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Folgen für die Industrie Nach Brexit: Erst recht TTIP für Europa

04.07.2016

Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU gewinnt das transatlantische Freihandelsabkommen umso mehr an Bedeutung für die Industrie in Europa. So drängt vor allem der deutsche Maschinenbau auf einen schnellen Abschluss des Abkommens.

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TTIP rasch über die Bühne zu bringen ist ein wichtiger Schritt, um zu signalisieren, dass Europa als Wirtschaftsstandort trotz Brexit großes Zukunftspotential hat - das betonten die Vertreter des deutschen Maschinenbaus zum Ende der Verhandlungsrunde vom 11. bis 15. Juli 2016 in Brüssel.

„Wir sind deshalb sehr enttäuscht darüber, dass Teile der SPD das angestrebte Abkommen mit den USA vorzeitig beerdigen“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann und betont: „Die Europäische Union muss beweisen, dass sie trotz der politischen Krise nach dem Brexit-Votum handlungsfähig ist. Ein Abschluss von TTIP ist nur möglich, wenn die Bundesregierung geschlossen zu dem Abkommen steht. Insbesondere der Bundeswirtschaftsminister darf jetzt keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er TTIP tatsächlich will.“

Vom TTIP-Abkommen verspricht sich der VDMA einen besseren Marktzugang in die USA für die europäischen Industriebranchen, so würde beispielsweise der Wegfall von Zöllen die Marktchancen gegenüber den USA verbessern.

Stimmen zum Brexit

Export-Einbruch und Vertrauensverlust am Industriestandort Europa: Das Votum der Briten für den EU-Austritt bereitet der deutschen Industrie Sorgen. Im Nachgang der Abstimmung in England haben sich Köpfe der Industrie zur Entscheidung der Briten und den Auswirkungen auf die Unternehmensgeschäfte geäußert. Lesen Sie in unserer Bildergalerie, wie der Verband der Chemischen Industrie, Endress+Hauser, Schaeffler und Robert Bosch über den denkwürdigen Schritt der Briten urteilen.

Folgen für Maschinenbau in der EU

Wirtschaftspolitisch verliert Deutschland durch den Austritt Großbritanniens einen wichtigen Verbündeten in der EU. Aus Sicht der Unternehmen muss die EU nun Klarheit über den Brexit schaffen und die Bedingungen für die künftige Zusammenarbeit Großbritanniens mit der EU festlegen. Der VDMA warnt zudem, dass der Austritt Großbritanniens nicht zur Gefahr für die EU werden darf.

„Die Entscheidung für den Austritt Großbritanniens aus der EU ist ein Alarmsignal für die Unternehmen. Der Brexit wird den Industriestandort Europa viel Vertrauen bei Investoren kosten. Es wird nicht lange dauern, bis unsere Maschinenexporte nach Großbritannien spürbar zurückgehen werden. Völlig unklar ist, was auf Unternehmen mit britischen Tochtergesellschaften zukommt. Die EU muss jetzt den Schaden eindämmen und die Phase der Unsicherheit möglichst kurz halten. Europas Unternehmen brauchen Planungssicherheit und einen verlässlichen Fahrplan für den Austritt“, sagt Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Für exportstarke Unternehmen wäre eine Fragmentierung Europas das Schreckensszenario. Durch den Brexit werden leider die EU-Skeptiker in anderen Ländern Auftrieb bekommen. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es aber keinen Grund, an der Bedeutung und der Zukunftsfähigkeit der EU zu zweifeln.“

Besonders der Maschinenbau in Deutschland ist auf stabile politische Rahmenbedingungen in Europa angewiesen. Im Jahr 2015 gingen 44,8 Prozent aller Exporte dieser Industrie ins EU-Ausland (69,6 Milliarden Euro). Im Vereinigten Königreich selbst mussten deutsche Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres bereits einen Rückgang der Maschinenexporte von 4 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Für den deutschen Maschinenbau war das Land 2015 der viertwichtigste Auslandsmarkt (7,2 Milliarden Euro Exportvolumen) hinter den USA (16,8 Milliarden Euro), China (16 Milliarden Euro) und Frankreich (9,8 Milliarden Euro).

Bildergalerie

  • „Die deutsche chemische Industrie hat sich stets zur politischen und wirtschaftlichen Einheit der Europäischen Union bekannt. Daher bedauere ich es sehr, dass die Briten gestern für einen Ausstieg aus der EU gestimmt haben. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, ist der Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein. Genauso schwer wiegt aber der politische Schaden. Nach den Differenzen über die richtige Flüchtlingspolitik ist das EU-Referendum in Großbritannien der zweite Rückschlag in diesem Jahr für das historische Projekt der europäischen Einigung. Wir alle brauchen ein politisch geeintes und wirtschaftlich starkes Europa.“ Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

    Bild: VCI, Darchinger

  • „Der Brexit bedeutet zunächst einmal Unsicherheit, und Unsicherheit ist nie gut für unser Geschäft, denn in einem unsicheren Umfeld halten sich unsere Kunden mit Investitionen zurück. Kurzfristig werden uns vermutlich die Währungsturbulenzen am meisten zu schaffen machen – insbesondere auch, wenn der Franken wieder unter Aufwertungsdruck kommt. Die langfristigen Folgen hängen davon ab, wie Europa und wie Großbritannien mit der Situation umgehen, welche Auswirkungen der Austritt Großbritanniens auf den Rest der EU haben wird. Der freie Waren- und Personenverkehr ist eine Grundlage des wirtschaftlichen Wohlstands hier in Europa – jeder Rückschritt gefährdet diesen Wohlstand. “ Dr. Luc Schultheiss, Chief Financial Officer der Endress+Hauser Gruppe

    Bild: Endress+Hauser

  • „Die EU ist ein Erfolgsprojekt. Wir bedauern die Entscheidung für einen Ausstieg Großbritanniens aus dem größten Binnenmarkt der Welt sehr – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Die langfristigen Folgen für die Wirtschaft werden erst nach und nach erkennbar. Aktuell prüfen wir die Auswirkungen des Austritts auf unser Geschäft. Momentan ist es noch zu früh, konkrete Aussagen dazu zu treffen. Es hängt natürlich auch davon ab, auf welche Modalitäten man sich für den Ausstieg einigt. Da wir traditionell in vielen europäischen Märkten erfolgreich vertreten sind, werden wir voraussichtlich weniger stark betroffen sein als Unternehmen, die das Land als Sprungbrett nach Europa nutzen. Zudem haben wir bereits Vorsorgemaßnahmen getroffen. Beispielsweise haben wir unsere Sicherungsquoten deutlich erhöht, um der Abwertung des britischen Pfundes entgegen zu wirken. Wir haben derzeit keine Pläne, unsere Investitionen in Großbritannien zurückzufahren.“ Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch

    Bild: Robert Bosch Gruppe

  • „Aus dem Referendum in Großbritannien resultiert für uns alle eine unberechenbare und unsichere Zeit, in der wir die Entwicklung intensiv beobachten werden. Natürlich hätte ich einen anderen Ausgang bevorzugt, denn meiner Meinung nach hätten wir dann eine stärkere Position um die Herausforderungen Europas zu meistern.“ Niels B. Christiansen, CEO Danfoss

    Bild: Danfoss

  • „Siemens hat stets deutlich gemacht, dass dies eine Entscheidung des britischen Volkes ist und, dass wir diese Entscheidung respektieren müssen.Als ein globales Unternehmen mit erheblichen langfristigen Investitionen in Großbritannien und hoher lokaler Wertschöpfung ist Siemens nicht so stark von möglichen negativen Auswirkungen betroffen. Die Regierung sollte trotzdem nun unverzüglich Maßnahmen einleiten, um sich über die Natur der Beziehungen Großbritanniens zur EU und anderen Handelspartnern abzustimmen, und einen klaren Weg vorzeichnen, um künftige Investitionen anzuziehen. Siemens bleibt seinem Geschäft in Großbritannien verpflichtet. Wir sind seit über 170 Jahren in Großbritannien aktiv, mit Standorten im ganzen Land. Heute erzielt Siemens dort mit rund 14.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Mit 13 Produktionsstandorten ist Siemens in Großbritannien lokal stark vertreten.“ Geschäftsführung Siemens

  • „Die Bürgerinnen und Bürger in Großbritannien haben sich für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Gemeinschaft entschieden. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind im Moment noch nicht abschätzbar, da in den nächsten Jahren die Modalitäten des Austritts erst verhandelt werden. Dies betrifft u.a. Fragen des Marktzugangs, regulatorische Standards und die Weiterführung und Ausgestaltung unterschiedlicher Verträge.
    Als global agierendes Unternehmen beobachten wir die weiteren Entwicklungen in Großbritannien und in der EU sehr genau. Die Schaeffler Gruppe beschäftigt in Großbritannien rund 1.100 Mitarbeiter an fünf Standorten. Eine Abschätzung der möglichen Folgen des Brexits auf unser Unternehmen ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.“ Geschäftsführung Schaeffler Gruppe

    Bild: Schaeffler-Gruppe, Wikimedia Commons

  • „Wir stehen zur Britischen Wirtschaft, dass ändert sich auch nicht durch den Brexit. Wichtig ist jetzt, dass Brüssel handelt und EU-Reformen angeht, damit nicht noch weitere EU-Bürger sich gezwungen sehen, ihren Unmut auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen.“ Udo Lütze, Geschäftsführer und Inhaber des gleichnamigen Unternehmens

  • „Diese Wahl ist sehr enttäuschend für das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl und ich hoffe nicht, dass dieser Wahlausgang beispielgebend für andere Länder in der EU sein wird. Wenn hiermit der schleichende Untergang des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Basisgedankens der EU eingeleitet ist, dann kann man nur 'gute Nacht, Europa' sagen. Deshalb gilt es jetzt sehr schnell die Modalitäten für die weitere Zusammenarbeit zu vereinbaren. Längerfristige Unsicherheit wäre für Europa und uns Unternehmen äußerst schädlich.“ Philip Harting, Vorstandsvorsitzender Harting

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