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Standort in Freiberg, Sachsen.

Bild: SolarWorld

Zu teuer für den Markt? Darum geht Solarworld pleite

12.05.2017

Über 3300 Arbeitsplätze in Gefahr: Der Bonner Solarmodule-Hersteller Solarworld hat einen Insolvenzantrag angekündigt - trotz der geplanten Sparmaßnahmen. Nicht zum ersten Mal kämpft Solarworld mit finanziellen Problemen.

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Schon 2016 hat Solarworld durch fallende Weltmarktpreise Verluste geschrieben und deshalb ein Sparprogramm in die Wege geleitet - mit einem Abbau von bis zu 400 Stellen. Trotz dieser Maßnahmen muss der Konzern Insolvenz anmelden.

Der Mutterkonzern ist überschuldet

Der Vorstand des Solarmodule-Herstellers sei nach einer umfassenden Prüfung zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keine positive Fortbestehensprognose mehr bestehe, heißt es in der Originalmeldung.

Der Mutterkonzern sei überschuldet und daher zum Insolvenzantrag verpflichtet, für die Tochtergesellschaften würden die einzelnen Pflichten geprüft werden. Nun sind etwa 3300 Angestellte weltweit betroffen, davon knapp 2600 in Deutschland. Die Abgestellten des Konzerns sind hauptsächlich in seinen Werken im sächsischen Freiberg und in Arnstadt in Thüringen, wo die Solarmodule und Vorprodukte hergestellt werden.

In Chinas Schatten

Preis-Dumping der chinesischen Konkurrenz sei die Ursache für die Zahlungsunfähigkeit, behauptet Firmenchef Frank Asbeck, der schon seit Jahren für hohe Zollschranken in der EU gekämpft hat. Mit seiner Anti-Dumping-Initiative ProSun hatte er noch in diesem Frühjahr eine Verlängerung der Handelsbeschränkungen in Brüssel beantragt und auch durchgesetzt.

Dennoch muss der Firmenchef nun Insolvenz anmelden, was den Sprecher der „Solar Alliance for Europe“ (SAFE), Holger Krawinkel wenig überrascht. Er fordert mit seiner Allianz die Aufhebung der Strafzölle auf den Import chinesischer Solarpanels. „Die Entwicklung bestätigt, dass Schutzzölle und Mindestpreise am Ende doch keinen Erfolg haben“, sagt Krawinkel.

Um sich von der chinesischen und asiatischen Konkurrenz abgrenzen zu können, wollte sich der Hersteller zukünftig auf Hochleistungs-Solarmodule konzentrieren. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sorgte sich jedoch schon im März um diese Strategie, ob sich auf den europäischen Endkundenmarkt zu konzentrieren, auch genug einbringen könne.

Nicht das erste Mal Engpässe bei Solarworld

Als bereits 2013 dem Unternehmen die erste Insolvenz drohte sprang ein Investor aus Katar ein. Mit 35 Millionen Euro stieg „Qatar Solar“ mit ein und wurde mit 29 Prozent Aktienanteilen zum Einzelaktionär. Der Firmenchef selbst hatte nur noch einen Anteil von 20 Prozent. Dazu kommt noch eine Schadensersatzforderung seitens des ehemaligen Siliziumzulieferer Hemlock aus den USA von umgerechnet 720 Millionen Euro. Diese Forderung bestätigte ein amerikanisches Gericht 2016. Danach ist der Solarkonzern in Berufung gegangen.

Das plant der Insolvenzverwalter

Das Bonner Amtsgericht hat heute als zuständiges Insolvenzgericht den Sanierungsexperten Horst Piepenburg von der Kanzlei Piepenburg-Gerling zum vorläufigen Insolvenzverwalter von SolarWorld sowie der Tochtergesellschaften SolarWorld Industries Sachsen, SolarWorld Industries Thüringen, SolarWorld Industries Deutschland und der SolarWorld Innovations bestellt.

„Mit meinem Team werde ich mich nun zügig mit der aktuellen Lage des Unternehmens auseinandersetzen“, erklärt Piepenburg. Der vorläufige Insolvenzverwalter hat sich bereits mit den Geschäftsführern der Tochtergesellschaften sowie den Arbeitnehmervertretern in Verbindung gesetzt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Bonn in einer Belegschaftsversammlung über den aktuellen Stand des Verfahrens informiert.

Darüber hinaus wird der vorläufige Insolvenzverwalter sich darum kümmern, dass Löhne und Gehälter für die Monate Mai, Juni und Juli 2017 über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sichergestellt werden. Den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich aufrechtzuerhalten sei jetzt von wesentlicher Bedeutung.

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