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Small is beautiful: Unterschiedliche Beweggründe rücken kleine, dezentrale Energielösungen in den Fokus.
Energieverteilung & -speicherung

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KWK und Contracting: Bausteine für die Energiewende

Text: Hubertus von Monschaw, Hannover Messe Fotos: ewg3D/iStockphoto, Deutsche Messe
Ein Trend zu kleineren Energieanlagen ist feststellbar: Dezentrale Lösungen zur Energieversorgung gewinnen in Kommunen und der Industrie an Bedeutung. KWK und Contracting bringen die Energiewende Schritt für Schritt voran.

Bei der Diskussion um die Rolle der dezentralen Energieversorgung für die Energiewende gibt es unterschiedliche Schwerpunktsetzungen: Zum einen besteht der verstärkte Trend zu einer „Energieautonomie“ von Regionen oder Kommunen, die sich in der Regel durch eine Mischung aus erneuerbaren Energieformen in Kombination mit hocheffizienten Umwandlungstechnologien wie der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) von den bisherigen Versorgungsstrukturen für Strom und Fernwärme unabhängig machen wollen. Gleichzeitig ist eine deutliche Entwicklung hin zur dezentralen Energieversorgung in der Industrie feststellbar. Die steigende Bedeutung dezentraler Energieversorgungslösungen mit KWK und von Effizienzdienstleistungen (Contracting) drückt den zunehmenden Kostendruck beim Produktionsfaktor Energie aus. Die öffentliche Diskussion um den Erhalt von Produktionskapazitäten in den „klassischen“ energieintensiven Bereichen wie der Aluminium- und Stahlbranche am Standort Deutschland hat dabei aber den Blick darauf verstellt, dass auch in anderen Industriesegmenten die Energiekosten zu einem kritischen Wettbewerbsfaktor geworden sind. Das betrifft etwa die Lebensmittel- oder die Glasindustrie und Automobilzulieferer wie die Hersteller von Reifen oder Kunststoffen.

Effizienz-Potenziale in der Lebensmittelindustrie

Ein Beispiel zeigt dies deutlich: Der durchschnittliche Konsument eines Joghurts hat vermutlich keine Vorstellung davon, welcher Energieeinsatz notwendig ist, um den Markt mit einem vollwertigen und frischen Produkt zu beliefern. Jenseits der allgemeinen Wahrnehmung sind die Prozesse der milchverarbeitenden Industrie sehr energieintensiv. Da geht es unter anderem um eine Wärmeanwendung für Kurzzeiterhitzer zum Pasteurisieren, zur Flaschenreinigung, zur Vorwärmung von Trocknerluft in Sprühtürmen oder auch um den Kältebedarf für Eiswasser und Kühlsole sowie zur Lagerkühlung und Raumklimatisierung.

Hier helfen moderne Anlagen zur gekoppelten Erzeugung von Strom, Wärme und auch Kälte, enorme Kosteneinsparungen zu realisieren.

Die ausgeprägte Kältegrundlast von Molkereien begünstigt den Einsatz von Absorptionskälteanlagen. Sie verwenden die Abwärme der KWK-Anlage für die Kälteerzeugung. Je höher der elektrische Wirkungsgrad der KWK-Anlage ist, umso wirtschaftlicher und sparsamer im Primärenergieverbrauch arbeiten Absorptionskälteanlagen.

Der durchschnittliche Anteil der Energiekosten an der Bruttowertschöpfung eines Molkereibetriebes im industriellen Maßstab beträgt etwa fünf bis acht Prozent. In der Fleischverarbeitung liegt dieser Wert sogar zwischen acht und 15 Prozent. Investitionen in den Einsatz von hocheffizienten KWK-Anlagen weisen auch deshalb Amortisationszeiten von in der Regel zwei bis fünf Jahren auf, weil staatliche Förderung ihre ohnehin starken Effizienzvorteile noch einmal verbessert: So wird der Einsatz von KWK-Anlagen gefördert durch eine Erstattung der Energiesteuern auf den Brennstoff, mit einem Bonus pro erzeugter Kilowattstunde KWK-Strom und durch die Vermeidung der EEG-Umlage für in Strom, der in KWK erzeugt und direkt verbraucht wird.

Verdopplung des KWK-Anteils möglich

Berthold Müller-Urlaub, Präsident des B.KWK Bundesverbandes Kraft-Wärme-Kopplung, sieht das Potenzial der KWK angesichts solcher Beispiele gerade mit Blick auf die Energiewende bei weitem noch nicht als ausgeschöpft an: „Intelligent vernetzte KWK-Anlagen sind eine ideale Ergänzung zur schwankenden Wind- und Sonnenenergie, die sie schnell und sicher ausgleichen können. Es ist daher durchaus möglich, den Anteil der KWK an der Stromversorgung von derzeit knapp 15 Prozent bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Um den Weg dahin zu öffnen, bedürfe es aber der richtigen politischen Weichenstellungen. „Ein Baustein für die nötige Marktakzeptanz gerade auch kleinerer KWK-Anlagen,“ so Müller-Urlaub, „ist die Fortführung der Steuererstattung für Anlagen unter 2 MW elektrischer Leistung, für die wir uns stark eingesetzt haben.“ Die Steuererstattung war seit 1. April 2012 ausgesetzt, da die Beihilfegenehmigung der EU ausstand, wird nun jedoch auf Betreiben insbesondere des B.KWK wieder gewährt werden.

Die beiden Branchenverbände B.KWK und Esco Forum im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) nutzen als Förderer des Gemeinschaftsstands „Dezentrale Energieversorgung“ auf der Hannover Messe 2013 diese Plattform zur Diskussion von energiepolitischen Weichenstellungen und Entwicklungen der dezentrale Energieversorgung. Aufgrund des Trends zu dezentralen Energieversorgungslösungen mit KWK und Effizienzdienstleistungen (Contracting) rechnet die Deutsche Messe gegenüber 2012 mit einem Zuwachs von 30 Prozent bei Ausstellern und Standfläche sowie der Erweiterung um Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK).

Energiemanagementsystem und Contracting

Dr. Jobst Klien, einer der Vorstandsvorsitzenden in der Doppelspitze des Esco Forums, verbindet mit der Verpflichtung zur Einführung eines Energiemanagementsystems die Erwartung, dass damit hinsichtlich der Energie- und Kostenströme in energieintensiven Produktionsprozessen verstärkt Transparenz entsteht. „Das produzierende Gewerbe kann seit 1.Januar 2013 den sogenannten Spitzenausgleich bei der Energie- und Stromsteuer nur noch beantragen, wenn es ein Energiemanagementsystem etwa nach DIN EN ISO 50001 implementiert hat. Damit ist einerseits der notwendige Nachweis einer messbaren Effizienzsteigerung zu erbringen, andererseits bieten die Ergebnisse des Energiemanagementsystems die Basis für eine kontinuierliche und systematische Hebung von Energieeinsparpotenzialen.“ Klien sieht die Contractoren in einer Vorreiterrolle bei der Einführung eines Energiemanagementsystems: „Die Mitgliedsunternehmen des Esco Forum haben sich selbst auf strenge Qualitätsleitlinien und entsprechende Zertifizierungen ihrer Energiemanagementsysteme verpflichtet.“

Marcus Bort, weiterer Vorstandsvorsitzender in der Esco-Forum-Doppelspitze, fordert die Politik auf, bei der aktuell anstehenden Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie in nationales Recht zügig die von der Richtlinie vorgegebene Stärkung des Marktes für Energiedienstleistungen umzusetzen. „Die effizienten Technologien wie Blockheizkraftwerke (BHKW), KWK und Gasturbinen oder moderne Kälte- und Drucklufterzeugungsanlagen sind am Markt verfügbar, auch in kleineren Leistungsklassen“, erläutert Bort, „aber ihr Einsatz in Contracting-Projekten scheitert oft an den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. So benachteiligt der § 37 EEG zurzeit die Contracting-Lösung gegenüber der Eigenlösung, das heißt durch den Endverbraucher selbst. Die Folge ist, dass viele sinnvolle Effizienzinvestitionen in Eigenregie nicht umgesetzt werden, weil Know-how, Ressourcen oder Finanzmittel fehlen.“ Bort betont, dass Energiedienstleister keine Bevorzugung erwarten, aber Chancengleichheit im Wettbewerb.

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