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Im Gespräch mit mit Valeska Haux von Multivac und Markus Ströbel von Bausch + Ströbel.

Im Gespräch mit mit Valeska Haux von Multivac und Markus Ströbel von Bausch + Ströbel.

Bild: Pixabay

Verpackungsbranchen-Talk (Ver-)Packen wir’s wieder!

06.04.2017

Was treibt die Verpackungsbranche auf der Interpack 2017 um? Wir haben mit Valeska Haux von Multivac und Markus Ströbel von Bausch+Ströbel zwei Brancheninsider zu den diesjährigen Trendthemen der Düsseldorfer Messe befragt.

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P&A:

Was hat sich seit der letzten Interpack 2014 im Bereich der Packmittelindustrie verändert? Welchen Herausforderungen muss sich die Branche gegenwärtig stellen?

Markus Ströbel:

Alle Partner unserer Branche, die Packmittelhersteller, die abfüllende Pharmaindustrie und die Maschinenhersteller, müssen sich dem Trend stellen, dass immer kleiner werdende Chargen ihnen eine immer größere Flexibilität abverlangen. Im Bereich Medikamentenproduktion geht das sogar so weit, einen einzelnen Wirkstoff ganz speziell auf einen einzigen Patienten zuzuschneiden und für ihn zu produzieren.

Valeska Haux:

Ein wichtiger Aspekt ist nach wie vor der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen. Die Nachfrage nach verpackten Produkten, insbesondere in der Lebensmittelindustrie, nimmt aufgrund der sich ändernden Konsumentengewohnheiten weiter zu – etwa im Versandhandel oder bei To-go-Produkten. Des Weiteren beobachten wir, dass die Relevanz der Automatisierung von Prozessen bei den verarbeitenden Unternehmen an Bedeutung gewinnt.

Was sind Ihrer Meinung nach die Verpackungstrends 2017?

Haux:

Neben Ressourcenschonung und Automatisierung sehen wir einen deutlichen Trend in Richtung Convenience und Verbraucherschutz. Im Bereich der Lebensmittelverpackung nimmt die Nachfrage nach konsumentenfreundlichen Verpackungen weiter zu. Hierunter verstehen wir zum Beispiel Portionspackungen, Packungen mit Wiederverschlusssystemen oder auch Verpackungen für Fertiggerichte und To-go-Produkte. Die Herstellung von Verpackungen, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern und dadurch deren Verschwendung reduzieren, ist eine weitere wichtige Aufgabe unserer Industrie. Betrachtet man den Verbraucherschutz, so denke ich hier vor allem an Patientensicherheit. Im Bereich Pharma- und Medizinprodukte sind Aspekte wie die eindeutige Kennzeichnung und Identifizierbarkeit, also Fälschungsschutz, Serialisierung und Rückverfolgbarkeit, ein wichtiger Ansatz.

Und mit Blick auf den Maschinenbau?

Ströbel:

Ein Thema ist dort, gerade auf dem Gebiet „Aseptische Abfüllung“, zum einen sicherlich der Einsatz flexibler Baukastensysteme. Sie sollen es erlauben, unterschiedliche Primärpackmittel für verschiedene Darreichungsformen durch schnell wechselbare Maschinenmodule mit der klassischen Isolatortechnik zu verarbeiten. Als weiteren Trend sehen wir das „Digital Engineering“, das uns ein neues Vorgehen in der Produktentwicklung ermöglicht. Ein wichtiges Werkzeug ist etwa unser Virtual-Reality-Center (VR), das im gesamten Produktionszyklus zur Anwendung kommt. Wir sehen außerdem, dass der Kunde häufig nicht mehr nur eine technische Verpackungslösung sucht, sondern darüber hinaus auch Unterstützung bei der späteren Produktion. Das reicht von vielfältigen Serviceangeboten bis hin zu maßgeschneiderten Schulungsprogrammen, die für hohe Produktionssicherheit beim Kunden sorgen.

Sie haben Digital Engineering angesprochen. Inwiefern beschäftigt Sie denn die allgemeine Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 samt zunehmender Vernetzung und Digitalisierung?

Ströbel:

Das Digital Engineering ist einer der Haupttreiber. Chancen sehen wir unter anderem darin, dass uns als Maschinenbauer ein systematisches und interdisziplinäres Vorgehen in der Entwicklung möglich ist. Durch die Visualisierung der späteren Anlage mit VR, schon in einem frühen Projektstatus, ist die Kommunikation mit dem Kunden viel einfacher. Er kann in verschiedenste Prozesse enger eingebunden werden, was die Entscheidungsfindung enorm beschleunigt.

Haux:

Voraussetzung für Industrie 4.0 ist der LAN-Anschluss unserer Maschinen. Das Bereitstellen von Informationen aus dem Verpackungsprozess und deren Verwendung sind Technologien, die wir beherrschen und kontinuierlich weiterentwickeln. Ein Schlagwort in der Fleischindustrie ist beispielsweise „Farm to Fork“. Das umfasst das Sicherstellen der Rückverfolgbarkeit von Fleischprodukten über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Aufzuchtort, über die Schlachtung und Zerlegung sowie den Verpackungsprozess bis hin zum Verbraucher. Das ist bereits möglich und wird bereits umgesetzt. Schon heute erzeugt eine Verpackungsmaschine eine große Anzahl an Informationen über den Verpackungsprozess und die Qualität der Verpackung, ebenso wie zur Performance der Maschine oder ihren Energieverbrauch. Zukünftig werden die Anzahl von Sensoren, die Leistungsfähigkeit der Steuerungen sowie die Vernetzung über Cloud-Services erheblich zunehmen.

Welche Schwerpunkte setzt Multivac auf der Messe?

Haux:

An unserem Stand in Halle 5 stellen wir vor allem Anlagen zur Herstellung von Portionspackungen, Vakuum-Skin-Verpackungen sowie Verpackungen für die erwähnten Ready Meals und Convenience-Produkte vor. Darüber hinaus zeigen wir auch Lösungen für vor- und nachgelagerte Prozessschritte wie Zuführung, Befüllen von Packungen sowie Kennzeichnen, Qualitätsinspektion und Endverpacken. In Halle 17 wenden wir uns an die Medizin- und Pharmaindustrie. Neben einer Verpackungslinie mit automatisiertem Produkthandling stellen wir insbesondere auch Lösungen für das Verpacken von kleinen Serien vor, denn der Trend zu einer stärkeren Individualisierung und größeren Variantenvielfalt setzt sich ungebrochen fort. Immer häufiger werden Pharmazeutika auch in kleinen Losgrößen hergestellt und verpackt.

Rückt Bausch + Ströbel ein spezielles Thema in den Vordergrund?

Ströbel:

Das Thema Barrieretechnik zieht sich dieses Jahr wie ein roter Faden durch unseren Messeauftritt. So werden unsere Abfüll- und Verpackungsanlagen bewusst in Kombination mit verschiedensten Isolator-Lösungen unserer Partner gezeigt. Das reicht vom standardisierten und damit schneller realisierbaren und kostengünstigen Isolator bis hin zu speziell auf den Kunden zugeschnittenen Konzepten. Im Mittelpunkt steht hierbei das Produktionssystem VarioSys, das wir gemeinsam mit SKAN entwickelt haben. Hierbei handelt es sich um ein sehr flexibles System zur Kleinchargenproduktion im Isolator: Ein spezieller Isolator kann hier mit verschiedensten Maschinenmodulen kombiniert werden. Dazu fährt das jeweilige Modul aus dem Isolator heraus und wird durch ein anderes ersetzt. Somit kann in die Produktion in kürzester Zeit auf andere Packmittel umgerüstet werden.

Bildergalerie

  • „Neben den Themen Ressourcenschonung und Automatisierung sehen wir einen deutlichen Trend in Richtung Convenience und Verbraucherschutz.“

    Valeska Haux, Senior Director Corporate Marketing, Multivac

    Bild: Multivac

  • „Als Trend sehen wir das ‚Digital Engineering‘, das uns ein systema­tisches, interdisziplinäres und intelligentes Vorgehen in der Produkt­entwicklung ermöglicht.“

    Markus Ströbel, geschäftsführender
    Gesellschafter, Bausch + Ströbel

    Bild: Bausch+Ströbel

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