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Dem Siegeszug Künstlicher Intelligenz sehen einige noch mit gemischten Gefühlen entgegen.

Dem Siegeszug Künstlicher Intelligenz sehen einige noch mit gemischten Gefühlen entgegen.

Bild: Pixabay

Ackermanns Seitenblicke Wer hat Angst vor der KI?

20.03.2017

So schnell kann’s gehen – und so lange kann’s dauern: Nach jahrzehntelangem Wirken in elitären Nischenbereichen ist künstliche Intelligenz urplötzlich in den Mainstream gerutscht. Für die Medien ist sie ein Synonym für zukunftsweisenden Fortschritt geworden, gleichzeitig aber auch eins für Bedrohung.

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Künstliche Intelligenz (KI) war der große Trend auf der CES in Las Vegas; genauso wird sie die CeBIT und die Embedded World beherrschen. Dem Begriff „künstlich“ haftet in anderem Zusammenhang oft etwas Abwertendes an, etwa bei „künstlichem Geschmack“ oder „künstlichem Lachen“. In der IT verleiht das Adjektiv der Intelligenz jedoch einen strahlenden Glanz. Die Erfolge und Aussichten der KI sind beeindruckend, und den Laien überzeugt sie durch ihre Siege gegen die Großmeister von Schach und Go sowie gegen Quiz-Giganten in Jeopardy. Der eigentliche Nutzen dieses Bereichs der Informatik, der sich auf die Schaffung intelligenter Maschinen konzentriert, liegt aber natürlich viel tiefer.

Künstliche Fertigkeiten

Als Aufgabengebiete von Computern mit KI-Technologie sehen Fachleuten die Spracherkennung, Lernprozesse, Planung und Problemlösung an. Einer Befragung des IT-Unternehmens Infosys zufolge arbeiten die meisten KI-Anwendungen zurzeit in der Automatisierung von Big-Data-Prozessen sowie in den Bereichen Predictive und Prescriptive Analytics. Predictive Analytics beschäftigt sich vor allem mit der Frage, was passieren wird, während Prescriptive Analytics untersucht, wie sich bestimmte Ereignisse erzeugen oder verhindern lassen. In Zukunft werden aber sicher noch weitere Aufgaben für die KI hinzukommen.

Google schockte vor Kurzem etwa mit der Meldung, ihnen sei es gelungen, KI selbst KI-Software schreiben zu lassen. Wird der Mensch über kurz oder lang überflüssig? Wird KI zur Gefahr für die Menschheit, zum Beispiel indem sie – ungefragt und unbremsbar – tödliche Waffen entwickelt und gegen uns richtet? Mit selbstlernenden Maschinen und neuen Deep-
Learning-Techniken vermindert sich darüber hinaus der Hard- und Softwareaufwand, der bislang manchen Optimierungsprozessen noch Grenzen setzte.

Kein Platz für beide?

Und schon sind wir beim Thema Arbeitsplatzsicherheit. Es ist schon ironisch, dass die raren hochkarätigen KI-Software-Entwickler sehr viel Geld dafür bekommen, sich selbst möglichst schnell zu ersetzen. Angeblich sollen in 80 Prozent der Fälle die betroffenen Mitarbeiter in anderen Bereichen eingesetzt oder umgeschult werden. Es ist jedoch unstrittig, dass die Automatisierung Arbeitsplätze vernichtet. Das erwähnte selbst Amerikas Ex-Präsident Obama in seiner Abschiedsrede. Wird Trump deshalb das Momentum des Fortschritts, das leider vorwiegend aus den USA kommt, bremsen oder zurückdrehen wollen oder können?

„Wir müssen wohl akzeptieren, dass uns künstliche Intelligenz durch die mittlerweile ausreichende Rechen- und Speicherleistung in der kognitiven Intelligenz manchmal überlegen ist – nicht jedoch in der emotionalen und sozialen!“ Mit dieser Aussage habe ich meine engere Umwelt, die sich über die bröckelnde Dominanz der Menschen Sorgen macht, bislang meist beruhigen können. Doch mein Nimbus als Kenner der Materie ist angekratzt, seit ein KI-Großcomputer vier anerkannten Top-Zockern beim Pokern 800.000 Dollar abnahm und dabei sowohl selbst bluffte, als auch die Bluffs und Finten seiner Gegenspieler durchschaute. Wie soll ich das erklären?

Bildergalerie

  • Solange es die Elektronikindustrie gibt, begleitet Roland Ackermann sie. Unter anderem als Chefredakteur, Verlagsleiter und Macher des „Technischen Reports“ im Bayrischen Rundfunk prägt er die Branche seit den späten 1950er-Jahren mit.

    Bild: Roland Ackermann

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