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Ole Møller-Jensen, Geschäftsführer von Danfoss Deutschland Bild: Danfoss
Interview mit Ole Møller-Jensen, Danfoss Deutschland

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„Wasser ist der beste Energiespeicher“

Text: Christian Vilsbeck, Energy 2.0
Danfoss ist bekannt für Thermostate und Ventile. Doch das Unternehmen engagiert sich stark für Energiesparen und bietet mehr als nur ein paar Komponenten, wie Ole Møller-Jensen, Geschäftsführer von Danfoss Deutschland, im Gespräch mit Energy 2.0 hervorhebt.
Energy 2.0:

Warum sieht sich Danfoss nicht nur als Komponentenhersteller?

Møller-Jensen:

Ja wir verkaufen Komponenten, aber wir sehen beim Kunden primär die Applikation für unsere Komponenten, integriert in ein Gesamtsystem mit Fokus auf Energieeffizienz. Wir sprechen heute nicht mehr nur über Komponenten, sondern von der Planung einer Fertigungsanlage oder der Klimatisierung von Hochhäusern. Das alles betrachten wir aus dem Blickwinkel unserer Produktbereiche Industrieautomatik, Drives, Kältetechnik und Klimaanlagen, Wärme und Fernwärme, Kompressoren und Power Solutions. Und genau darum geht es, das gesamte Gebäude oder die Fertigungsanlage effizienter zu machen. Ich würde behaupten, von der Komponentenseite her gibt es kein deutsches Unternehmen, das im Kontext von Energieeffizienz so breit aufgestellt ist wie Danfoss.

Danfoss hebt bei seinen Lösungen stets die Verbesserung der Energieeffizienz hervor. Werbeslogan, Geschäftsmodell oder Mission?

Es ist alles andere als ein Werbeslogan. Der sorgsame und möglichst effiziente Umgang mit Energie als Ressource ist bei Danfoss in den Genen verwurzelt und steht bei unseren Aktivitäten immer an oberster Stelle. Energie sparen sollte für alle Pflicht sein, egal ob Privatperson oder Unternehmen. Wenn wir mit Entscheidern und Firmen sprechen, dann ist unsere Argumentation sehr schnell durch das Thema Energieeffizienz geprägt. Natürlich wollen die Unternehmen oder Städteplaner Energie und somit Kosten einsparen. Durch unser Engagement für die Umwelt springt in Diskussionen schnell der Funke bei Kunden über, die Thematik Energieeffizienz auf eine hohe Priorität zu setzen. Wenn Sie unsere Produktpalette anschauen, so geht es immer um Energieeffizienz.

Danfoss ist viel auf Umweltgipfeln wie dem COP21 in Paris vertreten. Treibt das Engagement das eigene Geschäft an?

Firmen werden gefragt, ob sie an den Konferenzen teilnehmen wollen. Wir drängen uns auch nicht auf, weil wir Geschäfte wittern, wir möchten gerne dabei sein, um aktiv mitgestalten zu können, wenn es um Energieeffizienz geht. Ein Beispiel sind die Vereinten Nationen, die bei der 'District Energy in Cities Initiative' über Fernwärme-Projekte in großen Städten nachdenken. Danfoss wurde dabei zu Beratungen eingeladen, was es bei Fernwärme zu bedenken gibt oder welche Möglichkeiten realisierbar sind. Unsere Expertise in diesem Bereich ist gefragt. Die Entscheidungen treffen dann die Politiker, aber wir haben eine Möglichkeit, unsere Erfahrungen und Applikationswissen einzubringen, zum Guten der Gesellschaft, aber selbstverständlich auch für unser Geschäft.

Konnte Danfoss durch seine Mitwirkung auf den Klimagipfeln schon Projekte anstoßen?

Ja. Eines von vielen Beispielen ist die hohe Expertise von Danfoss bei Fernwärme. Nach einer Konferenz fragte uns der Bürgermeister einer europäischen Hauptstadt, ob wir ihn – zusammen mit anderen Unternehmen – zum Thema Fernwärme beraten. Genau darum geht es uns, wir wollen aktiv mitwirken, um Energie effizienter zu nutzen. Und weil wir uns ständig Gedanken über Energieeffizienz, Klima, Versorgung von Lebensmitteln und die Urbanisierung machen, prägt das auch unsere Argumentation.

Danfoss verkauft Komponenten. Wie spielen Pumpen, Thermostate oder Klimakompressoren bei Urbanisierungsprojekten zusammen?

Nehmen wir als Beispiel Lebensmittel auf ihrem Weg von den Feldern hin zum Supermarkt. Unsere Hydraulikkomponenten werden in Maschinen für die Ernte eingesetzt und beim direkt folgenden Transport, der Lagerung im Kältehaus, der Drehzahlregelung an Anlagen aller Art nahrungsmittelverarbeitender Betriebe. Dazu kommen Kühllösungen von Danfoss, die in Kühltheken im Supermarkt bis hin zu Kälteanlagen in Großlagern für das Aufrechterhalten der Kühlkette sorgen. In Supermärkten gewährleisten beispielsweise unsere Verbundregler AK-PC 781 eine effiziente Wärmerückgewinnung. Die VLT-Refrigeration-Drive-Frequenzumrichter regeln die Verdichter und Lüfter bedarfsgerecht auf den Punkt und senken neben dem Energieverbrauch auch die CO2-Emissionen. Wir arbeiten intensiv daran, alle Komponenten untereinander kommunizieren zu lassen, um Ressourcen noch effizienter zu nutzen.

Ist die Kühlung von Lebensmittel heute noch ein Problem?

In unseren Breitengraden lassen sich Kühlketten gut durchgehend aufrechterhalten – aber oft noch viel effizienter gestalten. Aber schauen Sie beispielsweise nach Indien, wo 40 Prozent der Ernte niemals auf den Tisch kommen, weil die Nahrung durch mangelhafte oder fehlende Kühlung schon vorher verrottet. Hier kann Danfoss mit seinen Komponenten und Lösungen für eine unterbrechungsfreie Kühlkette diesen Verlust von Lebensmitteln reduzieren helfen.

Verschwenden Supermärkte durch die Kühlanlagen nicht sehr viel Energie?

Ja, das tun sie! Wenn man aber Technik klug kombiniert, lassen sich Supermärkte von Energieverbrauchern sogar zu Energieerzeugern wandeln. Dies funktioniert durch die intelligente Verknüpfung verfügbarer Technik: Die Abwärme der Kühlgeräte wird über Wärmetauscher für Fernwärme beziehungsweise Warmwasserbereitung genutzt oder gespeichert. Dazu kommen Aspekte, wie die Speicherung von Energie im Gefriergut: Dazu wird die Temperatur der Tiefkühlbänke bei Stromüberschuss auf einige Grad unter –18 Grad abgesenkt, um eine Kältereserve für die verbrauchsstarke Zeit von 7 bis 9 Uhr zu schaffen. Dies ermöglicht ein zeitweises Abschalten der mittels Frequenzumrichter drehzahlgeregelten Kompressoren – damit funktioniert das System sozusagen als Kältebatterie, als Puffer für das Stromnetz. Das Einsparpotenzial ist hoch, wenn man bedenkt, dass allein die Supermarktkette Edeka rund 11 400 Märkte nur in Deutschland betreibt. Eine ähnliche gelagerte Konversion haben wir bereits bei Kläranlagen – eigentlich klassische Energie-Großverbraucher – unterstützt. Diese produzieren durch die Verknüpfung aller technischen Möglichkeiten heute mehr Energie, als sie verbrauchen.

Arbeitet Danfoss auch an Technik, mit denen normale Gebäude weiter Energie sparen können?

Einige Länder wie Deutschland haben einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien, so dass an manchen Tagen der Strompreis negativ wird. Danfoss arbeitet an Technologien, um diese Energie besser in die Energiesysteme zu integrieren. Ein sehr erfolgversprechender Weg ist die thermische Speicherung direkt im Gebäude. Für uns ist Wasser der vielleicht beste Energiespeicher überhaupt. Überschüssiger Strom aus Solar- oder Windkraftanlagen stresst das Stromsystem. Anlagen müssten teuer abgeregelt oder das Netz ausgebaut werden. Effizienter ist es, diese Energie für die Erwärmung von Gebäuden und Warmwasser und somit insgesamt für weniger Stromverbrauch. Auch wird das Stromnetz dadurch flexibler. Wegen der Wasserspeicher-Technik wurde Danfoss kürzlich auch von Bürgermeister Michael Bloomberg nach New York eingeladen, um über Möglichkeiten des Energiesparens in der Stadt zu beraten.

Was steckt eigentlich hinter dem Danfoss-Claim „Engineering Tomorrow“?

Sehr viel! Danfoss entwickelt Technologien, um in Zukunft mehr mit weniger Ressourcen zu erreichen. Im geschäftlichen Fokus sind deshalb die Säulen Infrastruktur, Nahrungsmittel, Klima und Energie. Wir wollen die Energieeffizienz erhöhen, beispielsweise durch Frequenzumrichter, ein ressourcenschonendes, gutes Klima in Gebäuden ermöglichen, die Kühlkette bei verderblichen Nahrungsmitteln verbessern helfen und für eine saubere Energieversorgung eintreten. Danfoss will die Zukunft aktiv mitgestalten, darum ist Engineering Tomorrow für uns mehr als nur ein Slogan. Es ist was wir sind, tun und denken.

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