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Dank eines neuen Verfahrens soll es in Zukunft möglich sein, die Chemikalie Anilin aus nachwachsenden Rohstoffen, wie zum Beispiel Holz, zu gewinnen.

Bild: Pixabay

Anilin aus Pflanzen gewinnen Biomasse statt Erdöl

30.05.2017

Anilin ist für die chemische Industrie von großer Bedeutung. Mithilfe eines neuen Verfahrens ist es jetzt möglich, Anilin aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen.

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Anilin lässt sich jetzt aus Biomasse gewinnen, denn zusammen mit einigen Partnern hat der Werkstoffhersteller Covestro ein neues Verfahren zur Produktion der Chemikalie entwickelt. Weltweit wird Anilin bisher ausschließlich aus fossilen Rohstoffen, wie beispielsweise Erdöl, hergestellt. Es spielt in der chemischen Industrie eine bedeutende Rolle und wird als Ausgangsstoff für zahlreiche Produkte gebraucht.

Weiterentwicklung geplant

Nach dem Erfolg im Labor will Covestro das neue Verfahren nun zusammen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft weiterentwickeln. Zunächst soll es in einer Versuchsanlage in größere technische Dimensionen überführt werden. Das endgültige Ziel ist, die Herstellung von biobasiertem Anilin im Industriemaßstab zu ermöglichen. Das wäre ein absolutes Novum in der Kunststoffbranche.

Hoher Bedarf

Derzeit werden weltweit rund fünf Millionen Tonnen Anilin produziert, wobei das Volumen im Schnitt um rund fünf Prozent pro Jahr wächst. Man benötigt Anilin zum Beispiel als Vorstufe für Polyurethan-Hartschaum, einen hocheffizienten Dämmstoff für Gebäude und Kühlgeräte.

„Es besteht am Markt ein hohes Interesse an ökologisch vorteilhaften Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe“, sagt Dr. Markus Steilemann, im Covestro-Vorstand zuständig für Innovation, Marketing und Vertrieb. „Anilin aus Biomasse zu gewinnen, ist ein weiterer wichtiger Schritt, um die Chemie- und Kunststoffindustrie unabhängiger von den knappen fossilen Rohstoffen und den Marktschwankungen zu machen.“

Verbesserter CO2-Fußabdruck

Wie der Projektleiter Dr. Gernot Jäger von Covestro betont, nutzt das Verfahren nachwachsende Rohstoffe und führt so im Vergleich zur konventionellen Technik zu einem deutlich verbessertem CO2-Fußabdruck des Anilins. Außerdem finden die Reaktionen unter milderen Bedingungen statt. Die ökologischen Aspekte des Verfahrens sollen auch ganzheitlich durch externe Institute bewertet werden.

Kohlenstoff aus Biomasse

Derzeit wird Anilin aus Benzol gewonnen, einem Rohstoff, der auf Erdöl basiert. Alternativ lassen sich industrielle Zucker verwenden, die heute schon im großtechnischen Maßstab aus Materialien wie Futtermais, Stroh oder Holz hergestellt werden.

In dem neu entwickelten Verfahren wird ein industrieller Zucker zunächst mithilfe eines Mikroorganismus als Katalysator in ein Zwischenprodukt umgewandelt. Daraus wird dann in einem zweiten Schritt durch chemische Katalyse das Anilin gewonnen. „Hundert Prozent des im Anilin enthaltenen Kohlenstoffes stammen somit aus nachwachsenden Rohstoffen“, betont Jäger.

Um das Verfahren weiterzuentwickeln, arbeitet Covestro mit der Universität Stuttgart, dem CAT Catalytic Center an der RWTH Aachen University sowie der Bayer AG zusammen. Das langfristige Forschungsprojekt wird über zweieinhalb Jahre vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe als Projektträger finanziell unterstützt.

Andere Projekte

Bereits jetzt benutzt Covestro nachwachsende Rohstoffe in verschiedenen Produkten. So hat das Unternehmen einen Härter für Lacke entwickelt, bei dem bis zu siebzig Prozent des Kohlenstoffgehalts aus Pflanzen stammen. Auch Kohlendioxid entwickelt sich zunehmend zu einem alternativen Rohstoff. Seit 2016 stellt Covestro ein Vorprodukt für Polyurethan-Weichschaum her, das anstelle von Erdöl bis zu zwanzig Prozent CO2 enthält. Gleichzeitig erforscht und entwickelt das Unternehmen zahlreiche weitere Produkte auf CO2-Basis.

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