Ohne zeitliche Verzögerung über Fahrplanänderungen der Anlagen informiert zu sein ist jetzt möglich.

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Betreiber und Märkte vereinen Vermarktung von Grünstrom

02.09.2019

Bei EEG-Anlagen in der Flexibilitätsvermarktung ist es enorm wichtig, stets aktuell über Fahrplanänderungen der Anlagen informiert zu sein. Mit der Lösung EnergieFlexPort von Natgas ist dies jetzt auch ohne zeitliche Verzögerung möglich.

Jan-Hendrik Semkat ist sich sicher: „Die Nachfrage nach Flexibilität und Lastverschiebungspotenzial in der Stromerzeugung und im Stromverbrauch wird deutlich ansteigen und den Anbietern einen erheblichen Mehrwert in die Bilanzen spülen. Zudem verbessert sich gleichzeitig die Netzstabilität“, so der Vorstand von Natgas. Das Potsdamer Unternehmen hat genau für diese Anforderungen mit EnergieFlexPort eine Plattformlösung entwickelt, die Anlagenbetreibern Zugang zu den dafür benötigten Daten gibt. Neben Informationen zur Einspeisung und zum Fahrplanbetrieb in Echtzeit lassen sich über den Webzugang sowohl geplante Wartungen an Natgas melden, als auch aktuelle Rechnungen einsehen. Laut Semkat liegt die Besonderheit der bundesweit angebotenen Lösung in der Vermarktung der frei verfügbaren Flexibilität am kontinuierlichen Intraday-Markt. „Wir nehmen am Handel an der Epex Spot teil“, erläutert er. Die Vermarktung der Flexibilität erfolgt dabei allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. „Der kurzfristige Strommarkt reagiert schon heute mit fallenden Preisen auf Überangebote aus Wind und PV“, betont Semkat.

Digitalisierung in der Praxis

Ähnliches wird auch bei Enera, einem Schaufensterprojekt für die Energiewende (Sinteg), getestet. Dort befasst man sich in einem Modellvorhaben mit der Digitalisierung von Endverbrauchern und dezentralen Erzeugern. Involviert sind zudem Haushalte, ausgewählte Großverbraucher und Speicher. „Wir haben dieses Modell bei ausgewählten Kundengruppen bereits in die Praxis umgesetzt“, berichtet der Natgas-Chef über das Projekt.

Start mit Biogasanlagen

In der ersten Version von EnergieFlexPort liegt der Fokus auf Biogasanlagen, zukünftig sollen aber auch Direktvermarktungskunden mit Wind- und Photovoltaikanlagen sowie Lieferkunden für Gas und Strom eingebunden werden. Zudem ist geplant, Portfolioservice-Kunden und die neuen Geschäftsbereiche Demand-Side-Management (DSM) und Cross-Commodity-Management (CCM) zu integrieren.

Der Einstieg in EnergieFlexPort läuft über ein Dashboard. Hier habe der Nutzer die wesentlichen Funktionen sofort parat. Semkat erläutert die Hintergründe: „Wir wollen den Anlagenbetreiber näher an die Energiemärkte bringen. Eine ständige Transparenz bei der Fahrplangestaltung schafft Sicherheit und erhöht die Verfügbarkeit der technischen Einheiten.“ Letzteres steigere die erzielbaren Erlöse aus der Vermarktung und reduziere die Kosten bei einer ungeplanten Nichtverfügbarkeit.

Fokus auf Cloud-Technologie

Der Datenaustausch erfolgt mittels OData (OpenData Protocol). Das ist auch die Grundlage, um alle relevanten Informationen technisch so schnell wie möglich zum Nutzer zu bringen. Natgas legt dabei den Fokus auf moderne Cloud-Technologien. Dabei fiel die Wahl aufgrund der Möglichkeiten bei Machine Learning und Künstlicher Intelligenz auf Google. Sorgenfalten bei den Kunden in puncto Datenschutz befürchtet Semkat nicht: „Wir haben uns für einen großen Cloudanbieter entschieden, da die Anforderungen an Datenverfügbarkeit und IT-Sicherheit in unserem Kontext schon heute sehr hoch sind und in Zukunft perspektivisch weiter steigen werden. Kleine Rechenzentrumsanbieter oder gar ein Eigenbetrieb sind da nicht wirtschaftlich und schnell genug.“

Google besser als der Ruf

Bei genauer Betrachtung sei Google, was Datenschutz und Datensicherheit angeht, deutlich besser als sein Ruf. Der US-amerikanische IT-Konzern verfüge über Zertifizierungen aller wichtigen Richtlinien und erfülle die Sicherheitsanforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Auch der Plan von Natgas, in Zukunft noch mehr mit Methoden der Künstlichen Intelligenz zu arbeiten, sei ein Argument für Google gewesen. „Die sind in diesem Feld einfach am weitesten“, betont Semkat. Dennoch ist diese Kooperation nicht alternativlos: „Wir haben darauf geachtet, dass unsere Lösung jederzeit zu einem anderen Anbieter umziehen kann, falls es für unsere Kunden und uns vorteilhaft ist“, erläutert er.

5G-Ausbau notwendig

Probleme bereitet die - vor allem in ländlichen Regionen – immer noch anzutreffende schlechte Mobilfunkinfrastruktur. Dies hat Natgas an der einen oder anderen Stelle zu Kompromissen gezwungen. Diese sehen unter anderem so aus, dass man neben Live-Daten auch gepufferte Daten verwendet – wohl wissend, dass die jeweils aktuelle Sicht auf die Anlage nur mit einer bestehenden Datenverbindung funktioniert. „Auch an dieser Stelle ist der geplante 5G-Ausbau dringend notwendig, um digitale Services in der Fläche anbieten zu können. Wir haben da in Deutschland leider noch zu großen Nachholbedarf“, beklagt Semkat.

Potenziale ausschöpfen

Unterstützung erhofft er sich auch beim Abbau regulatorischer Hürden, damit sich sämtliche Potenziale der Flexibilitätsvermarktung ausschöpfen lassen. Dabei hat der Natgas-Vorstand insbesondere die Anpassung der Stromnetzentgeltverordnung im Blick. Denn heute werden diejenigen Stromabnehmer durch hohe Stromnetzentgelte bestraft, die den Markt und die Netze bei einem Überschuss an EEG-Strom entlasten. Parallel dazu schalten Netzbetreiber Windanlagen kostenpflichtig ab. „Das muss ein Ende haben“, fordert Semkat.

Bildergalerie

  • Die App bietet Informationen zur Einspeisung und zum Fahrplanbetrieb in Echtzeit.

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  • Transparenz gesichert: Startseite der App von EnergieFlexPort. Diese bietet auch eine Übersicht der geplanten Anlagenwartungen oder über Rechnungen.

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  • Jan-Hendrik Semkat, Vorstand von Natgas.

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