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Bild: iStock, TebNad
Leistungsträger der Energiewende

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Von Rekord zu Rekord

Text: Andrea Neuhoff, Energy 2.0
Die Wind-Branche boomt weltweit, Deutschland ist einer der führenden Produktionsstandorte. Vor allem Offshore-Parks werden stark ausgebaut, doch Wind an Land spielt als kostengünstiger Leistungsträger weiterhin eine wichtige Rolle.

Windenergie ist eine zentrale Säule bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. In den vergangenen Jahren wurde sie weltweit deutlich ausgebaut. Allein im ersten Halbjahr 2016 investierte die europäische Windindustrie laut des Verbands Wind Europe einen Rekordwert von 14 Milliarden Euro. Die finanzierten Projekte ergeben zusammen einen Kapazitäts-Ausbau von 3,7 Gigawatt. Das hohe Entwicklungsniveau ist auch einem kontinuierlichen Umdenken in Bezug auf den Klimawandel geschuldet, nicht zuletzt durch die Klimakonferenz in Paris.

Im Zuge der Energiewende will Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft schaffen. Erste Meilensteine wurden 2015 erreicht: Erstmals überstieg die weltweit erzeugte Windkraft-Leistung die der Atomenergie. Im selben Jahr lag Deutschland in Europa mit der höchsten installierten Windenergie-Leistung auf Platz eins, weltweit auf Platz drei nach China und den USA. Mit knapp 86 Terawattstunden Strom oder einem Anteil von 13,3 Prozent leistete die Windkraft 2015 den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus alternativen Energiequellen. So dient Deutschland anderen Ländern häufig als positives Beispiel. Die Nachfrage der internationalen Märkte nach deutscher Anlagentechnik befindet sich nach Angaben des Bundesverbands Windenergie (BWE) auf unverändert hohem Niveau. Für das Jahr 2016 prognostiziert VDMA Power Systems einen Weltmarkt für Windenergieanlagen an Land in einer Größenordnung von 55 000 Megawatt. Dies soll sich in den Folgejahren fortsetzen.

Die Windenergie in Deutschland entwickelt sich technisch und wirtschaftlich rasant. Mit einem Anteil von 66,5 Prozent (9,7 Milliarden Euro) war sie 2015 die investitionsstärkste Sparte der Erneuerbaren. Insgesamt drehten sich vergangenes Jahr 26 772 Windräder, 25 980 an Land und 792 auf See. Die Neuinstallationen sind um gut zehn Prozent gestiegen verglichen mit 2014. Für 2017 rechnet die Branche mit einem Zubau auf vergleichbarem Niveau wie in diesem Jahr. Ende Mai waren Projekte mit einem Volumen von etwa 3200 MW genehmigt, von denen ein Großeil bis zum Ende des Jahres realisiert werden soll. „Wir werden zwar über das Jahr einen deutlich abnehmenden Neubau sehen, das hat aber voraussichtlich kaum Auswirkungen auf das Gesamt-Volumen der Leistung, die 2017 installiert werden wird. Grund dafür ist, dass die sinkenden Vergütungen teilweise durch höhere Erträge der Anlagen kompensiert werden“, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

Höchste installierte Leistung in Niedersachsen

Aktuell werden immer mehr Offshore-Parks gebaut. Dennoch wird die Windenergie an Land eine bedeutende Rolle behalten. 2015 betrug der Onshore-Windkraft-Anteil am Strommix bereits zwölf Prozent. Sie gilt als eine der kostengünstigsten Sparten im Bereich der erneuerbaren Energien. Nicht nur die Anzahl der Windräder auch ihre Leistungsfähigkeit ist in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich gestiegen. Waren anfangs noch Anlagen mit einer Leistung von 600 Kilowatt Standard, sind es mittlerweile fünf Megawatt an Land, auf See bis zu acht Megawatt.

Besonders Norddeutschland spielte 2015 in Sachen Windenergie ganz vorne mit. 42 Prozent der an Land installierten Windräder stehen dort. Zu den entwicklungsstärksten Ländern gehören Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Bezogen auf die Fläche existieren in Schleswig-Holstein die meisten Anlagen pro Quadratkilometer. Niedersachsen führte das Bundesländer-Ranking mit der höchsten installierten Leistung an: Mit 8602 MW lag es deutlich vor Schleswig-Holstein mit 5897 MW und Brandenburg (5850 MW). Während sich in der Mitte Deutschlands 44 Prozent aller Windanlagen drehen, sind es in den südlichen Bundesländern gerade einmal 14 Prozent. Doch der Ausbau über das gesamte Bundesgebiet ist laut BWE energiewirtschaftlich sinnvoll: „Wind lässt sich heute sehr präzise vorhersagen. Die reale Einspeisung weicht kaum noch von der Vorhersage ab“, sagt Hermann Albers, Präsident des BWE.

Verbesserte Windausbeute speichern

Nicht nur bei Zubau und Erzeugung eilt die Branche von einem Rekord zum nächsten. Die Zukunft der Windkraft-Technik wirft lange Schatten: Nabenhöhe und Rotorblattlänge sowie Rotordurchmesser werden immer größer. Das bedeutet mehr Leistung und eine bessere Windausbeute. Nun steht mit 230 Metern die höchste Anlage der Welt in Rheinland-Pfalz, außerdem soll sich bald ein Rekord-Rotorblatt drehen, das 88,40 Meter misst. Auch wirtschaftlich steht Deutschland aktuell gut da: Durch den Zusammenschluss mit Gamesa steigt Siemens zur weltweiten Nummer eins der Windkraftanlagen-Hersteller auf, und der deutsche Produzent Enercon gehört zu den Top 5 unter den Herstellern. Vielversprechende Entwicklungen in der Windtechnik betreffen auch Stromspeicher. Ein Ansatz beruht auf Power-to-Gas: Windenergie kann mittels Elektrolyse in Form von Wasserstoff oder Methan gespeichert werden. Eine andere Lösung sieht Pumpspeicher als Windkraft-Akku vor. Installiert als Betonkugeln auf dem Meeresboden sollen sie über das Leeren und Befüllen der Behälter mit Wasser überschüssige Windenergie speichern.

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