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Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des EDNA Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V. Bild: Edna
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Das „perfekte“ Smart Metering

Deutschland versucht, über Gesetze ein „perfektes System“ für das Smart Metering zu entwickeln – so perfekt, dass es am Ende keiner mehr bezahlen kann.

In einer der vielen Sitzungen zum Thema „Smart Metering“ glänzte vor einigen Wochen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit der Aussage: „Wir haben den sichersten Zähler der Welt!“ Kein Kunststück, wenn man bedenkt, dass der Markt für das Smart Metering in Deutschland fast zum Erliegen gekommen ist. Und ein nicht installierter Zähler ist in der Tat absolut sicher.

Der Grund für die Misere ist sicherlich, dass Deutschland versucht, über Gesetze ein „perfektes System“ für das Smart Metering zu entwickeln – so perfekt, dass es am Ende keiner mehr bezahlen kann. Während unsere Nachbarstaaten sehr viel pragmatischer vorgehen und digitale Zähler in vielen Ländern der Welt längst nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sind, hinkt Deutschland hinterher. Uns droht, von diesem Markt komplett abgehängt zu werden.

Dass diese Furcht nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt auch die Aussage eines ENDA-­Mitglieds, dass der deutsche Markt für das Unternehmen inzwischen vollkommen uninteressant sei und es sich lieber auf die zahlreichen anderen Länder konzentriere, in denen tatsächlich ein Geschäft zu machen ist. Dabei wäre die Lösung einfach, wie es einer der Teilnehmer am 2. EDNA-Kamingespräch Ende Oktober auf den Punkt brachte: „Es reichen einige wichtige Grundpostulate, um Marktanreize zu schaffen, die dazu beitragen, Smart Metering auch volkswirtschaftlich sinnvoll umzusetzen. Die Materie ist ohnehin zu komplex, um sie auf einmal zu durchdringen und nur durch ein einziges Verordnungspaket des Gesetzgebers zu klären.“

Höchste Zeit also auch für das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), seine bisherige Strategie in Frage zu stellen. Denn der Versuch, ein vollständig abgesichertes Mess- und Kommunikationssystem in einem Schritt entwickeln und im Markt installieren zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Die kommenden Monate müssen vielmehr dazu genutzt werden, durch praxis- und vor allem marktgerechte Regeln die Umsetzung der noch ausstehenden Verordnungen mit aller Kraft voran zu treiben. Die neuen Technologien sollten im Rahmen einer Pilotphase ausprobiert und weiterentwickelt werden.

Neben einer Pilotphase müssen aber auch, die Energielieferanten stärker in die Einführung einbezogen und damit zum Treiber für die Entwicklung werden. Denn beim bisherigen Regelungsansatz werden die Interessen der Lieferanten und Letztverbraucher weitgehend vernachlässigt. Deren Motivation und Nachfrage kann aber nur durch wirtschaftliche Anreize geweckt werden: Erst attraktive Tarife, etwa durch geringere Netzkosten oder echte Variabilität, führen zu „smartem“ Verhalten.

Der in der Kosten-/Nutzenanalyse definierte „intelligente“ Zähler muss zudem so schnell wie möglich zur Pflicht gemacht werden. Damit wären auch die bereits vorhandenen Lösungen endlich einsetzbar. Ob der Energielieferant dem Kunden den von der EU geforderten Zugang zu seinen Verbrauchsdaten dann per Display am Zähler oder per Internetplattform anbieten möchte, sollte freigestellt sein. Das „intelligente Messsystem“ könnte dann mit der erforderlichen Ruhe vom Markt entwickelt werden.

Das BMWi hätte jetzt die Chance, vom Regulator zum Koordinator bei der Einführung von intelligenten Messsystemen zu werden und die Praxisorientierung vor die Detailregulierung zu stellen. Nur so kann die Einführung intelligenter Messsysteme zu einem Erfolg und die Technologie zu einem „Exportschlager“ werden.

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