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Christian Binder, Geschäftsführer von Syslogic, war als Mitgründer von Beginn an dabei.

Bild: Florian Egger

Interview mit Christian Binder, Geschäftsführer von Syslogic „Security wird in Zukunft die größte Herausforderung“

09.05.2017

Nach dem 30-jährigen Jubiläum im letzten Jahr feiert der Embedded-Hersteller Syslogic 2017 bereits das nächste: die deutsche Tochter wird 25. Christian Binder, Geschäftsführer von Syslogic, war als Mitgründer von Beginn an dabei. Wir sprachen mit ihm über die Anfangsjahre, was sich seit dem verändert hat und was er für die Zukunft der Industrieelektronik erwartet.

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E&E:

Letztes Jahr feierten Sie das 30-jährige Bestehen von Syslogic, 2017 wird die deutsche Tochter 25. Sie haben Syslogic 1986 mitgegründet. Wie kam es dazu?

Christian Binder:

Syslogic war ursprünglich das Vertriebsunternehmen für die Firma Furrer+Gloor, die Standardprodukte für Industriesteuerungen lieferte. Ich habe Syslogic zusammen mit den Ingenieuren Frank Furrer und Walter Gloor aufgebaut. Später haben wir Furrer+Gloor in Syslogic eingegliedert und dadurch die Entwicklung integriert. Die Fertigung war damals noch outgesourced.

Wieso haben Sie sich entschlossen selbst zu fertigen?

Ein großes Problem beim Outsourcing war die gleichbleibende Qualität. Mit dem Aufbau der eigenen Fertigung bekamen wir das schnell in den Griff. Ein weiterer Vorteil ist der direkte Erfahrungsrückfluss in unsere Entwicklung. Das war sehr wichtig für die technologische Weiterentwicklung im Unternehmen. Durch dieses Know-how können wir unsere Kunden umfassender beraten, als ein Unternehmen, das die Fertigung oder sogar die Entwicklung outsourct.

Was hat sich in den 30 Jahren seit der Gründung am stärksten verändert?

Der Technologiewandel war sicher die größte Herausforderung. Verändert hat sich in den letzten Jahren aber auch sehr stark das Kaufverhalten der Kunden.

Was ist daran anders?

Der Kaufpreis ist immer wichtiger für die Entscheidung. Oft wird dabei vergessen, dass Industrieprodukte sehr langfristig eingesetzt werden. Viel relevanter als der Kaufpreis sind deshalb die Gesamtbetriebskosten. Vielen Kunden wird das erst bewusst, nachdem sie schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben.

In der Industrie wird immer öfter Technik aus dem Konsumbereich eingesetzt. Ist die Zeit der Industrieelektronik vorbei?

Das denke ich nicht. Wesentlich in der Industrieelektronik ist es, dass die Produkte über eine möglichst lange Zeit gleichbleibend zur Verfügung stehen. Wenn Kunden bei uns ein Gerät kaufen, dann sind sie darauf angewiesen nach sieben Jahren ein technisch identisches zu bekommen und fünf Jahre später noch Ersatzteile dafür. Andernfalls drohen massive Folgekosten. Diese lange Verfügbarkeit können wir nur bieten, weil wir selbst die Produktpflege betreibt und selbst fertigen. Wir sind in der Lage Produkte auch nach Jahren herzustellen.

Wollen Kunden nach so langer Zeit wirklich nochmal das gleiche Gerät?

Das kommt sehr oft vor. Im letzten Jahr hatten wir eine Lieferung von Rechnern, die 1987 entwickelt wurden. Die werden in Steuerungssystemen ziviler Schiffe verwendet. Für den Kunden war es weit preiswerter, nochmal ein Los nachfertigen zu lassen, als die ganze Steuerung umzubauen. Generell sind wir im Bereich Retrofit sehr stark aufgestellt. Da hat der Markt in den letzten Jahren stark angezogen. Gerade sehr teure Maschinen werden 10, 20 oder 30 Jahre verwendet. Da ist die Mechanik nicht das Problem, da versagt oft die Elektronik. Wir sind einer der wenigen Hersteller, der in solchen Fällen Ersatz bieten kann. Auch für Geräte, die ursprünglich gar nicht von uns entwickelt wurden.

Wenn Sie auf die vergangenen 30 Jahre zurückschauen, wie haben sich die technischen Ansprüche in der Zeit verändert?

Die verändern sich sehr schnell. Vor allem bei den Interfaces und Schnittstellen tut sich ständig etwas. Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich am stärksten verändert. Aber auch die gewünschte Rechenleistung und die Speicherkapazität sind beide deutlich größer geworden. Sie verdoppeln sich fast jährlich.

Um welche Schnittstellen handelt es sich denn?

Ich spreche von der Funkkommunikation. WLAN ändert sich fast jährlich. Bei der lokalen Kommunikation wie Bluetooth oder bei GSM-Verbindungen ist das nicht anders.

Welche Veränderungen erwarten Sie bei IPCs in der Zukunft?

Der wesentliche Punkt wird die Sicherheit sein. Steuerungen waren früher autonom, heute sind sie vernetzt und das birgt massive Gefahren, wie Hackerangriffe und Viren. Ich erachte das als große Gefahr im Rahmen der Digitalisierung. In Security wird meiner Meinung nach viel zu wenig investiert. Ob und welche Risiken bestehen, wird viel zu wenig überprüft. Wirklich sichere Systeme zu bauen, wird künftig die größte Herausforderung sein. Das ist ein Bereich, in den wir sehr viel investieren, und das nicht nur bei der Software, sondern auch bei der Hardware.

Auf was genau setzen Sie dabei?

Ganz klar auf vollständig abgeschirmte Geräte. Erreicht wird das durch das Zusammenspiel von Hard- und Software. Ein Beispiel ist authentifiziertes Booten, das nicht autorisierte Änderungen verhindert.

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