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Bild: RichVintage/iStockphoto, Enerkite
Energieversorgung & Energiewirtschaft

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Frisches Geld für Energie-Entrepreneure

Text: Ariane Rüdiger für Energy 2.0
Finanzierungsmodelle für Energie-Innovationen: Gute Ideen gibt es viele, doch nur aus wenigen entstehen blühende Unternehmen. Ein gefährlicher Stolperstein ist die Finanzierung. Statt Venture Capital helfen heute Alternativen wie Crowdfunding.

Die Energiewende erfordert neben neuen Ideen und Technologien vor allem eines: viel Geld, um aus den Ideen tragfähige Geschäftsmodelle zu formen. Doch daran hapert es bei innovativen Startups regelmäßig. Sie sind meist auf externe Finanzierung angewiesen. Die erste Finanzierungsrunde besteht oft darin, dass die Firmengründer ihre Konten plündern und so die ersten Entwicklungsphasen überbrücken – natürlich immer ihren künftigen Gewinn vor Augen. Doch wie geht es dann weiter? Klassisches Venture Capital spielt in Deutschland nur eine geringe Rolle. „Es gibt hier kaum große Venture-Investoren“, weiß Uli Fricke, Geschäftsführerin und Gründerin von Fundernation.eu. „Insbesondere Versicherungs- und Pensionsfonds, die in den USA massiv in VC investieren, haben hier strenge Anlagerichtlinien, so dass sie als Investoren für junge Unternehmen praktisch ausfallen.“

Wie geht es also weiter, wenn mehr Kapital nötig ist? Bankkredite, am Kapitalmarkt handelbare Anleihen oder ein konventioneller Börsengang mit anschließendem Handel an offiziellen Börsenplätzen sind meist zu komplex und zu teuer für ein Startup. Manche Firmen setzen deshalb auf Privatemissionen, wie sie etwa bei Schridde gehandelt werden. Zudem gefallen die gängigen Kapitalmarktmechanismen nicht jeder alternativen Energiefirma, selbst wenn die formellen Voraussetzungen eines Börsenganges erfüllt wären. Deshalb kombiniert beispielsweise der Windparkprojektierer Abowind die Aufteilung des Unternehmensvermögens auf Aktien mit den unternehmensrechtlichen Merkmalen einer Genossenschaft: Jeder Aktionär hat, unabhängig vom Aktienanteil, nur eine Stimme. Das soll feindliche Übernahmen verhindern.

Kleine Beträge, große ­Wirkung: Crowdfunding

Doch es gibt andere Wege für die Einwerbung fremder Finanzmittel. Einer davon ist Crowdfunding. Eine Übersicht bietet die Seite www.crowdfunding.de. Nicht jede Plattform-Art eignet sich dabei für kapitalhungrige Unternehmen: Auf Gegenleistungen setzende („reward-based“) Crowd-Plattformen wie die von der Deutschen Umwelthilfe initiierte Ecocrowd oder Oneplanetcrowd agieren eher wie Spendensammler – Investoren erhalten lediglich eine nicht monetäre Gegenleistung und können schon mit sehr geringen Beiträgen einsteigen.

Üblich ist, dass Unternehmen sich beim Crowdfunder mit einem Businessplan vorstellen und die Plattformen dann die besten Pläne präsentieren. Die Renditeerwartungen sind beim Crowdfunding geringer als die 20 und mehr Prozent der klassischen Venture-Finanzierung – schließlich gehen viele Startups auch ohne jeden Gewinn wieder ein. Die Betreuung endet meist mit dem Ende der Finanzierungsrunde, während bei Venture Capital häufig Beratungsleistungen inkludiert sind.

Im Web finden Investoren die Mindestinvestitionssumme, die zusammenkommen muss, und die bisher erreichte Summe. Investoren können je nach Plattform schon mit wenigen hundert Euro einsteigen. Bei Erreichen der Mindestsumme läuft die Finanzierungsrunde über einen festgelegten Zeitpunkt oder bis zu einer Maximalsumme, die oft sechsstellige Werte erreicht. Die Unterschiede der einzelnen Plattformen liegen vor allem in Finanzierungsvarianten und Investitionsschwerpunkten. Die folgenden Plattformen befassen sich auch oder ausschließlich mit erneuerbarer Energie:

  • Bei Fundernation können Investoren zwischen drei unterschiedlich riskanten und ertragreichen Nachrangdarlehen und Projekten aus verschiedenen Branchen wählen –
    je riskanter, desto mehr Ertrag.

  • Bettervest sammelt für einzelne Energieeffizienzprojekte im Immobiliensektor Geld in Form von Nachrangdarlehen. Diese Finanzierungsform verbessert bei den Darlehensnehmern wegen ihrer Nähe zum Eigenkapital die Bilanzstruktur. Nachrangdarlehen sind bilanziell einfacher zu handhaben als etwa Genussscheine, die von anderen Akteuren für ähnliche Finanzierungsaufgaben genutzt werden.

  • Die österreichische Plattform Greenrocket finanziert ausschließlich österreichische Nachhaltigkeits-Start­ups und setzt auf Genussscheine, die ein Treuhänder verwaltet.

  • Crowdener.gy vertreibt Genossenschaftsanteile von Energiegenossenschaften im In- und Ausland.

  • Auf GreenXmoney können sich Anleger über sogenannte Forderungswertpapiere („Wattpapiere“) direkt den Strom erneuerbarer Erzeuger kaufen.

  • Die Plattform Tamaota bietet je nach Projekt unterschiedliche Finanzierungsformen für Solaranlagen-Zwischenfinanzierungen.

  • Econeers wirbt Geld für Energie-­Startups ein – erfolgreich finanziert wurden bisher mehrere Solar- und Bioenergiefirmen.

  • Seedmatch ermöglicht Investitionen in ein Startup-Portfolio ab 250 Euro zu kleiner Basisverzinsung plus gewinnabhängigem Anteil.

  • Bankless24 bietet Genussscheine schon ab 100 Euro an.

Beispiele aus der Branche

Zu den Unternehmen, die sich über die Crowd finanzieren, gehört beispielsweise Enerkite. Das Unternehmen, dessen Finanzierungsrunde bei Fundernation läuft, hat eine Flugwindanlage für die regenerative Energieerzeugung entwickelt, eine Art Lenkdrachen, der den Wind in größeren Höhen über dem Boden abgreift und deshalb weit großflächiger einsetzbar ist als Windräder. Pumpmakers, Entwickler einer robusten Selbstbau-Solarpumpe samt zugehörigem Franchise-Modell sammelt bei Greenrocket Geld. Auch Twingz, ein Anbieter innovativer Lösung für die Steuerung des Energieverbrauchs im Haushalt, finanziert sich dort. Hydroconnect hat bereits eine Greenrocket-Runde erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen baut einen neuartigen Stromgenerator für Fließgewässer, der für Fische und andere Wasserlebewesen keine Barriere mehr ist. Bei Seedmatch aktiv sind Controme (Anbieter einer innovativen Heizungssteuerung) sowie Cloud & Heat, eine Firma, die dezentrale Rechenzentren errichtet, in denen die Serverabwärme Gebäude heizt, statt weggekühlt oder in die Luft gepustet zu werden. Bei Bankless24 wirbt ein Bioenergie-Shop mit auf sieben Jahre Laufzeit angelegten Genussscheinen um Finanziers.

Finanzieren mit langem Atem: Family Offices

Doch nicht für jeden ist die Crowd die richtige Lösung. Eine weitere Finanzierungsquelle mit längerem Anlage­horizont sind sogenannte Family Offices, die große Familienvermögen nach professionellen Kriterien managen. An Enerstorage ist beispielsweise inzwischen das Family Office der Thyssen-Familie beteiligt. Das Unternehmen hat sich auf Energie-Contracting für den Regelenergiemarkt spezialisiert. Die Idee: Indus­triefirmen, die ohnehin für den Eigenbedarf mit Elektrodenkesseln Dampf oder heißes Wasser erzeugen, können bei ausreichend großzügiger Auslegung der Anlagen (schließlich soll der Eigenbedarf stets gedeckt werden) durch die Umwandlung von mehr oder weniger Strom in Wärme gegen Geld zu den flexiblen Reserven des Regel­energiemarktes beitragen. Dessen Volumen liegt bei rund 5500 MW bundesweit und wurde traditionell von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt. Die mit Enerstorage arbeiteten Industriefirmen können zwischen drei Modellen wählen: reinem Contracting, hier erhält das Industrieunternehmen lediglich eine Lizenzgebühr für die Nutzung und den Betrieb seiner Energieanlagen durch Enerstorage, gemeinsamem Betrieb und Gewinnverteilung oder einem Modell, bei dem Enerstorage lediglich die Energie verkauft, das Unternehmen aber die gesamte Betriebsverantwortung hat.

Die gebündelte Finanzkraft mehrerer Family Offices, institutioneller und strategischer Investoren bietet die seit rund anderthalb Jahren am Markt aktive Growth Invest Partners (GIP). Sie spricht Firmen an, die die frühe Startup-Phase bereits hinter sich haben und nun weiter expandieren wollen, etwa durch Ausdehnung des Vertriebs oder die Einführung neuer Produkte. „Unsere Partner sollen möglichst bereits Umsätze machen“, sagt Geschäftsführer Heiko von Dewitz. Die Zielrendite ist je nach Sektor unterschiedlich, liegt aber mindestens bei hohen einstelligen Prozentzahlen. Gerade für Energieunternehmen sei das Modell wegen des durch das GIP-Investmentmodell darstellbaren, eher langfristigen Anlagehorizonts interessant, meint der Manager: „Im Vergleich zu Internet- oder Software-Unternehmen brauchen Energieunternehmen in der Regel deutlich mehr Kapital und Zeit bis zu einem erfolgreichen Exit, wie einem Verkauf oder Börsengang.“ Finanzierungen hat GIP im Energiesektor zwar noch nicht abgeschlossen, es sollen sich aber mehrere interessante Firmen in der Pipeline befinden.

An Kapitalmangel scheitern müssen innovative Energieideen heute also längst nicht mehr. Für jede valide Geschäftsidee sollte sich in dem vielfältigen Angebot eigentlich eine passende Finanzierung finden.

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