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Netzausbau gefährdet Energiewende

Text: Prof. Dr. Lorenz Jarass, Hochschule RheinMain Foto: Westpool

Der im Netzentwicklungsplan Strom (NEP) vorgesehene Netzausbau basiert auf der gesicherten Einspeisung auch von sehr seltenen Windenergiespitzen. Für eine einmalige Windspitze an der Nordseeküste müsste hierfür im Extremfall eine neue Leitung nach Süddeutschland gebaut werden.

Dies widerspricht nicht nur dem im Energiewirtschaftsgesetz vorgeschriebenen Gebot wirtschaftlicher Zumutbarkeit, sondern auch dem gesunden Menschenverstand: Es müssten für eine solche Erhöhung der Übertragungsleistung viele Millionen Euro investiert werden, nur um zusätzlich erneuerbare Energie im Wert von einigen Tausend Euro sicher übertragen zu können.

Hier zeichnet sich (endlich) ein Umdenken bei den Übertragungsnetzbetreibern und der Bundesnetzagentur ab. Bereits im Sensitivitätenbericht vom 1. Juli 2013 haben sie das Potenzial einer pauschalen Kappung von Windspitzen für einen verminderten Netzausbau bestätigt. Ende August 2013 hat nun die Bundesnetzagentur den Übertragungsnetzbetreibern Untersuchungen zu dynamischen Begrenzungen von Windspitzen aufgetragen. Dabei werden diese Spitzen gegenüber der pauschalen Kappung stärker begrenzt, allerdings nur, wenn wirklich Netzengpässe drohen. Die Ergebnisse sollen im April 2014 vorliegen. Es steht zu erwarten, dass dadurch der erforderliche Netzausbau deutlich reduziert wird.

Zum anderen berücksichtigt die Netzausbauplanung die unnötige Einspeisung von Kohlestrom zeitgleich zu Starkwindeinspeisung. Als Ergebnis werden bei Starkwindlagen von Jahr zu Jahr wachsende Mengen elektrischer Energie exportiert; 2012 hatte Deutschland trotz Stilllegung von Kernkraftwerken einen Rekord-Nettostromexport. Deutsche Kohlekraftwerke ersetzen so die Stromerzeugung in ausländischen Kraftwerken. Warum sollen die dafür benötigten Leitungen die deutschen Stromverbraucher bezahlen? Und warum werden in der Öffentlichkeit diese Leitungen als Energiewende-bedingt dargestellt?

Schließlich berücksichtigt die Bestimmung des erforderlichen Netzausbaus nicht dessen Kosten. Als Eingangsdaten für die Netzplanung gehen nämlich auch im aktuellen NEP 2013 nur die variablen Erzeugungskosten der Kraftwerke ein (Merit Order), nicht aber die Kosten des für ihren Einsatz erforderlichen Netzausbaus. Ein Beispiel: Zusätzliche Nachfrage in Süddeutschland wird grundsätzlich zuerst durch Kohlekraftwerke abgedeckt, auch wenn sie in Norddeutschland stehen und im Süden Gaskraftwerke verfügbar wären. Bei einem resultierenden Übertragungsengpass etwa von Hamburg nach Stuttgart wird in den NEP eine neue Leitung eingestellt, ohne die dadurch bedingten Netzausbaukosten dem angeblich kostengünstigeren Kohlekraftwerk zuzurechnen - ein schwerer methodischer Fehler, der die gesamte Bedarfsanalyse des NEP fragwürdig macht.

Die Kosten für diesen unnötigen Netzausbau trägt der Stromverbraucher, der schon die Mehrkosten für die EEG-Vergütung trägt. Der Öffentlichkeit aber wird erklärt, die wachsende Einspeisung Erneuerbarer verursache den erhöhten Netzausbaubedarf. Der geplante überdimensionierte Netzausbau belastet den Stromverbraucher unnötig, konterkariert den Klimaschutz und bedroht so die Akzeptanz der Energiewende. Sobald die Öffentlichkeit dieses Doppelspiel zu ihren Lasten durchschaut, ist die derzeit breite gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende in Frage gestellt. Dies sollten vor allem die Grünen-Umweltminister in den Bundesländern bedenken, die derzeit besonders vehement vor Ort diesen überdimensionierten Netzausbau vorantreiben.

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