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Entwickler bzw. Techniker und Juristen kommunizieren nur schwer miteinander – das zeigt die Erfahrung. Ein juristisches Referenzmodell versucht diese Kluft zu überwinden.

Bild: Begleitforschung Autonomik für Industrie 4.0; iStock, eelnosiva

Juristische Referenzarchitektur Rechtliche Herausforderungen von Smart Factory und Industrie 4.0

07.02.2018

Für Industrie 4.0 sind Standardisierung und Normung sowie die Lösung von Industrie-4.0-spezifischen rechtlichen Herausforderungen von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Begleitforschung des Technologieprogramms Autonomik für Industrie 4.0 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wurde nun mit „Ju-RAMI“ ein erster Schritt zu einer „juristischen“ Referenzarchitektur gemacht. Ziel ist die Aufdeckung möglicher bestehender Rechtslücken sowie das Aufzeigen erster Lösungswege. Zugleich bildet das Modell eine Schnittstelle zwischen Technik und Recht, um wechselseitige Verständnisschwierigkeiten abzubauen.

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Recht kann Innovation hemmen, es kann sie aber auch vorantreiben. Ob das eine oder das andere der Fall ist, hängt oft davon ab, wie gut Entwickler und Techniker mit Juristen kommunizieren – und umgekehrt. Oft hat es den Anschein, als seien die technische und juristische Ebene durch eine tiefe Kluft des wechselseitigen Unverständnisses getrennt. Derartige Sprachbarrieren führen zu Spannungen, die wiederum die gemeinsame Arbeit erschweren und diese unnötig verzögern.

Neue Rechtsrisiken

Die Smart Factory mit ihren technisch gesteuerten, autonom realisierten Abläufen stellt in vielen Bereichen neue Anforderungen an den geltenden Rechtsrahmen. Es müssen teils völlig neue Entscheidungen in Prozessen und Abläufen oder zur rechtlichen Absicherung getroffen werden. Aufgrund der Dynamik technischer Entwicklungen deckt die geltende Rechtsprechung einige Bereiche jedoch noch unvollständig ab.

So führt der Einsatz von Robotern zur Unterstützung von Produktionsabläufen zunehmend zu Mensch-Technik-Interaktionen auf neuem Niveau. Maschinen sind durch entsprechende Programmierung nicht mehr nur Helfer, sondern treffen eigene Entscheidungen und wählen aus möglichen Handlungsalternativen die geeignete Variante. Intelligente Produktionsverfahren werden gesteuert durch Sensor-und Aktorsysteme. Sie erlauben eine größtmögliche Optimierung der Verfahren, ordnen sich aber zum Beispiel in Haftungsfragen nur unzureichend geltendem Technikrecht unter. Folglich stehen auch hier teils neue Entscheidungen über die rechtliche Bewertung der technischen Abläufe und eine mögliche Absicherung von Haftungsrisiken an.

Juristisch-technisches Compliance-Werkzeug

Die digitale Transformation der Produktion und der Wertschöpfung stellt völlig neue Anforderungen an das Zusammenwirken von intelligenten Maschinen, Systemen und Arbeitskräften. Da diese Abläufe durch den derzeitig bestehenden Rechtsrahmen noch unzureichend abgedeckt sind, ist höchstmögliche Sensibilität bei der Einschätzung der eigenen Risiken erforderlich. Datenschutz und IT-Sicherheit spielen dabei eine ebenso große Rolle wie Haftungsfragen, beispielsweise bei Unfallszenarien.

Die vage Befürchtung möglicher Risiken darf jedoch nicht zur Innovationsbremse werden. Produktions- und Wertschöpfungsoptimierung aufgrund unklarer rechtlicher Auswirkungen zu vermeiden, wäre im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb fatal. Vielmehr gilt es, juristische Laien aus dem technischen Bereich an bestehende juristische Rahmenbedingungen heranzuführen, um mögliche Risiken zu minimieren. Industrie 4.0 ist deshalb auf angemessene Compliance-Werkzeuge angewiesen.

Visualisierung des Rahmens

An diesem Punkt soll das juristische Referenzarchitekturmodell Ju-RAMI 4.0 Abhilfe schaffen. Ziel ist es, die Kluft zwischen Technik und Recht mit Hilfe einer Visualisierung vorhandener Problemzusammenhänge zu überwinden. Das Modell versucht, in Anknüpfung an das von der Plattform Industrie 4.0 entwickelte Referenzarchitekturmodell, ein juristisches Referenzmodell zu schaffen. Der Betrachter soll die Dimensionsvielfalt des für ihn einschlägigen Rechts auf einen Blick erfassen sowie die Verbindung zwischen Schadenstyp und konkret „zuständigem“ Rechtsgebiet erkennen. Zudem soll er ohne großen Aufwand erste Informationen finden, die helfen können, Problemlage und möglicherweise auch schon in der Zukunft denkbare Lösungen mit juristischen Experten zu besprechen.

Bei Ju-RAMI 4.0 handelt sich um ein Projekt, das Chancen, aber auch Risiken birgt. Die Visualisierung von Problemzusammenhängen soll nicht das juristische Studium ersetzen. Vielmehr hat das juristische Referenzmodell den Anspruch, ein erstes Verständnis juristischer Zusammenhänge zu vermitteln und Individuen für Rechtsthemen zu sensibilisieren. Ju-RAMI 4.0 kann keine Lösungen liefern, sondern hilft, eine gemeinsame Basis zwischen Juristen und Technikern zu schaffen. Wie vergleichbare Pionierarbeiten ist auch die Weiterentwicklung der Ju-RAMI 4.0 auf das fachliche Feedback der Akteure angewiesen, die die Methode in der täglichen Praxis nutzen.

Kostenloser Download

Im Rahmen der Begleitforschung zum Technologieprogramm „Autonomik für Industrie 4.0“ des BMWi wurde eine Studie zum Thema Ju-RAMI veröffentlicht. Insgesamt 14 Verbünde aus Wissenschaft und Industrie haben sich im Rahmen eines Technologiewettbewerbs für eine Förderung durch das BMWi qualifiziert. Ausgangspunkt für Ju-RAMI 4.0 ist die Referenzarchitektur Industrie 4.0 (kurz RAMI 4.0). Hier hat die Plattform Industrie 4.0 bereits 2015 die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache für die Akteure der Industrie 4.0 geschaffen.

Die Studie ist unter bit.ly/2DrL3iQ zu finden, eine interaktive Version der Ju-RAMI-Architektur steht unter www.ju-rami-online.com zur Verfügung.

Bildergalerie

  • Für technisch geprägte Akteure der digital basierten Wertschöpfung bietet der Einsatz von Ju-RAMI 4.0 Strukturierung, Orientierung, Handlungsoptionen, Lösungswege, Verständlichkeit und eine Lücken-Analyse.

    Bild: Institut Innovation & Technik

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