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Bild: iStock, nickjoo

Energiemanagement im Unternehmen ISO bringt mehr Licht ins Dunkle

29.03.2017

Ob es neue Kalkulationsregeln für Auditzeiten oder auch die explizite Forderung einer nachweisbaren Verbesserung der Energieeffizienz sind: Ab Oktober 2017 stehen grundsätzliche Neuerungen in Aussicht. Mit einer Weiterentwicklung der Norm ISO 50001 zur 50003 für eine Re-Zertifizierung sollen Unternehmen zukünftig genauer dokumentieren, wie sie ihre Energieeffizienz verbessern.

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Die Mehrheit der großen produzierenden Unternehmen, aber mittlerweile auch viele nicht-produzierende Großunternehmen sind in Deutschland nach der ISO 50001 zertifiziert. In 2017 sind durch die ISO 50003 nun erstmalig seit der Einführung der vorangegangenen Norm weitreichende Änderungen zu erwarten. Die neue Norm wird die Energiemanagementsystem-Welt verändern – soviel steht heute bereits fest.

Effizienzverbesserung

Der Auditor ist damit im Rahmen des Zertifizierungsaudits aufgefordert, die fortlaufende Verbesserung zu kontrollieren und zu bestätigen. Um eine nachweisbare Steigerung der Energieeffizienz, also der energiebezogenen Leistung, vorweisen zu können, werden in Ergänzung zur ISO 50003 weitere Normen der ISO 50000 Familie interessant: Die ISO 50004, die den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im Detail beschreibt, die ISO 50006, die sich mit Energieleistungskennzahlen beschäftigt und die ISO 50015, die die Bestimmung der energiebezogenen Leistung, sowie die Messung und Verifizierung von Energieeffizienzmaßnahmen beinhaltet. Grundsätzlich gilt festzuhalten, dass die neue Anforderung eine bereits untrennbar mit der ISO 50001 verbundene Forderung ist, lediglich mit neuer Verbindlichkeit unterstrichen. Und zwar die kontinuierliche Verbesserung.

Doch wie kann eine nachweisbare Verbesserung dokumentiert werden? Praktisch gesprochen heißt es, dass das Unternehmen sich Ziele zu setzen und an der Erreichung dieser Ziele zu arbeiten hat. Ein Beispiel kann eine Großbank sein, deren Hauptenergieverbrauch sich auf die genutzten Gebäude bezieht. Auch wenn die komplette Beleuchtungstechnik auf LED umgestellt wurde, so könnte ein Zuwachs eines Rechenzentrums oder beispielsweise die Verlagerung von Rechenzentrumskapazitäten an einen zentralen Standort diesen Effekt schnell wieder zunichte machen.

Mehr Zeit, mehr Tiefe

Das durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) vorgegebene Rechenschema für die Auditzeiten berücksichtigt Faktoren, wie den wirtschaftlichen Sektor, die Komplexitätsklasse (Anzahl der Energieträger und Energierelevanz), sowie die Mitarbeiteranzahl. Auf dieser Basis ergibt sich für Erstzertifizierungen von Industrieunternehmen ein Basiswert von zwei Audittagen. Darüber hinaus werden bestimmte Faktoren für die Verrechnung zusätzlicher Standorte beziehungsweise die angemessene Einbindung unbemannter Standorte berücksichtigt.

Im Zuge der ISO 50003 wird ein leicht abgewandeltes Verfahren der Auditzeitberechnung angewendet. So fällt beispielsweise die Einteilung in die bisherigen Sektoren industriell und nicht-industriell weg. Dafür werden künftig die Anzahl signifikanter Energieverbraucher eines Unternehmens berücksichtigt. Außerdem wird anstelle der gesamten Mitarbeiteranzahl nur noch die Anzahl des EnMS-wirksamen Personals eingerechnet, also jenes Personal mit einem wesentlichen Einfluss auf den Energieverbrauch. Zertifizierer und Unternehmen stehen dabei gleichermaßen vor der Herausforderung Wege zur Ermittlung der einzelnen Faktoren zu definieren und diese sinnvoll einzugrenzen. Über eine in der Norm vorgegebenen Formel wird anschließend die Energiekomplexitätsklasse berechnet, welche zusammen mit dem effektiven Personal die Auditzeit ergibt.

Bemerkenswert hierbei ist die Basisauditzeit von drei Audittagen als kleinstmöglicher Wert, welche automatisch eine Erhöhung der Auditzeit für alle Unternehmen mit sich bringt. Wird eine höhere Komplexitätsklasse beziehungsweise die Anzahl an effektivem Personal einbezogen, so erhöht sich die Auditzeit damit im Durchschnitt voraussichtlich um 30 bis 50 Prozent.

Mit der ISO 50003 kommt nun mehr Fleisch an den Knochen, wo dies möglicherweise gefehlt haben könnte. Die Auditpraxis und die technische Tiefe von Zertifizierungsaudits werden sich damit ändern, die nachweisbare Verbesserung der Energieeffizienz wird ein wichtiges künftiges Kriterium werden. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Auditzeit steigen wird und dies eine tiefergehende Prüfung durch den Auditor ermöglicht. Für zertifizierte Unternehmen bedeutet das, dass ein tieferer Blick in technische Details, messtechnische Erfassungen und Erfolgskontrollen unentbehrlich wird.

Eingefangen: ISO 50015 und ISO 50047

Die ISO 50015 beschreibt die Methodik zur Feststellung einer Verbesserung messwertbasiert und allgemein unter verschiedenen Gesichtspunkten. Im Zusammenhang der Darstellung der Verbesserung der energiebezogenen Leistung ist dieser Standard deshalb eine nützliche Hilfe und bildet zusammen mit der brandneu erschienen ISO 50047 (ehemals ISO 17747) eine Themeneinheit um das Thema der Energieeinsparungen und deren Messung und Verifizierung. Die in der ISO 50047 erläuterten Vorgehensweisen, die sowohl eine top down, also auch eine bottom up Methodik zur Festlegung von Energieeinsparungen beinhalten, bieten eine nützliche Verständnisgrundlage um sich dem Begriff der Verbesserung der energiebezogenen Leistung in seiner Bedeutung inhaltlich zu nähern.

Weitere Informationen zum Thema Audits finden Sie auf der Tenag-Website.

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