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Energiemanagement & IKT

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Falscher Fokus auf schaltbare Lasten

Text: Dr. Siegfried Numberger, Preisenergie

Bei der Energiewende kommt dem Lastmanagement eine zentrale Rolle zu. Das Potenzial liegt bei etwa zehn Prozent der Spitzenlast, die bei Bedarf reduziert werden kann und damit weniger zusätzliche Erzeugungs-, Speicher- und Netzkapazität nötig macht. Lastreduzierung wird durch zentrale Schaltung (bei schaltbaren Lasten) oder durch die Steuerung mit Preisen (bei Market Demand Response, MDR) ausgelöst. Die beiden Ansätze ergänzen sich, aber gegenwärtig liegt der Fokus auf schaltbaren Lasten. Das lenkt von der schnell und leicht verfügbaren Alternative der Preissteuerung ab und verzögert eine stärkere Verbreitung des Lastmanagements.

Derzeit wird Lastmanagement vor allem unter dem Gesichtspunkt „Vermarktung schalt­barer Lasten am Regelenergiemarkt“ dis­kutiert. Da erneuerbare Energien die Produktion zum Teil sehr kurzfristig ändern und am Regelenergiemarkt schon das Bereitstellen von Kapazität Erlöse verspricht, erscheint dieser Fokus sinnvoll. Andererseits bedeutet es, dass Lasten auch zentral schaltbar sein müssen. Das ist mit Nachteilen verbunden. Erstens muss in Schaltvorrichtungen für eine zentrale Steuerung investiert werden. Zweitens verliert der Energieabnehmer die Entscheidungs­gewalt über die Nutzung seiner Anlagen. Drittens könnten Industriekunden Flexibilität viel einfacher bereitstellten, wenn sie Energieversorger (EVU) über bekannte Lastabweichungen informieren und dadurch „ihre“ Flexibilität den Erneuerbaren zur Verfügung stellen. Zusätzliche Angebote an Flexibilität sind im Vergleich dazu viel aufwendiger.

Die zweite wichtige Form des Lastmanagements, nämlich MDR bietet demgegenüber erhebliche Vorteile. Zum einen bedeutet die Steuerung durch Preise, dass die Entscheidung über eine Lastveränderung in jedem Einzelfall beim Energieverbraucher bleibt. Des weiteren besteht ein Vorlauf von ein bis zwei Tagen, je nach Risikobereitschaft des EVU, und nicht nur von wenigen Minuten. Das steigert das Potenzial. In einer aktuellen Studie (Agora/Isi/FfE) nennt ein Drittel der befragten Unternehmen einen Vorlauf von mindestens acht Stunden für eine Laständerung. Drittens sind keine zusätzlichen Investitionen erforderlich. Energiemanagementsysteme erleichtern zwar die Reaktion auf Preissignale. Viele Unternehmen führen solche Systeme aber derzeit ohnehin ein. Viertens sinkt bei MDR nur der Einkaufspreis für Energie. Damit fügt sich diese Form des Lastmanagements nahtlos in das bestehende Zusammenspiel von Industriekunde und EVU ein. Darüber hinaus reduziert MDR mittelbar auch die Kosten für sehr kurzfristige Lastanpassungen. Denn werden zu Zeiten hoher Nachfrage schon am Vortag Lasten reduziert, besteht noch günstigere Kapazität für kurzfristige Anpassungen. Das zeigt sich auch durch die hohe Korrelation von Spot- und Intraday-Preisen.

MDR ließe sich unmittelbar profitabel anbieten. Industrie und EVU würden von Preis­unterschieden am Spotmarkt profitieren und könnten den Energiepreis um mehrere Prozentpunkte senken. Bisher haben diese Möglichkeit nur Betriebe, die so groß sind, dass sie Marktrisiken selbst managen können. Weder bei EVU noch in der Industrie sind größere Investitionen nötig. Und das Potenzial für Lastmanagement würde erheblich ausgeweitet, stünde schneller zur Verfügung und würde ökonomisch effizient eingesetzt.

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