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Erneuerbare Energien

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„Die Energiewende hat ein Image-Problem“

Text: Prof. Dr. Claudia Kemfert, DIW
Macht die Politik eine Rolle rückwärts bei der Energiewende? Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) blickt positiv in die Zukunft.

Energy 2.0: Frau Prof. Kemfert, wie geht es dem Patienten Energiewende?

Prof. Dr. Claudia Kemfert: Im Grunde geht es dem Patienten gut, ihm wird allerdings eingeredet, dass es ihm schlecht geht. Die Energiewende hat vor allem ein Image-Problem. Sie wird von interessierter Seite permanent schlechtgeredet. Dabei wäre es wichtig, die Vorteile und Chancen in den Vordergrund zu rücken. Der Anteil der Erneuerbaren liegt bei 25 Prozent, es wurden erhebliche Investitionen getätigt, die wiederum Arbeitsplätze schaffen. Zudem wurden technologische Fortschritte erzielt.

Endlich wird auch der Aspekt der Kapazitätsmärkte bewertet, Sie äußern sich jedoch kritisch darüber.

Wir fragen uns, ob das notwendig ist. Der Wunsch nach Kapazitätsmärkten kommt daher, dass im Moment aufgrund von Überkapazitäten die Strom-Börsenpreise sehr niedrig sind, so niedrig, dass die Wirtschaftlichkeit vieler Kraftwerke vermindert wird. Die größte Sorge ist, dass zukünftig die Preissignale nicht ausreichen könnten, um rechtzeitig ausreichend Ersatzkapazitäten zu schaffen, um wegfallende Atomkraftwerke und alte Kohlekraftwerke zu ersetzen.

Wie bewerten Sie das Modell?

Das DIW hat festgestellt, dass der niedrige Börsenpreis ein temporäres Problem ist. Da die Überkapazitäten in Zukunft abnehmen werden, ist mit mehr Preisschwankungen an der Börse zu rechnen. Besonders temporär auftretende Preisspitzen können dann ausreichend wirtschaftliche Anreize für den Einsatz von Gas- oder Pumpspeicherkraftwerken liefern. Diese Preisschwankungen müssen wir zulassen. Denn der sogenannte Energy-Only-Markt funktioniert durchaus. Mit den Kapazitätsmärkten würde man diese Preisschwankungen eher glätten.

Wo sollte man anfangen?

Um kurzfristig die Überkapazitäten zu vermindern sollten viele alte Kohlekraftwerke, die jetzt schon zur Stilllegung angemeldet sind, in Regionen mit hohen Überschüssen wie im Norden, Osten und Westen, vom Netz genommen werden. Im Süden dagegen brauchen wir Kapazitäten. Mit der Abnahme der Überkapazitäten könnte sich auch der Börsenpreis wieder erholen.

Was ist der zweite Schritt?

Wir benötigen dringend höhere CO2-Preise. Der Emissionshandel funktioniert nicht, da es zu viele Zertifikate im System gibt. Diese sollte man dauerhaft aus dem Markt entfernen. Wenn man sich in Europa darauf nicht einigen kann, müsste man über nationale Maßnahmen wie eine Steuer oder über CO2-Grenz­werte nachdenken. Wichtig sind ausreichende finanzielle Anreize für den Einsatz von Gaskraftwerken und Pumpspeicherkraftwerken, die wir dringend zur Kombination mit Erneuerbaren brauchen.

Wie lassen sich die erneuerbaren Energien sachgerecht in den Markt führen?

Die Erneuerbaren sollen mehr Systemverantwortung etwa über ein effektives Lastmanagement übernehmen. Direktvermarktung kann re­le­vant sein, sie wird schon heute teilweise praktiziert. Eine flächendeckende verpflichtende Direktvermarktung kann hingegen viele kleinere Betreiber in Schwierigkeiten bringen. Möglich wäre eine begrenzte Direktvermarktung, gegebenenfalls mit einer Marktprämie gekoppelt.

Kann es helfen, Energiesparen als Ressource zu begreifen?

Ja, Energieeffizienzpotenziale werden viel zu stark vernachlässigt und politisch so gut wie gar nicht begleitet. Dabei ließen sich durch die Verbesserung der Energieeffizienz erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile erzielen.

Das Gespräch führte Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0.
Video: http://goo.gl/8kxcr4

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