zeit ist schließlich gleichmäßig zwischen den beiden Stellen aufgeteilt. Der Wechsel zwischen ihnen fällt ihm allerdings nicht immer leicht. „Es ist viel Selbstdisziplin nötig, um keinen Bereich zu vernachlässigen“, sagt er.

Als Logistikleiter beschäftigt er sich viel mit Kennzahlen; überprüft die Mitarbeiterauslastung, den Lagerfüllstand und die Auftragsabwicklung. Mit den Mitarbeitern werden außerdem regelmäßig die Abläufe strukturiert und wenn möglich verbessert. Den direkten Kontakt mit ihnen hält Lauberbach für sehr wichtig. „Echte, analoge Führung der Mitarbeiter ist von großer Bedeutung. Die Beziehung zu ihnen sollte man pflegen“, meint er. Ein Großteil dieser Arbeit findet in Besprechungen statt.

Offene Treffen statt Alltagstrott

In diesem Punkt ähneln sich seine beiden Tätigkeiten. Auch in der Unternehmensentwicklung sitzt der 32-Jährige viel in Meeting-Räumen. Die Treffen dort sind allerdings wesentlich offener als in der Logistik. „In der Unternehmensentwicklung gibt es viel weniger Tagesgeschäft. Die Treffen sind freier. Es geht eher darum, Ideen zu sammeln“, sagt Lauberbach. Gerade diese Abwechslung, den geringeren Alltagstrott schätzt er. Er arbeitet dort meistens an Projekten. Sobald eines umgesetzt ist, folgt danach häufig eine ganz andere Aufgabe.

Sich ständig mit unterschiedlichen Themen zu beschäftigen, begeisterte ihn bereits während seines Wirtschaftsingenieurstudiums im thüringischen Ilmenau. Lange immer dasselbe zu tun, fällt ihm hingegen schwer. „Die schlimmste Zeit an der Universität war für mich die Diplomarbeit. Ein halbes Jahr ging es nur um das Gleiche“, erinnert er sich schmunzelnd. „Der Wirtschaftsingenieur ist weniger ein Spezialist als ein Generalist. Sich ständig mit neuen Inhalten zu beschäftigen, fand ich schon im Studium toll und es gefällt mir jetzt im Beruf“, erklärt Lauberbach. Diese Vielfalt gefällt allerdings nicht allen. Die Abbrecherquote sei bei Wirtschaftsingenieuren sehr hoch, vermutlich weil es eben kein bestimmendes Thema gebe, erzählt er. Für Lauberbach stellte sich hingegen nur die Frage, ob er lieber Elektrotechnik, Maschinenbau oder Bauingenieurswesen mit der Wirtschaft verbinden sollte. Am meisten interessierte ihn der Maschinenbau. Da traf es sich gut, dass diese Kombination nur 50 Kilometer von seinem Geburtsort Mühlhausen in Thüringen an der Universität Ilmenau angeboten wurde.

Wider die Betriebsblindheit

In der Unternehmensentwicklung sieht Lauberbach eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, „schwache Signale“ aufzufangen. Also aus Gesprächen mit Kollegen und Besprechungsprotokollen Problem herauszufiltern; festzustellen, wo es in der Organisation knirscht und die Maschinerie stottert. „Es ist ein trüffelschweinartiges Suchen danach, wo es knarzt und knackt“, fasst der 32-Jährige zusammen. Oft handle es sich um kleinere Probleme, die schlicht auf einer bestimmten Betriebsblindheit beruhten. Sie hätten sich über die Jahre eingeschliffen und würden von den Mitarbeitern als nicht änderbar akzeptiert. Manchmal hängt es aber auch einfach am Zwischenmenschlichen. Etwa, wenn sich Kollegen mit der Arbeitsweise des jeweils anderen schwer tun. Auch mit solchen Fällen hat der Thüringer zu tun.

Welches Problem er als nächstes angeht, ist Lauberbach meistens selbst überlassen. Neben der Vielfalt der Themen gefällt ihm das an der Unternehmensentwicklung: Freie Hand zu haben, selbst zu bestimmen welches Problem das dringendste ist und wie es sich am besten lösen lässt. Dass dem so ist, hängt viel mit der seiner Meinung nach sehr speziellen Kultur bei Bürklin Elektronik zusammen. Dort herrsche eine Trail-and-Error-Mentalität, die auch Fehler verzeihe. „Solange man sich Gedanken gemacht hat und alles reiflich überlegt, sind Rückschläge halb so wild“, erzählt er. Schließlich vermitteln auch solche zusätzliches Wissen, das sich für andere Projekte nutzen lässt.

Das Sortiment verzehnfachen

Auch Lauberbachs erstes Projekt bei Bürklin Elektronik, damals noch nur als Logistikleiter, musste er nach einiger Zeit einstellen und neu aufrollen. Er sollte ein neues Lagerverwaltungssystem aufbauen. Die ursprüngliche Planung stellte sich nach einiger Zeit aber als zu aufwendig heraus. „Wir mussten dann die Reißleine ziehen und haben einen ganz anderen Weg eingeschlagen“, erinnert er sich. Von der Geschäftsleitung sei ihm das nicht nachgetragen worden. Vielmehr habe man die daraus gewonnenen Erkenntnisse geschätzt und sie für zukünftige Projekte genutzt.

Mit seinem aktuellen Projekt wird er dem Logistikleiter Lauberbach viel Arbeit bereiten. Er soll das Sortiment des Distributors immens vergrößern. Von 75.000 auf eine deutliche sechsstellige Anzahl. „Wir planen, die fünf- bis zehnfache Menge an Bauteilen und Geräten anzubieten. Kunden können somit ihren kompletten Bedarf bei uns decken – sozusagen alles aus einer Hand“, erzählt er.

Ein großer Schritt, da sich dadurch auch die Arbeitsweise bei Bürklin Elektronik stark verändern wird. Bisher galt das Prinzip: Alle Artikel im Sortiment sind auch auf Lager. Bei der zukünftig geplanten Anzahl ist das nicht mehr möglich. Ein großer Teil der Organisation und der Prozesse muss deshalb angepasst werden. In solchen Fällen empfindet es Lauberbach als großen Vorteil, in seiner Position als Logistikleiter auch das Alltagsgeschäft zu kennen. „Aus Sicht des Unternehmensentwicklers ist es ein großer Vorteil, in das operative Geschäft eingebunden zu sein. Dadurch bekomme ich die Probleme stets vor Augen geführt“, sagt er.

Noch einmal darauf angesprochen, für welche seiner beiden Stellen er sich im Zweifelsfall entscheiden würde, überlegt Lauberbach erneut länger. Schließlich hat er einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden: „Ich würde mich für die Unternehmensentwicklung entscheiden. Da kann ich meine Fühler auch in die Logistik ausstrecken.“

Bildergalerie

  • Als Unternehmensentwickler sieht Lauberbach (links im Bild) eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, sogenannte schwache Signale aufzufangen; zum Beispiel im Gespräch mit Kollegen.

    Bild: Bürklin Elektronik

  • Ohne die Hilfe seiner Mitarbeiter könnte er die Doppelfunktion nicht ausfüllen, ist sich Lauberbach (rechts im Bild) sicher.

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