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Eine Technik, die im Kampf gegen das Bienensterben helfen könnte, präsentierte die Deutsche Telekom auf der diesjährigen CeBIT.

Bild: Pixabay

Condition Monitoring im Bienenstock IoT gegen das Bienensterben

23.03.2017

Ob seine Bienen gesund sind, verrät dem Imker in Zukunft ein Blick in eine App. Die nötigen Sensordaten werden ihm direkt aus dem Bienenstock per Narrowband-IoT zugefunkt.

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Ein Bienenstock ist die kleinste und am dichtesten gepackte Industrieanlage der Welt: Bis zu 40.000 fleißige Arbeiter tummeln sich auf einem halben Quadratmeter. Mithilfe von Sensorik und Narrowband-IoT soll auch diese Mini-Bionindustrie zur Industrie 4.0 werden.

Condition Monitoring im Bienenstock

Im Rahmen ihres traditonellen CeBIT-Messerundgangs bekam Angela Merkel am Messestand der Deutschen Telekom eine Technik zu sehen, die Imker beim Schutz ihrer Bienen unterstützen könnte. Die schmalbandige Funktechnik NB-IoT überträgt direkt aus dem Bienenstock die von intelligenten Sensoren gesammelten Daten an den Imker: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Gewicht des Bienenstocks (und somit Füllstand der Waben) sowie Aktivität der Bienen. In Zukunft soll ein Blick auf eine Smartphone- oder Tablet-App reichen, damit der Imker weiß, wie es seinen Bienen gerade geht.

Wir wissen nicht, warum Bienen sterben - nur, dass sie sterben

Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen. Immer wieder setzen zudem Winter Bienenvölkern überraschend hart zu und schrecken die Öffentlichkeit auf.

Zehn Prozent Schwund gelten als normal. Im Winter 2002/2003 etwa schnellten die Zahlen dagegen alarmierend hoch. Erhebungen in Imkereien offenbarten durchschnittliche Verluste von etwa 30 Prozent. Die genauen Ursachen für das Bienensterben sind unbekannt, als Gründe werden unter anderem der Einsatz von Pestiziden, eintönige Landschaften, fehlende Nahrungsquellen, der Verlust des natürlichen Lebensraums der Tiere und Parasiten wie die Varroamilbe angeführt.

Bestäubung ist ein Milliardengeschäft

Weltweit gibt es schätzungsweise 20.000 verschiedene Bienenarten. Doch nur neun davon produzieren Honig. Bienen und andere Insekten spielen bei rund 35 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion eine wichtige Rolle. Der bei weitem wichtigste Beitrag der Honigbiene für die moderne Landwirtschaft ist ihre Bestäubungsleistung. In Entwicklungsländern sind 22,6 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion direkt auf Bestäubung durch Honigbienen angewiesen. In Industrieländern sind es immerhin 14,7 Prozent.

Der globale Wert der Bestäubungsleistung durch Insekten wurde auf 153 Milliarden Euro geschätzt, was 9,5 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion entspricht. Das Labor für theoretische und angewandte Wirtschaft des wissenschaftlichen Forschungszentrums CNRS in Montpellier errechnet für die weltweite Bestäubungsleistung der Bienen sogar eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern – die Tiere bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Wenn es nicht gelingt, die Bienenbestände zu halten, und die Insekten aussterben, hätte dies nach Ansicht von Forschern fatale Folgen für den Menschen.

Japaner wollen Blüten per Drohne bestäuben

Das CeBIT-Partnerland Japan rückt dem Bienensterben mit unkonventionellen Methoden zu Leibe. Im Rahmen des Ginza Honey Bee Project erhielten 300.000 Bienen und acht Bienenstöcke auf einem Tokioter Büroturm im Einkaufsquartier Ginza ein neues Zuhause. Städte bieten Bienen mehr Schutz, es gibt dort weniger natürliche Feinde als auf dem Land.

Bereits im ersten Jahr produzierten die Hochhaus-Bienen 440 Kilogramm Honig, der heute als Ginza-Honig in Kaufhäusern der Umgebung verkauft oder aber auch als Cocktail-Zutat in einer lokalen Bar verwendet wird. Selbst lokale Konfiseure sind auf den urbanen Honiggeschmack gekommen, sodass es inzwischen an über 70 Orten in Tokio kommerzielle Nachahmer gibt.

Währenddessen denken japanische Forscher bereits über eine Welt ohne Insektenbestäubung nach und haben Anfang des Jahres eine Mini-Drohne als Bienenersatz zum Bestäuben entwickelt. Trotz dieser und ähnlicher Erfindungsleistungen weltweit gelten Bienen als unverzichtbar. Allein die Mandelindustrie in Kalifornien errechnet den Bedarf von 1,8 Millionen Stöcken mit rund 35 Milliarden Tieren, damit jedes Jahr drei Billionen Mandelbaumblüten sprießen. können. Bei einem derzeitigen Preis von 100 Dollar pro Drohne wäre die technische Ersatzlösung ein teures Unterfangen.

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