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Dr. Hansjörg Roll, Technikvorstand von MVV Energie. Bild: MVV Energie
Konventionelle Energie

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„Anschlussgrad von über 60 Prozent“

Text: Dr. Hansjörg Roll, MVV-Energie
Kraft-Wärme-Kopplung ist die effizienteste Art der Wärmeerzeugung in Ballungsgebieten und die ideale Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Dr. Hansjörg Roll, Technikvorstand von MVV Energie, über die Rolle von KWK im Energiesystem der Zukunft und die Besonderheit der Fernwärme in Mannheim.

Energy 2.0: Herr Dr. Roll, welchen Stellenwert hat die KWK für Sie?

Dr. Hansjörg Roll: Die Kraft-Wärme-Kopplung bildet, gerade durch die umweltfreundliche Verbindung mit der Fernwärme, neben dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien einen der tragenden Eckpfeiler der Energiewende. KWK-Anlagen verfügen über sehr hohe Wirkungsgrade und entsprechend geringe Vermeidungskosten für das Treibhausgas Kohlendioxid. Jeder Euro, der in KWK investiert wird, spart direkt CO2. Zum anderen stellen KWK-Kraftwerke für die Energiewende erforderliche regelbare Kapazitäten dar. Sie sichern auch nachts und bei Flaute die Energieerzeugung – vor allem im Winter, wenn viel Wärme benötigt wird. Kommt wie in Mannheim ein Fernwärmespeicher hinzu, erhöht dies die Flexibilität der Erzeugung nochmal erheblich.

Welche Erwartungen haben Sie an die gesetzlichen Rahmenbedingungen für KWK?

Die Sicherung des Anlagenbestands muss ein vordringliches Ziel der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes sein. Gleichzeitig muss das neue KWKG den Charakter einer Technologieförderung behalten. Nur so kann sichergestellt werden, dass besonders effiziente Technologie einen wirtschaftlichen Vorsprung bekommt und auch tatsächlich genutzt wird.

Was ist die Besonderheit von Mannheim, wenn man sich die Fernwärme anschaut?

Wir haben derzeit in der Stadt einen Anschlussgrad von über 60 Prozent. Und wir arbeiten daran, diese Zahl mit unserem Ausbau- und Verdichtungsprogramm noch zu steigern – übrigens ganz ohne Anschluss- und Benutzungs­zwang. Und wir bringen die Fernwärme in die Region: Heidelberg und Schwetzingen sind seit über 25 Jahren angeschlossen, Speyer versorgen wir seit fünf Jahren über eine neue, mehr als 20 Kilometer lange Fernwärmeleitung.

Sie haben sich beim Block 9 des Großkraftwerks Mannheim, der auch Fernwärme erzeugen wird, für Steinkohle als Brennstoff entschieden – für das Klima ist das nicht unbedingt die beste Lösung.

Wir haben bei den Planungen für den neuen Block 9, an dem neben MVV Energie als Partner auch EnBW und RWE beteiligt sind, unterschiedliche Varianten betrachtet. Eine wesentliche Grundlage der Entscheidung für einen weiteren Steinkohleblock war die vorhandene Infrastruktur, etwa die bereits bestehenden Transportmöglichkeiten über Rhein und Neckar. Verglichen mit einzelnen Hausfeuerungen sparen wir jährlich dank KWK bereits rund 300.000 Tonnen CO2 ein. Mit dem neuen Block 9, der weltweit zu den effizientesten Kohleblöcken überhaupt zählt, und mit der wachsenden Zahl von Fernwärmekunden wird diese Einsparung nochmal steigen.

Wären Gasturbinen nicht auch ein Weg gewesen?

Die Entscheidung muss jeweils im Einzelfall vor Ort getroffen werden. An anderen Standorten nutzen wir auch andere Brennstoffe für die KWK – etwa nicht wiederverwertbare Abfälle oder Biomasse. Ein aktuelles Beispiel dafür sind unsere Projekte in Großbritannien. Im südwestenglischen Plymouth errichten wir eine thermische Abfallverwertung, die mit hohem Wirkungsgrad Haus- und Gewerbeabfälle in Strom und Wärme umwandelt. Und in Ridham Dock, östlich von London, geht in den nächsten Wochen eine Biomasseanlage in Betrieb, die neben der Strom­erzeugung ebenfalls Wärme auskoppeln kann.

Was sind die nächsten Meilensteine auf Ihrer Agenda – sowohl insgesamt als auch mit Blick auf Erneuerbare?

Neben den beiden neuen Kraftwerken in Großbritannien steht für uns der weitere Ausbau der Erneuerbaren im Vordergrund. Dabei haben wir zuletzt mit der Partnerschaft mit der Juwi AG und der Übernahme von Windwärts gerade den Bereich der Projektentwicklung gestärkt und decken somit nun die komplette Wertschöpfungskette dieses Zukunftsmarkts ab: von der Projektentwicklung über Bau und Betrieb bis hin zur Vermarktung.

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