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Deutschland im Energie-Verzug

100 Prozent erneuerbare Energien braucht Deutschland bis 2040 gemäß dem Pariser Abkommen - der Kohleausstieg soll bereits bis 2030 abgeschlossen sein. Gibt das aktuelle Eneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu lasche Vorgaben, um das Ziel rechtzeitig zu erreichen?

Deutschland muss erheblich mehr Ökostrom produzieren als bislang geplant, um die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens einzuhalten – das zeigt eine neue Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin). Erstmals wurde hierbei neben dem Stromsektor auch der Energiebedarf von Verkehr, Wärmeversorgung und Industrie berücksichtigt.. Das erklärt der Sektorkopplungsstudie nach auch, warum der Strombedarf im Jahre 2040 mit jährlich 1320 Terawattstunden mehr als doppelt so hoch sein wird als heute: Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen auch diese Bereiche von fossilen Energieträgern auf erneuerbaren Strom umsteigen.

Am 21. Juni ist das EEG in die parlamentarische Beratung gegangen. Dort präsentierte die Energiegenossenschaft präsentierte die Sektorkopplungsstudie HTW mit Studienleiter Prof. Dr. Volker Quaschning. Sie ergänzte sie um Berechnungen zum Bedarf an Langzeitspeichern für ein versorgungssicheres erneuerbares Energiesystem. Die Wind- und Solarenergie müsse drei- bis sechsmal schneller ausgebaut werden als von der Bundesregierung geplant, behauptete Quaschning. Die Onshore-Windkraft müsse pro Jahr um 6,3 GW netto ausgebaut werden statt um 2,8 GW brutto, wie im EEG 2016 anvisiert. Bei der Photovoltaik seien jährlich sogar 15 GW erforderlich statt der vorgesehenen 2,5 GW.

Um seinen Beitrag zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C zu leisten, müsste Deutschland laut Quaschning neben der Reduktion des Energieverbrauchs weitere Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört bei der Wärmeversorgung ein zeitnaher Umstieg von Öl- und Gasheizungen sowie KWK-Anlagen auf effiziente Wärmepumpen. Erforderlich sei zudem ein rascher Abschied von fossilen Treibstoffen im Verkehrssektor, der 2040 fast vollständig elektrifiziert sein müsste. Quaschning erläutert, dass ab 2025 keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden sollten.

Laut Marcel Keiffenheim, Leiter der Politik und Kommunikation von Greenpeace Energy, verfolgt die Bundesregierung zwei widersprüchliche Rechtsakte. So seien Langzeitspeicher für erneuerbare Energien vonnöten, um die Versorgungssicherheit ohne Strom aus Kohlekraftwerken zu gewährleisten. Dieses Thema wird im EEG 2016 von der Bundesregierung laut Keiffenheim allerdings komplett ignoriert. Bis 2040 ist eine Elektrolyseurleistung von mindestens 80 GW notwendig, um den von Professor Quaschnings Team ermittelten Energiebedarf durch erneuerbare Speicher abzudecken. Für einen wirksamen Klimaschutz müsse jetzt damit begonnen werden, diese Kapazitäten auszubauen.

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