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Ein Sicherungspartner muss immer wachsam sein, wenn Industriekletterer bei Arbeiten im Korrosionsschutz, bei der Wartung von Telekommunikationsmasten, im Freileitungsbau oder auf Kranauslegern im Einsatz sind. Diese Aufgabe kann nun ein automatisches Sicherungssystem übernehmen.

Bild: Pixabay

Weltweit erstes vollautomatisches Sicherungssystem Auf Windräder klettern ohne zweiten Mann

29.03.2017

Um Windräder zu warten, muss das Servicepersonal in luftige Höhen klettern. Der Sicherungspartner dafür muss aber nicht unbedingt ein zweiter Mensch sein.

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Wenn Berufskletterer auf Windkraftanlagen, Kranauslegern oder Telekommunikationsmasten unterwegs sind, ist normalerweise ein Partner unerlässlich. Faulhaber hat nun den weltweit ersten automatischen Sicherungspartner auf den Markt gebracht. Mit Hilfe des Sicherungssystems kann der Kletterer die Höhe auch ohne zweiten Mann sicher erklimmen. Zwei leistungsfähige DC-Kleinstmotoren spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Sicher bis zum Abseilen

EPIC ist das erste automatische Sicherungssystem für Kletterer, das den Vorstieg, den Nachstieg und das Abseilen mechatronisch bewältigen kann.

Das steckt hinter den Fachbegriffen: Beim Vorstieg befestigt der Kletterer das Seil auf dem Weg nach oben selbst etwa alle zwei Meter an einem Sicherungshaken. Der Sicherungspartner steht unten und hält das Seil. Sollte der Kletterer abgleiten, fällt er nur soweit, bis der nächsttiefere Haken ihn hält.

Beim Nachstieg folgt er einem Seil, das bereits oberhalb der zu kletternden Route befestigt wurde und vom Sicherungspartner nach oben gezogen wird.

Diese Aufgaben übernimmt nun der automatische Kletterassistent. Für den Vorstieg wird die kleine Maschine in Bodennähe befestigt. Das kann beim stationären Einsatz – etwa in einer Kletterhalle – mit Schrauben oder Klickverschlüssen an einer Wand geschehen. Für die mobile Nutzung gibt es eine Klemmvorrichtung. Mit ihr lässt sich das Sicherungssystem an beliebigen festen Strukturen wie dem Fuß eines Strommastes anbringen.

Zwei Motoren kontrollieren das Seil

Das backsteingroße, für den mobilen Akkubetrieb ausgelegte Gerät kontrolliert das Seil mithilfe zweier DC-Kleinstmotoren. Einer wickelt das Seil auf, der andere übernimmt das Bremsen. Beim Begehen eines Funkmastes oder eines Kranauslegers kann der Anwender das Sicherungsseil über das EPIC ausziehen und über einen Befehl per Fernbedienung automatisch wieder einziehen lassen. Das ist wichtig, um Schlaffseil zu vermeiden und dadurch die mögliche Sturzhöhe auf ein Minimum zu reduzieren.

Im Nachstieg, also wenn der Kletterer dem herabhängenden Seil folgt, kann er wählen, ob der Motor das freiwerdende Seil auf Kommando oder automatisch nachziehen soll. Grundsätzlich verwenden Anwender eine Fernbedienung, die einfach am Arm befestigt wird. So lässt sich das Seil an jeder beliebigen Stelle blockieren, um zu arbeiten oder eine Pause einlegen zu können. Die zweite Person kann nun in Rufnähe ebenfalls Arbeiten durchführen und im Notfall reagieren.

Geschwindigkeit definieren

Beim Abseilen lässt die Bremse das Seil automatisch mit einer definierten Geschwindigkeit von der Rolle, der Kletterer kann sich dadurch unkompliziert abseilen. Der Bremsmotor ist aber auch für die Sicherung zuständig. Bei einem Sturz sendet ein Sensor binnen 30 Millisekunden ein Notsignal an das Sicherungsgerät, das daraufhin die Bremse betätigt.

Auf ein einziges System verlassen sich die Entwickler allerdings nicht. Stattdessen ist die Sicherung mehrfach redundant ausgelegt. Im Sturzfall blockiert das EPIC mittels drei Sensoren und einer unabhängigen, redundant wirkenden Fliehkraftbremse. Hängt der Anwender nach einem Sturz handlungsunfähig oder gar bewusstlos im Seil und muss gerettet werden, kann der Kollege mit einer zweiten Fernbedienung die automatische Abseilung auslösen. Sollte keine zweite Fernbedienung zur Hand sein, kann er mit einem Rettungsschlüssel eine Notfallentriegelung aktivieren. Dieser Mechanismus funktioniert unabhängig von der Elektronik und wird direkt am EPIC von der zweiten Person ausgelöst.

Überhöhte Drehzahl als Herausforderung für die Antriebstechnik

Die hohe Drehzahl, die bei einem Sturz auf den Seilmotor einwirkt, war eine der Herausforderungen an die Antriebstechnik. Bis zu 25.000 Umdrehungen pro Minute können eine weniger hochwertige Wicklung in kürzester Zeit zerstören. Dazu erklärt Andreas Eiler, der bei Faulhaber für die Betreuung von Auroco zuständig ist: „Jeweils ein starker Motor liefert die Kraft für das Abseilen und Bremsen. Er trägt das Gewicht des Kletterers mit seinem Haltemoment.“

Die einwandfreie Funktion der Antriebskomponenten ist beim automatischen Sicherungspartner lebenswichtig. Die DEKRA-Zertifizierung belegt, dass die Antriebe auch unter den harten Bedingungen, die beim Klettern die Regel sind, zuverlässig funktionieren. Weder starke Erschütterungen noch extreme Temperaturen beeinträchtigen die Funktion. Das automatische Sicherungssystem ist für die Industrie gemäß EN 341 als Abseilgerät zum Einsatz in Kombination mit PSA gegen Absturz zertifiziert.

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