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Integrierte Solarzellen und ein Windpark auf dem Rücken des „Mantarochen“ versorgen das Fährterminal mit regenerativem Strom.

Bild: Vincent Callebaut Architectures

Energieautarkes Fährterminal Der Mantarochen, der sich selbst versorgt

10.07.2017

Das schwimmende Pier des Designers Vincent Callebout beeindruckt nicht nur durch sein Aussehen: Mittels fortschrittlicher Technik versorgt sich das Fährterminal komplett selbst mit Energie.

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Der belgisch-französische Architekt Vincent Callebaut ist bekannt für seine futuristischen und nachhaltigen Gebäudekonzepte. Sein neuestes Projekt heißt „Manta Ray“ und soll in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entstehen. Bei dem Konzept handelt es sich um ein experimentelles Fährterminal, das sich insbesondere durch eine hohe Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und autarke Energieversorgung auszeichnet.

Pier in Form eines Mantarochen

Als Standort des Gebäudes ist der Han River, in der Nähe des schon bestehenden Yeouido Park, mitten in Seoul geplant. Das Terminal selbst wird auf einem schwimmenden Pier errichtet und soll insgesamt drei Stockwerke umfassen. Laut den derzeitigen Entwürfen umfasst der Gebäudekomplex rund 25.000 Quadratmeter Fläche. 26 Betonplatten, die am Grund des Flusses angebracht werden, und massive Stahlketten sollen das Pier an der richtigen Stelle halten.

Auf der untersten Ebene sind geschützte Anlegestellen für kleinere Boote, Yachten und Wassertaxis vorgesehen. In die Pontons integriert ist auch die Ausrüstung, die zum Betanken und Warten der Schiffe benötigt wird. Ferner gibt es Pläne, dort zum Beispiel ein schwimmendes Theater einzurichten, das sich für verschiedene Veranstaltungen nutzen ließe.

Die oberen Stockwerke des Terminals sind dem Körperbau des namensgebenden Mantarochen nachempfunden. Dort sollen sich später Restaurants, Freizeit- und Bildungsangebote sowie die Rezeption finden. Auf dem Dach schließlich befindet sich zudem eine 8.500 Quadratmeter große Aussichtsplattform inklusive einem Garten. Hier sollen außerdem Windkraftanlagen angebracht werden, die das Gebäude mit Strom versorgen.

Umfassendes Nachhaltigkeitskonzept

„Die Absicht hinter dem Projekt ist es, den Yeouido Park zu einem genuin kulturellen Knotenpunkt zu machen, wo die Natur Schritt für Schritt ihr Anrecht gegenüber der Betonstadt zurückgewinnt, um diese besser schützen zu können“, erklärt Vincent Callebaut die Motivation für das ungewöhnliche Konzept. Zum Beispiel sollen Pflanzen aus Sumpfgebieten an das schwimmende Pier angebracht werden, so dass der Han River künftig auf natürliche Weise gereingt wird.

Auch bei den Baumaterialien will der Architekt auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit achten. Lediglich die unterste Ebene muss aus statischen Gründen aus Stahl und Beton bestehen. Für die höheren Ebenen setzt Callebaut dagegen auf kreuzweise verleimte Massivholzplatten (cross laminated timer; CLT) und viel Glas. Das Holz soll dabei aus koreanischen Wäldern stammen, die in denen ökologische Forstwirtschaft betrieben wird.

Das ganze Projekt „Manta Ray“ folgt damit den drei Prinzipien des Abfallmanagements: Verringerung (reduction) der Abfälle, Wiederverwendung (reuse) von Ressourcen und Recycling der Materialien.

Autarke Energieversorgung

Das Gebäude soll sich außerdem komplett selbst mit Energie versorgen können. Um das zu gewährleisten, sind vier verschiedene Methoden der Stromerzeugung vorgesehen:

  • Auf dem Dach soll auf einer Fläche von rund 4.500 Quadratmeter eine laminierte Glasfassade installiert werden, in die polykristalline Solarzellen eingearbeitet sind. Die Dachkante wird mit 3.500 Quadratmeter an fotothermischen Platten ausgestattet.

  • Ebenfalls auf dem Dach soll zudem ein kleiner Windpark mit bis zu 52 Vertikalrotorturbinen entstehen.

  • Auch die biologischen Abfällen des umliegenden Parks bleiben nicht ungenutzt. Sie werden in einer Biogasanlage zu Biomethan verarbeitet. Das wiederum lässt sich als Treibstoff für die Fähren und Yachten verwenden.

  • Entlang der Plattform, die die Anlegestellen umgibt und auf der der Rest des Gebäudes aufbaut, werden hydrokinetische Turbinen angebracht. Sie ahmen die Flossen von Walen und Delfinen nach und wandeln durch Bewegung die kinetische Energie des Flusses in Strom um.

Umsetzung noch unklar

Das ambitionierte Projekt ist das Ergebnis einer internationalen Ausschreibung, die die Stadtverwaltung von Seoul in Auftrag gegeben hat. Derzeit befindet sich „Manta Ray“ noch in der Konzept- und Masterplanphase. Ob und wann das Terminal tatsächlich realisiert wird, steht bislang aber noch nicht fest. Stattdessen darf sich Vincent Callebaut über die Fortschritte in einem anderen Projekt freuen: Ein von ihm designter Wolkenkratzer in Form eines DNA-Strangs soll schon im September diesen Jahres in Taipeh, Taiwan, fertiggestellt werden.

Bildergalerie

  • Die Form der oberen Etagen ist dem Körperbau eines Mantarochen nachempfunden.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

  • Das Fährterminal soll mitten in Seoul, direkt am Yeouido Park, entstehen.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

  • Die unterste Ebene ist ein schwimmendes Pier. Hier befinden sich die geschützten Anlegestellen für Wassertaxis und Fähren.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

  • Oberhalb des Piers sind Räumlichkeiten für Restaurants und Freizeitangebote angedacht.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

  • Der Großteil des Gebäudes soll aus recyclebaren, nachhaltigen Rohstoffen errichtet werden.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

  • Ein riesige Aussichtsplattform gewährt einen guten Blick auf den umliegenden Yeouido Park und ganz Seoul.

    Bild: Vincent Callebaut Architectures

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