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Michael Dahmen, Geschäftsführer bei Spectair Bild: Spectair
Software & Services

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„Flugroboter werden der Branche gänzlich neue Möglichkeiten bieten“

Text: Michael Dahmen, Spectair
Drohnen haben es nicht leicht, das erfährt der Online-Händler Amazon in den USA derzeit am eigenen Leib. Startschwierigkeiten sind auch Spectair nicht fremd. Und doch sind die Flugroboter des Unternehmens bereits heute im Auftrag der Energiebranche unterwegs.
Energy 2.0:

Was kann Ihr Un­ternehmen für die Energiebranche tun? Für welche Aufgaben eignen sich Drohnen?

Michael Dahmen:

Die Möglichkeiten, die sich jetzt schon bieten, sind enorm. Dennoch kann man hier abschließend kein konkretes Statement geben. Es wird noch sehr viel experimentiert und entwickelt.

Haben Sie konkrete Beispiele?

Thyssen Krupp und RWE haben von einem Mitbewerber Flugroboter erworben und wollen diese selber fliegen. Die Spectair Group selbst führt viele Tests für Energieunternehmen durch, sowohl auftragsbezogen als auch zu Testzwecken.

Worum geht es dabei ?

Das große Thema ist die Inspektion von Windkraftanlagen, Solarparks oder Hochspannungsmasten. Der Einsatz von Flugrobotern wird der Branche gänzlich neue Möglichkeiten und viel Einsparpotenzial bieten.

Sind Sie mit dieser Entwicklung zufrieden?

Ich persönlich sehe noch große Entwicklungschancen, weil sich das Thema noch nicht durchgesetzt hat. Der Einsatz von Flugrobotern ist zwar allgegenwärtig, in der Praxisanwendung ist trotz nachweislicher Vorteile aber noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Nicht ob, sondern wann der Boom startet, ist hier die einzige Frage.

Woran liegt das?

Die Anforderungen der Kunden steigen überproportional zu dem, was die Geräte können. Darauf muss man reagieren, und das beschleunigt die Entwicklung der Geräte und Kameras. Je tiefer wir und die Kunden in das Thema einsteigen, umso mehr Einsatzmöglichkeiten und Kundenanforderungen gibt es. Individuelle Lösungen benötigen Zeit. Aber gerade aus ihnen entstehen nachhaltige Konzepte und Produkte, die den Markt erobern werden. Nicht der fliegende Flugroboter ist das Know-how, sondern die professionelle Spezialistenanwendung.

Voriges Jahr haben Sie den Durchbruch für 2015 vorausgesagt.

Ja, allerdings ist das Jahr doch schwieriger als erwartet. Die Frage ist, wohin man will. Unsere Vision ist die Marktführerschaft zu erreichen, deshalb ist dieses Jahr entscheidend für uns, weil sich jetzt zeigt, wie gut unsere Vorarbeit hinsichtlich der Gewinnung von Großkunden war, bei denen es um die Vergabe von Rahmenverträgen über die nächsten zwei oder drei Jahre geht. Wenn alles so kommt, wie wir uns das vorstellen, haben wir es 2015 geschafft. 2016 werden wir diese Leistungen dann bestätigen müssen.

Wie schätzen Sie den weltweiten Markt ein?

Die Entwicklung hängt mit den Gesetzgebungen der einzelnen Länder zusammen. Amerika etwa kann sich jetzt erst entwickeln, weil dort seit kurzem kommerziell geflogen werden darf. Bisher stand das nur der Agrarwirtschaft zu. Amerika hat sicher ein riesiges Marktvolumen, aber auch im europäischen Umland gibt es großen Bedarf. In Deutschland und den anderen Industrieländern sowieso, aber auch Afrika ist ein großer Markt, was etwa Kartierung angeht.

Welche technischen oder rechtlichen Grenzen schränken Sie noch ein?

Was uns momentan einschränkt, ist die 5-kg-Grenze. Das heißt, man benötigt ab fünf Kilo Abfluggewicht eine Einzelaufstiegsgenehmigung. Diese ist zeit- und ortsgebunden, und es kann bis zu zehn Tage dauern, bis sie erteilt wird. Wenn diese Grenze wegfällt, könnten wir in vielen Bereichen noch flexibler agieren können.

Wie sind die Aussichten?

Ab nächstem Jahr oder 2017 werden da definitiv andere Reglungen kommen. Ich glaube, die Regularien werden etwas strenger im Sinne professioneller Standards, aber viele Teile werden sicher auch gelockert, was es uns als Dienstleister einfacher macht. Wir können uns damit noch mehr gegenüber kleineren Anbietern abgrenzen. Ich würde strengere Regularien begrüßen.

Warum?

Weil viele Dienstleister am Markt es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen. Im Preiskampf ist das ein wichtiger Punkt. Dem Kunden ist das nicht immer bewusst. Wir kümmern uns zwar um die Organisation, aber wir klären den Kunden immer sorgfältig über den rechtlichen Rahmen auf.

Müssen Sie noch viel Überzeugungsarbeit leisten?

Ja. Für viele Firmen ist das Thema noch recht neu. Den Mehrwert haben die meisten erkannt. Die bestehenden Strukturen und Prozesse zu ändern ist aber dort oft ein längerer Akt. Zudem überlegen einige Firmen, dies in Eigenregie zu machen.

Beunruhigt Sie das nicht?

Ich kann davon nur abraten, weil es nicht so einfach ist, wie es aussieht. Oft wissen die Firmen nicht, was sie alles beachten müssen. Ich rede da nicht von der 5-kg-Grenze, sondern die wenigsten wissen, dass man bei der Bedienung eines Flugroboters ein Flugbuch wie ein Pilot führen oder vorher das Wetter einholen muss. Die Frage ist, ob es sich lohnt, das Equipment anzuschaffen und das Risiko zu tragen, wenn man zweimal im Jahr fliegt.

Das Gespräch führte Sabrina Quente, Energy 2.0

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