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Bild: iStock, Roland T. Frank
Stromhandel

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Festes Tuch statt Flickenteppich

Text: Dr. Wolfram Vogel, Epex Spot
Die Europäische Strombörse Epex Spot wächst und dehnt ihre Handelssysteme schrittweise über den europäischen Kontinent aus. Für Stromhändler fallen damit Barrieren – sie profitieren von einheitlichen Strukturen, Regeln und Abwicklungen. Bald folgen die nordischen Staaten und Polen.

Mit Europa ist es so eine Sache. Historisch gewachsene Staaten, Sprachen und Kulturen drängeln sich auf vergleichsweise engem Raum – und haben dennoch ihre ganz eigenen Identitäten entwickelt. Das gilt genauso für ihre Stromerzeugung, -handel und -transport: Europa glich lange einem Flickenteppich, inklusive zahlreicher zäher Nähte. Doch der Flickenteppich ist dabei, einem einheitlichen und dennoch bunten Tuch zu weichen – zumindest, was den Handel mit Strom betrifft. In den vergangenen Jahren haben Strombörsen und Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam an der Schaffung eines Binnenmarkts für Strom gearbeitet. Mit Erfolg: die meisten Hürden sind genommen, die meisten Nähte aufgetrennt und neu und besser gesetzt.

Dabei ist die deutsch-französische Achse – die in der Gründung bi-nationale Epex Spot – wieder einmal eine der führenden Nadeln gewesen, zusammen mit einer wachsenden Zahl an Partnern aus ganz Europa, versteht sich. Das Werkzeug, mit dem der Flickenteppich vereinheitlicht wird: die sogenannte Day-Ahead-Marktkopplung. Bei der Marktkopplung werden Transportkapazitäten und Strom in einem an der Börse gehandelt, das heißt, die Börsen nutzen die an den Grenzkuppelstellen verfügbare Übertragungskapazität, was Preisunterschiede zwischen zwei oder mehr Märkten verringert. Übertragungskapazitäten zwischen den Ländern werden hierdurch auf bestmögliche Weise genutzt. Dies ist eine weltweit ein- und erstmalige Innovation – und schafft so einen Binnenmarkt für kurzfristigen Stromhandel. Es ist eine neue Phase der Integration des Europäischen Energiebinnenmarktes, möglich erst durch die Existenz der Strombörsen: Schon vorher war grenzüberschreitender Handel machbar, jedoch mussten Marktteilnehmer die Kapazitäten umständlich unabhängig von den Strommengen und im Voraus erwerben. Das kostete Zeit und Geld, und oft blieben die Kapazitäten ungenutzt, da sich die Preise in der Zwischenzeit auf den verschiedenen Märkten anderweitig entwickelt hatten. Durch die direkte Nutzung der Kapazitäten über die Epex Spot folgen Stromflüsse nun dem Preissignal der Märkte.

Seit der Marktkopplung wird ein nationaler Preis also gemeinsam mit den gekoppelten Märkten ermittelt. Die Folge: Die Preise zwischen den nationalen Märkten konvergieren, 2015 etwa zwischen Deutschland und Frankreich in 27 Prozent der Stunden. Der Löwenanteil der Länder in Europa sind heute auf diese Weise verbunden, und für den Rest laufen Vorbereitungen. Gleichzeitig wird der Stromhandel für die Marktteilnehmer selbst weiter vereinfacht, denn die vormals nationalen Börsen werden immer europäischer. So auch die Epex Spot: Durch den Zusammenschluss mit der niederländisch-britischen APX deckt die neue, auf diese Weise verstärkte Europäische Strombörse nun acht Länder ab. Bald sollen einheitliche Handelssysteme – ETS für den Day-Ahead-, M7 für den Intraday-Handel – nicht nur Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz, sondern auch die Niederlande, Belgien und in einem zweiten Schritt Großbritannien abdecken.

Der Vorteil: Händler brauchen nur noch eine Art der Infrastruktur, auch Marktregeln und Zulassung werden vereinheitlicht. Damit nicht genug: Das Clearing und Settlement ist bereits über alle Segmente und Länder harmonisiert und beim Clearinghaus der EEX-Gruppe, ECC, gebündelt. Für Unternehmen, die an anderen Börsen der EEX-Gruppe handeln, können so spürbare Einsparungen bei der Absicherung ihrer Transaktionen entstehen. So entwickelt sich nicht nur ein Binnenmarkt, sondern auch und besonders ein immer besserer und einfacherer Zugang dazu. Und die Entwicklung steht erst am Anfang: Bis Ende 2017 sollen die Märkte der Epex Spot auf die nordischen Staaten – Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden – sowie Polen ausgedehnt werden. Für Stromhändler in Europa eine gute Nachricht, haben sie dann Zugriff auf alle diese Märkte mit nur einer Börsenmitgliedschaft und robusten und erprobten Handelssystemen, die sie bereits gut kennen. Es ist also ein Ende des Patchworks sichtbar. Stromhandel in Europa mag noch hier und dort wie ein Flickenteppich aussehen – aber ein feines, festes und recht robustes Tuch spannt sich nach und nach über den Kontinent.

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