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Prof. Dr. Reimelt, CEO von GE Energy Germany
Windenergie: On- & Offshore

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„Erneuerbare müssen Energie planbarer und netzfreundlicher produzieren“

Text: Im Energy 2.0-Interview: Prof. Dr.-Ing. Stephan Reimelt, CEO GE Energy Germany Fotos: GE Energy
Vernetzte Windturbinen und Windparks gehören zu den Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende, Speicher können Strompreissprünge dämpfen. Welche Ansätze GE Energy verfolgt, erklärt der Deutschland-Chef des Unternehmens, Prof. Dr.-Ing. Stephan Reimelt.

Energy 2.0: Herr Prof. Reimelt, wie schätzen Sie den deutschen Markt derzeit ein?

Prof. Stephan Reimelt: Ich glaube, dass die Energiewende an einem Punkt angelangt ist, an dem wir gut beraten sind, uns auf ihre ursprünglichen Ziele zurückzubesinnen - nämlich klimaschonende und dezentral erzeugte Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen. Solange wir dieses Zieldreieck im Auge behalten, sind wir auf einem guten Weg. Es stand zum Beispiel Pate bei der Entwicklung unserer neuen Windturbine 2.5-120 mit 120m Rotordurchmesser und 139m hohem Turm. Wir haben diese Anlage speziell mit Blick auf den deutschen Markt entwickelt, um einen effizienten und ertragsstarken Einsatz in den Schwachwindzonen in Süddeutschland zu ermöglichen.

Wie werden sich die Kosten für Onshore-Windenergie entwickeln?

Die Stromgestehungskosten liegen Onshore inzwischen bei rund fünf bis sieben Eurocent - hängen aber natürlich maßgeblich von den Standortbedingungen ab. Die technologische Herausforderung für uns als Hersteller liegt darin, diese Gestehungskosten auch in weniger ertragsstarken Gebieten zu ermöglichen.

Wo liegen weitere Herausforderungen für die Windenergie?

Entscheidend sind die Vernetzung von Windparks, die Kombination von Wind- und Speichertechnologie sowie die Einspeisung in das Netz. Da geht es um die Synchronisierung der erneuerbaren und bestehenden Energieströme.

Speicherung ist aber derzeit oft noch unwirtschaftlich.

Wenn wir an Schlagwörter wie Power-to-Gas und die Speicherung von Strom in großen Mengen und über lange Zeiträume denken, steht die Entwicklung noch am Anfang. Bei der Batteriefertigung sind wir schon weiter fortgeschritten - gerade im kombinierten Einsatz mit erneuerbaren Energien wie etwa der Windenergie. Die Herausforderung lautet, erneuerbare Energien technisch zu befähigen, vorhersehbarer, planbarer und netzfreundlicher Energie zu produzieren. Hier sind wir auf gutem Weg. Unsere neue Anlage hat beispielsweise einen Batteriespeicher.

Die Speicherung substanzieller Mengen an Windstrom in Batterien ist doch kaum praktikabel.

Es geht nicht darum, Strom über längere Zeit zu speichern, sondern darum, durch Batteriecontainer die Zeit zu verlängern, in der Windturbinen planbar Strom liefern. Das funktioniert so ähnlich wie Peak-Shaving. Da, wo wir überschüssige Energie haben, wird gespeichert und da, wo Windpausen entstehen, gibt der Speicher sukzessive Energie ans Netz ab.

Um wie viel verteuert sich so der Strom?

Zunächst einmal lassen sich auf diese Art den Markt verzerrende Phänomene wie negative Strompreise reduzieren und die Windstromproduktion wird besser prognostizierbar. Das wiederum bedeutet weniger Eingriffe durch die Netzbetreiber. Wie sich das in Cent pro Kilowattstunde auswirkt, muss sich erst zeigen.

Auch wenn der Wind kostenlos weht: Wird Power-to-Gas je so günstig sein wie Erdgas?

Das glaube ich nicht. Elektrolyse und Großanlagenbau sind zwar Technologien, die seit Jahrzehnten verfügbar sind. Die Kommerzialisierung dieser Technologien im Hinblick auf erneuerbare Energien wird aber noch lange dauern.

Untersuchen Sie Alternativen zur konventionellen alkalischen Elektrolyse?

Wir beteiligen uns an vielen Forschungsprojekten. Bei der Forschung an der Elektrolyseforschung gibt es aber Partner, die schon viel weiter sind als wir. Wir sind eher Integrator und schauen uns an, was dort automatisierungs- und steuerungstechnisch nötig ist.

Was werden dann neue Themen im Forschungszentrum sein?

Sicher auch die Speicherung, aber das Hauptthema ist im Augenblick Energiemanagement. Als Ingenieur kann ich nicht glauben, dass eine installierte Leistung von 200 oder 230GW, wie wir sie in Deutschland derzeit anstreben, die beste technische Lösung für eine Volkswirtschaft mit einem Strombedarf zwischen 30GW und 80GW sein soll. Das ist schlicht ineffizient. Ich bin überzeugt, dass wir uns intensiv mit dem Energiemanagement beschäftigen müssen, um hier eine höhere und planbarere Produktivität pro MW zu erreichen.

Was für Ansätze verfolgen Sie hierbei?

Wie eingangs bereits gesagt, geht es um die intelligente und effiziente Vernetzung und Verzahnung unterschiedlicher Erzeugungstechnologien. Das hat viel mit Daten und Software zu tun. Denn um Technologien intelligent zu vernetzen, müssen sie miteinander kommunizieren können. Wir bei GE fassen diese Entwicklungsherausforderung unter dem Schlagwort „Industrial Internet“ zusammen. Im Kern geht es darum, die immensen Datenmengen, die technische Anlagen wie etwa Turbinen generieren, zu verarbeiten, zu verwerten und daraus Schlüsse zu ziehen.

Wie lässt sich damit die Leistung von Windparks optimieren?

Es gibt unterschiedliche Windprofile in einem Windpark. Wir messen daher Temperaturen und Winddichten und versuchen mit intelligenten Turbinen und Vernetzungen im Windpark zu optimieren. Genauso kann man Windparks unterschiedlicher Regionen miteinander koppeln und den gesamten Energieausstoß optimieren. Das gelingt durch eine intelligente Steuerung. Es geht darum, immer im optimalen Energiebereich zu fahren und die Informationen im Windpark zu verteilen. Das ist eine sehr komplexe Technologie, die aber wahnsinnig viel fürs Netz bringt.

Gerade die süddeutschen Bundesländer wollen neue Gebiete für Windkraft ausweisen und energieautark werden, andere Bundesländer wollen Windstrom abgeben. Wie soll das auf Bundesebene funktionieren?

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wir müssen uns auf die Grundpfeiler der Energiewende zurückbesinnen: CO 2-Reduzierung, dezentrale Energieversorgung und das Ganze in einem liberalen Umfeld. Aus diesem Blickwinkel erscheint es wenig erstrebenswert, dass einige Bundesländer dreimal mehr Strom erzeugen als sie verbrauchen. Die volkswirtschaftliche Logik rät uns, den Strom dort zu erzeugen, wo er gebraucht wird. Das ist im Grunde auch von jeher gesellschaftlicher Konsens. Wir sind aber durch den Atomausstieg einem Zeitdruck ausgesetzt, der uns gerade in Süddeutschland vor Herausforderungen stellt. Die müssen wir angehen.

Wie stark schmerzen Sie die Umsatz- und Ertragsausfälle, die Sie bei den großen Gasturbinen haben?

GE hat das ausgereifteste Produktportfolio für die Energiewende, und wir machen gute Geschäfte. Richtig ist, dass im Augenblick sehr wenige Gaskraftwerke gebaut werden, weil sie sich nicht rechnen. Das ist kein Problem für GE, aber eines für die Energiewende. Eine Renaissance der Kohle, wie wir sie derzeit sehen, ist mit den Zielen der Energiewende nicht vereinbar.

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