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Dr. Ludwig Möhring, Mitglied der Geschäftsführung von Wingas
Konventionelle Energie

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„Eine Regierung, die Klimaschutz ernst nimmt, wird auf Erdgas setzen“

Text: Dr. Ludwig Möhring, Wingas
Mehr erneuerbare Energien, sinkende Preise bei Kohle und Öl – was bedeutet das für die Erdgas-Nachfrage? Energy 2.0 sprach mit Wingas-Geschäftsführer Dr. Ludwig Möhring.

Herr Dr. Möhring, noch haben wir in Deutschland Überkapazitäten in der Stromerzeugung. Wird der Atomausstieg nicht schon in den nächsten Jahren Raum für den Einsatz von Gaskraftwerken schaffen – und damit heute Investitionsanreize?

Dr. Ludwig Möhring: Die bloße Erwartung, es könnte irgendwann mal einen Engpass geben, reicht für Investitionsentscheidungen über viele hundert Millionen Euro nicht aus. Bei derzeitigen Marktbedingungen haben viele Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen in nun noch sehr junge Kraftwerke investiert. Jetzt müssen sie die Erfahrung machen, dass solche Projekte innerhalb kürzester Zeit unrentabel sind, nicht nur bezogen auf die Kapitalkosten, sondern auch was die kurzfristigen Grenzkosten des Betriebs betrifft. Bei solchen Rahmenbedingungen werden Sie kaum noch jemanden finden, der ernsthaft investiert.

Auch nicht, wenn die Stromerzeugung aufgrund des Kohle-Anteils einen sehr hohen CO2-Ausstoß mit sich bringt?

Wirtschaftsminister Gabriel und Umweltministerin Hendricks haben eine Diskussion über den Klimaschutz im Strommarkt in Gang gebracht, die ich sehr begrüße, aber das Führen einer Diskussion reicht nicht. Es bleibt abzuwarten, ob hier am Ende tatsächlich am Klimaschutz orientierte Lösungen herauskommen.

Was fordern Sie stattdessen?

Wir brauchen Klarheit über langfristig stabile Rahmenbedingungen; das heißt übrigens nicht „Garantiedividenden“ wie bei der Subventionierung der erneuerbaren Energien, sondern Marktbedingungen, die Anreize für Investitionen setzen, die sich nur über viele Jahre amortisieren. Der bislang beschriebene Pfad mit dem Atomausstieg hilft hier erst einmal herzlich wenig, und die verfügbaren konventionellen Stromkapazitäten werden durchaus noch einige Jahre ausreichen. Es wird also vielmehr häufig darum gehen, regional jederzeit Versorgungssicherheit zu erhalten, und das mit minimalen Eingriffen im Markt. Für den Strommarkt bin ich optimistisch, dass als Folge eines langfristigen Ausstiegs aus der Kohle Erdgas als emissionsarmer Energieträger wieder an Bedeutung gewinnen kann in einem idealen Nebeneinander zwischen erneuerbaren und konventionellen Energien. Eine Regierung, die Klimaschutz ernst nimmt, wird auch auf Erdas setzen.

Aus dem privaten Gasmarkt können Sie angesichts dramatisch fallender Ölpreise derzeit kaum auf Impulse hoffen.

Investitionsentscheidungen im Wärmemarkt haben nichts zu tun mit kurzfristigen Preisschwankungen an Öl- und Gasmärkten. Verbraucher entscheiden sich für Gas nicht nur, weil sie etwas Gutes für den Klimaschutz tun, sondern auch, weil Gas langfristig günstiger als Öl sein wird. Das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, und das wird auch in Zukunft so bleiben. Im Wärmemarkt hat die Frage alternativer Investitionen in Häusersanierungen, zum Beispiel durch Dämmmaßnahmen, eine viel stärkere Bedeutung. Hier gilt es für Transparenz zu sorgen, so dass sich der Verbraucher unter einer Vielzahl von denkbaren Klimaschutzmaßnahmen die kostengünstigste aussuchen kann.

Viele Privatkunden denken aber bei Erdgas weniger an Klimaschutz als an fossile Energien.

Drei von vier neuen Heizungen laufen jedenfalls mit Erdgas. Viele Bürger sind sich sehr bewusst, dass sie mit Erdgas etwas für den Geldbeutel und auch für den Klimaschutz tun. Wenn wir von Klimaschutz reden, haben viele Menschen zuerst die Vokabel „erneuerbar“ im Kopf. Wie nachhaltig CO2-neutral sind aber eigentlich Holzpellets, die aus Amerika in den Heizungskeller in Deutschland verschifft werden? Auch im Wärmemarkt geht es um ein sinnvolles technologie­offenes Nebeneinander von erneuerbaren und traditionellen Energieträgern, und das Ganze CO2-arm.

Das Interview führte Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0.

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