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Energiemanagement & IKT

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Energiemanagement-Software für EVU

Text: Karsten Reese, IngSoft Fotos: IngSoft, Vorarlberger Kraftwerke
Energieversorger entdecken Energiemanagement zunehmend als attraktives Instrument der Kundenbindung und Wertschöpfung. Mit einer spezialisierten Software ergeben sich daraus neue Business-Chancen.

Lange wurde Energiemanagement von Energieversorgungs-unternehmen (EVU) lediglich als Abgleich von Abnahme und Erzeugung verstanden. Dabei stand das Management der Ener-gieerzeugung im Vordergrund. Heute gilt Energiemanagement zunehmend als Ansatz zur langfristigen Kundenbindung und Quelle der Wertschöpfung.

Auch der Begriff des Energiemanagementsystems wird nach wie vor mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet. So wird das Energiemanagementsystem oftmals noch im Sinne eines Gefüges von Software- und Hardware-Komponenten gebraucht, obwohl es nach der Definition der DIN EN ISO 50001 einen ganzheitlichen kontinuierlichen Verbesserungsprozess meint.

Energiemanagementsystem als Prozess

Laut DIN EN ISO 50001 ist dies ein Prozess in einer Organisation, der immer wieder die Schritte Planen, Umsetzen, Überprüfen und Optimieren durchläuft. Zu dem "Beauftragten des Managements", der für das Energiemanagementsystem verantwortlich ist, nimmt die Norm auch das Top-Management der Organisation in die Pflicht: Es ist vor allem dafür verantwortlich, die Energiepolitik aufzustellen und gegebenenfalls zu aktualisieren und die Wirksamkeit des Energiemanagementsystems zu überprüfen.

Grundlage für alle Schritte sind verlässliche und aktuelle Daten. Dabei spielen nicht nur die bisherigen und aktuellen Verbrauchswerte eine Rolle, sondern auch zahlenmäßig erfasste und relevante Einflussgrößen wie Wetterdaten oder Produktionszahlen. Diese Werte sind unter anderem die Grundlage für die zu bildenden Energieleistungskennzahlen (Englisch: Energy Performance Indicator, kurz EnPI).

Möglichkeiten des Energiemanagements nutzen

Energieversorger nutzen das Energiemanagement zum einen für ihre eigenen Liegenschaften, um die Energieeffizienz in der eigenen Organisation zu steigern. Denn Energieeffi-zienz spielt nicht nur bei den Kernprozessen der Energieerzeugung und -verteilung eine Rolle, sondern auch in den peripheren Bereichen wie dem Facility-Management im EVU.

Zum anderen erweitern sie mit dem Energiemanagement ihre Geschäftsfelder: Sie unterstützen ihre Kunden dabei, selbst im Rahmen ihrer Möglichkeiten Energiemanagement zu betreiben. Der Energieversorger stellt dafür seinen Endkunden beispielsweise ein Online-Portal zur Verfügung, über das jeder Kunde nach Eingabe seiner Anlagen und Geräte sowie seiner Verhaltens- und Nutzungsweisen seinen Verbrauch ermitteln kann. Je nach Kundengruppe und deren Anforderungen unterscheiden sich die Portale hinsichtlich ihres Funktions-umfangs:

Privatkunden können über das Portal zum Beispiel Maßnahmenvorschläge erhalten, mit denen sie ihren Energieverbrauch im Haushalt senken können. Gewerbekunden hingegen kann der Energieversorger durch entsprechend erweiterte Datenverfügbarkeit, Auswertungsmöglichkeiten und Beratungsleistungen dabei unterstützen, ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 zu realisieren.

Das Unterstützen beim Energiemanagement tritt so neben das "klassische" Energiecontracting, das einige EVU schon heute ihren Kunden anbieten. Mit diesem unterstützen Energieversorger ihre Kunden direkt dabei, Energie effizient zu nutzen und konkrete Einsparziele zu erreichen. Beim Contracting bleibt zum Beispiel die Heizungsanlage eines Gebäudes im Eigentum des Energieversorgers, der sie verantwortlich betreibt. Beide Ansätze erweitern das Kerngeschäft eines Energieversorgers.

Spezial-Software als zentraler Lösungsansatz

Eine Software für das Energiemanagement eines EVU muss hohe Anforderungen erfüllen. Sie muss komplexe Strukturen abbilden, unterschiedlichen Ziel- und Kundengruppen als Kontroll- und Auswertungswerkzeug dienen und sowohl den Energieverbrauch als auch die (Eigen-)Energieerzeugung berücksichtigen. Zudem muss es ein mandantenfähiges System sein, in dem alle relevanten Daten gebündelt zur Verfügung gestellt werden. Eine Spezial-Software dient hier als zentrale Arbeitsplattform und unterstützt wesentliche Aspekte der in der ISO 50001 geforderten Prozesse.

Neben konventionellen Energieträgern setzen Energieversorger vermehrt auch auf regenerative Energiequellen. Eine geeignete Anwendung muss also die gesamte Bandbreite der Energieträger darstellen, dazu gehören Gas, Fernwärme oder Wärme aus thermischer Verwertung von Abfall ebenso wie Solar- und Geothermie, Photovoltaik, Biomasse, Wasser- und Windkraft.

Software in Portale integrieren

Weiterhin sollte eine Energiemanagement-Software in beliebige unternehmenseigene Kundenportale integrierbar sein, um über eine bedarfsgerechte Benutzeroberfläche individuelle Feature-Sets umsetzen zu können. Das ist für Ener-gieversorger besonders dann interessant, wenn sie unterschiedlichen Kundengruppen - Industriekunden, Filialisten, Kommunen und Privatkunden - eine Möglichkeit bieten möchten, ihren Energieverbrauch und die entsprechenden Kosten in vereinfachter Form selbst zu kontrollieren. Das System soll dabei auch um Nicht-EVU-Zähler ergänzt werden können. Die Freischaltung zur Applikation sollte automatisch aus dem Portal heraus erfolgen. Idealerweise werden alle Stammdaten inklusive der Anschlussobjekte aus dem Abrechnungssystem des Energieversorgers übernommen - zum Beispiel aus SAP IS-U - und alle systemseitig verfügbaren Verbräuche und zugehörigen Tarife historisiert ergänzt.

Um verteilte Rollen und Verantwortlichkeiten im Energiemanagement abzubilden, sind sowohl eine Internet-Architektur und Mandantenfähigkeit als auch ein fein differenziertes Rechte-management erforderlich. Denn die Software wird nicht nur im Energiecontrolling der Endkunden angewendet, sondern auch unternehmensintern. Experten des Energieversorgers setzen sie ein, um komplexe Sachverhalte im Auftrag des Kunden zu bearbeiten. Die Informationen können dann als Grundlage für weitergehende Kundenberatungen aber auch zum Optimieren von Contracting-Verträgen dienen.

Werkzeug fürs Energiemanagement

IngSoft unterstützt Unternehmen und Energieversorger bei der Umsetzung eines Energiemanagements mithilfe der webbasierten Spezial-Software IngSoft InterWatt. Neben diversen Energieträgern werden damit auch beliebige Gebäude- und Produktionsobjekte im System erfasst. Durch das Einbinden aller denkbaren Energieträger und beliebiger Verbrauchs- und Kostenstrukturen ist eine detaillierte Auswertung aller vorhandenen Daten möglich. Berücksichtigt werden sowohl Energieverbrauch als auch -erzeugung konventioneller und regenerativer Art inklusive der Emissionen. Um aussagekräftige Vergleiche und Auswertungen zu generieren und daraus Optimierungsmaßnahmen abzuleiten, können zudem beliebige Benchmarks definiert werden.

Wird ein Energiemanagement bei einem EVU eingeführt, ist die Automatisierung aller dabei notwendigen Prozesse und die Integration des Systems in vorhandene IT-Architekturen besonders wichtig. Nicht nur die Datenerfassung ist in der Software weitestgehend automatisiert, sondern auch der Berichtsversand und die Alarmierungsfunktionen. Auf diese Weise wird ein zuverlässiger Informationsfluss sichergestellt und alle Maßnahmen werden dokumentiert. Die herstellerneutrale Software lässt sich in beliebige Systemlandschaften integrieren. Das schließt Systeme der Gebäude- und Prozessleittechnik sowie CAFM- und ERP-Systeme ein.

Energieversorger benötigen eine solche Spezial-Software als zentrale Arbeitsplattform, um die vielfältigen Möglichkeiten des Energiemanagements zu realisieren und langfristig davon zu profitieren.

Weitere Informationen

[1] Karsten Reese: DIN EN ISO 50001 in der Praxis: Ein Leitfaden für Aufbau und Betrieb eines Energiemanagementsystems, Vulkan-Verlag 2012

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