Wärmenetze Energiewende in der Provinz

Heizzentrale: In dieser Heizzentrale in Dollnstein sitzt das Herzstück des neuen Nahwärmenetzes – eine Hochtemperaturwärmepumpe mit einer Leistung von 440 kW.

Bild: Ratiotherm
06.05.2015

Ein „intelligentes“ Nahwärmenetz bringt eine Gemeinde in Bayern in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz voran.

Die Marktgemeinde Dollnstein im Naturpark Altmühltal hat neben einer schönen Landschaft seit Kurzem auch neue Umwelttechnik zu bieten: Im April 2015 wurde hier eines der ersten intelligenten Wärmenetze in Deutschland offiziell eröffnet, das 40 Privathaushalte und kommunale Liegenschaften versorgt. Gegenüber einem konventionellen Netz spart es 40 Prozent Primärenergie. Unverzichtbare Komponente des ausgeklügelten Heizungssystems ist eine Thermeco2 Hochtemperaturwärmepumpe HHR 520 von Dürr Thermea.

Das Konzept des Dollnsteiner Nahwärmenetzes ruht im Wesentlichen auf zwei Säulen: der Nutzung erneuerbarer Energien und flexiblen Temperaturen, die sich dem Verbrauch anpassen. In einem herkömmlichen Netz stellt die Heizzentrale permanent 80 Grad warmes Wasser bereit. Im Sommer gibt es für diese Temperatur in einem Ort wie Dollnstein keinen Bedarf. Es entstehen hohe Netzverluste. Um sie zu reduzieren, wird hier die Netztemperatur von Mai bis Ende September auf 20 bis 30 Grad abgesenkt. So lässt sich der Wärmebedarf im Sommerbetrieb vollständig durch erneuerbare Energien decken.

Im Winter stammt immerhin die Hälfte der Energie aus regenerativen Quellen. Eine davon ist Grundwasser, das in geringer Tiefe vorhanden ist. In der Heizzentrale steht die Hochtemperaturwärmepumpe mit einer Leistung von 440 kW. Sie entzieht dem Grundwasser Wärmeenergie und stellt damit in der winterlichen Heizperiode Vorlauftemperaturen bis 80 Grad bereit. Das Besondere dieser Technologie: Die Anlage arbeitet mit dem klimaneutralen Kältemittel CO2.

In den Sommermonaten reicht Sonnenenergie, um die Netztemperatur auf 20 bis 25 Grad zu halten. Für den Warmwasserbedarf der Haushalte, etwa zum Duschen, ist das allerdings nicht genug. Deshalb sind die Übergabestationen in den Häusern mit je einer kleinen Wärmepumpe und einem Pufferspeicher ausgestattet. Den Strom für die Thermeco2-Maschine und die Pumpen in den Haushalten liefern ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und Photovoltaik-Anlagen.

Heizzentrale, Wärmenetz und Verbraucher sind in einem intelligenten System miteinander verbunden – inklusive Stromversorgung der Verbraucherstationen. Ein Steuerkabel gibt Informationen über Temperatur der Pufferspeicher, Verbrauch und andere Daten an die Heizzentrale weiter. Dadurch können die Pufferspeicher in den Häusern bedarfsgerecht geladen werden. Die kleinen Wärmepumpen laufen also nur, wenn heißes Wasser gebraucht wird. Um die Abwärme des BHKW und die vorhandenen Solaranlagen voll ausnutzen zu können, gibt es einen Hochtemperaturpufferspeicher mit 27.000 Litern und einen etwas kleineren Niedertemperaturspeicher.

Bildergalerie

  • Schema: Darstellung des Nahwärmenetztes in Dollnstein.

    Schema: Darstellung des Nahwärmenetztes in Dollnstein.

    Bild: Dürr Thermea

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