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Beispiel Edelmetalle: Für Gold- und Silberbarren existieren fälschungssichere Kennzeichnungen mit einer integrierten Serialisierungslösung.

Beispiel Edelmetalle: Für Gold- und Silberbarren existieren fälschungssichere Kennzeichnungen mit einer integrierten Serialisierungslösung.

Bild: Schreiner Group

Spezifische Kennzeichnung Von Warenidentifikation bis Echtheitsprüfung

13.09.2016

Unter dem Schlagwort Serialisierung spielt die individuelle Markierung von Produkten eine immer wichtigere Rolle. Doch Vorsicht vor Missverständnissen: Eine stückspezifische Kennzeichnung garantiert keine Originalität. Nur die Verbindung mit weiteren Merkmalen schützt vor Betrug, Missbrauch und Fälschungen.

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Aufgrund der einfachen Erstellung mit fast jedem Drucksystem sind Barcodes heutzutage überall dort im Einsatz, wo Produkte maschinenlesbar gekennzeichnet werden. In der Regel werden sie dabei mit einer Artikel-, Batch- und/oder Seriennummer, einem Herstell- und/oder Verfallsdatum sowie weiteren produktionsspezifischen Informationen versehen.

In jüngster Zeit nimmt auch die Serialisierung immer mehr zu. In diesem Fall erhalten alle Produkte eines Auftrages, einer Charge oder eines Batches nicht mehr den gleichen Code, sondern über eine offene oder verschlüsselte Nummerierung eine einzelstückspezifische, einzigartige Kennzeichnung.

Die Serialisierung mithilfe unterschiedlicher Barcodevarianten oder 2D-Codes bietet Chancen und erfüllt vielfältige Aufgaben; von der Steuerung interner Logistikprozesse, über die Überwachung von Distributionsketten bis hin zum Angebot von produktspezifischen Mehrwertdiensten. Der richtige Produkteinsatz wird sichergestellt, alle relevanten Informationen von der Seriennummer über die Vertragsdaten bis hin zur Historie der Serviceaktivitäten sind in einer digitalen Akte zusammengefasst.

Bestellungen, Lieferungen und Reaktionen im Servicefall funktionieren sicherer und schneller, außerdem bieten sich Möglichkeiten für eine erweiterte Gewährleistung. Eine wirklich sichere Kennzeichnung ist jedoch nur gegeben, wenn Produkte neben einem Identifikationsmerkmal auch ein Echtheitsmerkmal zur Authentifizierung tragen. Die Serialisierung allein bietet kaum Schutz, weil sie leicht kopiert und gefälscht werden kann.

Immer mehr Produkte und Bauteile werden heute variabel gekennzeichnet, um es einem breiten Nutzerkreis, wie dem Kunden oder Endverbraucher, zu ermöglichen, die Produkte zu identifizieren, auf Echtheit zu prüfen sowie weitere stückspezifische Informationen aufzurufen. Dank der breit verfügbaren Barcode-Leser-Anwendungen durch Smartphone-Apps bieten modular aufgebaute Tracing-Systeme eine einfache und schnelle internetbasierte Identifikation.

Jedes Produkt erhält dazu einen einzigartigen und eindeutigen verschlüsselten Code. Durch Eingabe des Codes auf der Hersteller-Website oder über das Handy wird die Originalität geprüft. Für die mobile Abfrage wird der Code linear oder als 2D-Code aufgedruckt beziehungsweise sogar auf einem NFC-Chip gespeichert. Mittels einer frei verfügbaren Barcode-App liest der Anwender mit der Kamera seines Smartphones oder einer integrierten NFC-Leseeinheit den Code aus und startet die vollautomatische Entschlüsselung der Code-Information.

Immer öfter wird die variable Code-Information auch noch mit einem daneben applizierten Fälschungsschutzmerkmal in Verbindung gebracht. Ein „statisches“ Fälschungsschutzmerkmal wie ein Hologramm oder ein Kundenlogo kann durch einen optischen Vergleich authentifiziert werden.

Variable Fälschungsschutzmerkmale, wie ein Sicherheitspapier mit Melierfasern, mit einem gedruckten Zufallsmuster, Bildpunkten oder in Kunstharz vergossenen Luftbläschen referenzieren jeden einzelnen individuellen Code über eine Datenbankabfrage.

Diese Abfrage kann als sogenanntes „selbst-verifizierendes“ System über eine Verschlüsselung ohne Internetanschluss möglich sein, wenn der variable Code individuelle Merkmale des variablen Fälschungsschutzmerkmals referenziert. In der Regel werden jedoch die variablen Informationen online über eine Datenbank geprüft. Diese Option bietet größeren Gestaltungsspielraum: Der Nutzer kann so weitere einzelstückspezifische Informationen abrufen oder auch zum Beispiel bei Wartung oder Reparatur in die Datenbank zurückschreiben.

Gerade bei der Ansprache von Endverbrauchern eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, über die Handy-Internet-Oberfläche zusätzlich zielgruppenspezifische Produktinformationen, Verbraucherhinweise oder individuelle Werbung anzubieten.

Originalitätsprüfung durch Sicherheitsmerkmale

Je nach Zielgruppe, die die Echtheit prüfen soll, können die Merkmale zum Fälschungsschutz sichtbar, verborgen oder digital, also „computerlesbar“, sein. Alle Merkmale können individualisiert und nach dem Baukastenprinzip frei miteinander kombiniert werden.

So entstehen hoch komplexe Sicherheitslabel, die Fälschern erfolgreich das Handwerk legen: Offene Merkmale wie Hologramme oder Sicherheitskippfarben ermöglichen eine schnelle Echtheitskontrolle ohne Einsatz von Hilfsmitteln.

Aufgrund des Imitationsrisikos durch professionelle Fälscher wird eine Kombination mit weiteren verborgenen und digitalen Technologien empfohlen. Verborgene Merkmale zum Originalitätsschutz werden erst durch Hilfsmittel wie spezielle Lesegeräte oder einen Teststift sichtbar. Hier kommen vor allem Technologien aus dem Hochsicherheitsdruck zum Einsatz. Möglichkeiten sind hierbei die Einarbeitung von geruchs- und farblosen Taggants in die Druckfarbe, die Integration von mikroskopisch kleinen Mikropartikeln oder ein synthetisch erzeugter DNA-Code.

Hinzu kommen digitale Sicherheitsmerkmale. Diese nutzen computergenerierte und hoch verschlüsselte Codierungen als Klarschriftnummer, 2D-Datamatrix-Code oder spezielle Rauschmuster, um eine Echtheitsprüfung über das Internet oder mobile Endgeräte zu ermöglichen. In vielen Branchen verbindet die jeweilige Kennzeichnung idealerweise die Maschinenlesbarkeit des Codes mit einem maschinenlesbaren Echtheitsmerkmal.

Eine Möglichkeit hierfür ist die Kopierschutz-Technologie Bit-Secure, die auf einem digitalen Rauschmuster basiert und mit Handscannern oder über die Kamera von Smartphones ausgelesen wird. Durch die optimale Verbindung von Identifikations- und Fälschungsschutztechnologien entsteht eine sinnvolle Symbiose, von der Industrieanwender, Wartungstechniker, Inspektoren und Endverbraucher gleichermaßen profitieren.

Automotive und Pharma

Zwei konkrete Initiativen aus verschiedenen Branchen in diesem Zusammenhang: die Mapp-Initiative der Automobilindustrie sowie die Secur-­Pharm-Initiative der pharmazeutischen Industrie.

Mapp-Initiative der Automobilindustrie: Gefälschte Ersatzteile richten in der Automobilbranche großen Schaden an. Der europäische Dachverband der Automobil-Zuliefererindustrie Clepa schätzt, dass gefälschte Autoteile die Zulieferindustrie jedes Jahr zwischen fünf und zehn Milliarden Euro kosten. Abgesehen vom Umsatzverlust entsteht dadurch auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Autofahrer.

Deshalb haben mehrere Clepa-Mitglieder die Brancheninitiative „Manufacturers against Product Piracy“ (Mapp) ins Leben gerufen. In diesem Rahmen kennzeichnen sie ihre Originalprodukte mit einem Datamatrix-Code auf Basis einer von der Clepa erarbeiteten Codierungsempfehlung. Dieser einzigartige Mapp-Code kann ganz einfach mit Tec-Identify, der ersten IT-basierten Standardlösung für die Autoersatzteil-Branche, überprüft werden. In Sekundenschnelle weiß der Anwender, ob es sich um ein Original- Ersatzteil handelt.

Secur-Pharm-Initiative der pharmazeutischen Industrie: Gefälschte Arzneimittel sind weltweit ein wachsendes Risiko für die Patientensicherheit. Der Europäische Verband der pharmazeutischen Industrie (Efpia) tritt deshalb schon seit vielen Jahren für die einheitliche Kennzeichnung der Verkaufsverpackung mittels Datamatrix-Codes zur seriellen Kennzeichnung ein. Auch die EU Directive 2011/62/EU, die sogenannte Falsified Medicine Directive, schreibt vor, dass zukünftig EU-weit alle verschreibungspflichtigen Medikamente ein Sicherheitsmerkmal zur sicheren Identifikation tragen müssen.

Die jüngst veröffentlichten Delegierten Rechtsakte konkretisieren nun die Anforderungen der Serialisierung, die die Hersteller mit einer Übergangsfrist von 3 Jahren umsetzen müssen. Jedes Produkt muss mit einem Unique Identifier (also einer Seriennummer), einem Produkt-Code, der nationalen Zulassungsnummer sowie mit Abfüllnummer und Verfallsdatum markiert sein. Diese Initiative wird seit 2013 von der Secur-Pharm-Initiative der deutschen Pharmaindustrie im Rahmen eines großen Pilotversuches getestet. Das neue System soll künftig die Identifikation von Arzneimitteln in der Apotheke ermöglichen. Die Verifikation erfolgt dabei durch den Apotheker bei der Ausgabe.

Bildergalerie

  • Mobile Authentifizierung: Das Kopierschutzmuster wird mit einem Scanner erkannt, fotografiert, entschlüsselt und auf Echtheit geprüft.

    Bild: Schreiner Group

  • Datenmatrix-Code im Pharma-Bereich: So sollen künftig laut EU-Verordnung alle Arzneimittel gekennzeichnet werden.

    Bild: Schreiner Group

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