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Im Interview: Karl Ochsner Jr. ist Geschäftsführer in dritter Generation bei Ochsner Wärmepumpen. Bild: Ochsner Wärmepumpen
Heizung, Wärme/Kälte, Klima/Lüftung

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„Wir werden immer leiser“

Text: Karl Ochsner Jr., Ochsner Wärmepumpen
Als internationale Erfolgsstory könnte man die Geschichte der Wärmepumpe bezeichnen. Länder wie die Schweiz und Österreich haben ihr Potenzial schon früh erkannt. Wir sprachen mit Karl Ochsner Jr., Geschäftsführer des österreichischen Marktführers Ochsner Wärmepumpen über die Branche und Trends.
Energy 2.0:

Herr Ochsner, Ihr Unternehmen gilt heute als Marktführer in Österreich

Karl Ochsner jr.:

In Österreich sind wir sicher Marktführer, ich würde uns aber auch europäisch als Technologieführer bezeichnen. Im High-End-Markt, einem unserer Kernmärkte, adressieren wir die oberen 30 Prozent des Verbrauchermarktes, also Kunden, die auf Qualität, Effizienz und Langlebigkeit Wert legen. Parallel bedienen wir aber auch die Industrie und Gewerbe immer stärker.

Worüber definieren Sie Technologieführerschaft?

Im Wesentlichen ist es die Effizienz, die hat mit hohen Leistungszahlen zu tun. Dabei spielen zwei Komponenten eine wesentliche Rolle: Zum einen die Wärmepumpe, die einen möglichst hohen COP (Coefficient of Performance) haben muss, und die Anlage selbst. Wenn die beste Wärmepumpe falsch ausgelegt und falsch eingebaut wird, tut sie nicht das, was sie soll, nämlich Energie sparen und kostengünstig heizen.

Und das zweite Thema?Das ist die Langlebigkeit. Es bringt nichts, eine Maschine zu kaufen, die man alle sieben bis zehn Jahre erneuern muss.

Eine qualitativ hochwertige Wärmepumpe sollte auf jeden Fall 15 Jahre und mehr halten. Aber auch die Betriebssicherheit ist ein ganz wesentlicher Punkt.

Was sind derzeit die Trends bei Wärmepumpen?

Die Lautstärke bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist ein Riesenthema. Wir entwickeln stark in diese Richtung und sind jetzt schon die Leisesten und werden immer leiser. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen, die auch den am stärksten wachsenden Markt im privaten Bereich bilden, wird der Unterschied bei der Effizienz aber eben auch bei der Lautstärke gemacht werden.

Wie lässt sich die Lautstärke von Wärmepumpen denn beeinflussen?

Je nach Kilowattanzahl, Leistungsanforderung und Außentemperaturen dreht sich der Lüfter unterschiedlich schnell. Wir können dahinter einen relativ komplexen Algorithmus legen, damit die Maschine je nach Anforderung eine gewisse Drehzahl erreicht. Wir können die Laufzeit des Kompressors und der Maschine erhöhen, aber die Geschwindigkeit des Lüfters reduzieren. Außerdem legen wir bei unseren Verdampfern Wert auf große Flächen. In Arnstadt, wo wir sie bauen, wird in Schalllabors geschaut, dass die Verdampfer von den Schallwerten her ideal sind.

Sind Wärmepumpen heute nur ein Thema für den Neubau? Beim Nachrüsten tun sich die Bauherren anscheinend immer noch ein bisschen schwer, völlig umzusteigen.

50 Prozent unseres Geschäftes ist bereits Sanierung. Bei der Sanierung ist die Wärmequelle Luft besonders attraktiv. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind ja heute schon genauso effizient wie vor kurzem noch die Sole-Wasser-Wärmepumpen. Alle diese Maschinen können auch kühlen. Und der Kühlbedarf wird zunehmen.

Wie ist der Stand bei Wärmepumpen in Europa?

In der Sanierung werden immer mehr Wärmepumpen eingesetzt, im Neubau sind sie in vielen europäischen Ländern schon fast Standard. In Deutschland ist der Anteil noch relativ gering, da reden wir von 25 Prozent, in Österreich reden wir von 50 Prozent im Neubau und in Bundesländern wie Vorarlberg oder in der Schweiz liegen sie bei 80 Prozent.

Ist das ein Problem der Einkommen? Die Schweiz ist ja ein relativ reiches Land.

Nein, die Frage ist, wie reif der Markt ist und wie früh hat man mit Wärmepumpen begonnen hat. In Österreich oder Skandinavien ist die Wärmepumpe schon sehr lange bekannt und geht ihren Weg, dadurch ist sie im Neubau gesetzt. Das wird sich sicherlich in Deutschland genauso entwickeln, weil die Energiekosten grundsätzlich überall steigen werden.

Wobei die Stromkosten bereits heute sehr stark im Vordergrund stehen.

Keine Frage, durch die Energiewende wird der Strompreis in Deutschland stark diskutiert. Aber die Wärmepumpe holt sich zwischen 75 und 80 Prozent der Energie aus der Umwelt und die Preiserhöhung des Stroms bei der Wärmepumpe betrifft ja immer nur die 20 bis 25 Prozent Antriebsenergie. Wir haben vor hohen Strompreisen keine Angst, weil uns das bei einem Endprodukt wie Ochsner entgegenkommt. Wenn der Strom etwas teurer ist, dann kommt eben eine Leistungszahl, mit der wir heute arbeiten, dem Verbraucher viel mehr zu gute.

Wird denn die Leistungszahl, die wirtschaftlich auch erreichbar sein muss, noch substanziell über die 4 steigen können?

Ja. Wir investieren fünf Prozent unseres jährlichen Umsatzes in die Forschung und es gibt viele Innovationen, die wir in den nächsten drei bis vier Jahren bringen werden und die den Markt wesentlich beeinflussen werden. Das hat mit Effizienz, Temperaturen, Schall, Bedienerkomfort, Steuerung, permanenter Optimierung der Anlagen und mit Fernwartung zu tun.

Bezogen auf die Leistung: Welche Maßnahmen stehen noch zur Diskussion?

Es wird in vielen Bereichen geforscht. Einmal bei der Kompressorentechnologie, weil auch da die Verdichter bei höheren Temperaturen immer effizienter werden. Auch bei der Drehzahlregelung, die in vielen Bereich noch in den Kinderschuhen steckt, und bei den Kältemitteln ist man noch nicht am Ziel. Auch bei der Auslegung des Kältekreises und des Verdampfers. Da sehen wir den Trend zu größeren Flächen und größeren Lüftern. Auch bei der intelligenten Steuerung ist noch lange nicht Schluss. Und schließlich ist das Thema Schall ein Fokus, den wir ganz klar weiter haben werden.

Wenn in fünf Jahren all diese Innovationen in Ihren Produkten sind, wo wird in Summe die Leistungszahl liegen?

Es kommt auf die Wärmequelle an, aber ich bin sicher, dass wir bei Luft-Wasser-Wärmepumpen in Richtung 5 gehen. Bei Sole und bei Wasser-Wasser wird irgendwo auch die 6 davor stehen. Aber es ist entscheidend, dass die Anlage auch richtig eingebaut, ausgelegt und betrieben wird, sonst kann sie diese Zahl nicht erreichen.

Erhält die Anwendung der Wärmepumpe in der Industrie eine ähnliche Dynamik wie schon im Gewerbe oder im Wohnungsbau?

Wir sind überzeugt, dass die Wärmepumpe im Industrieumfeld eines Tages den gleichen Entwicklungsstand erreichen wird wie im privaten Umfeld. Heute sind Wohnungen und Gewerbeimmobilien mit Nebenkosten in bestimmten Größenordnungen nicht mehr vermietbar. Deswegen merken wir hier einen klaren Umdenkprozess.

Was ist denn im Industrieumfeld jetzt schon möglich?

Überall dort, wo in der Industrie die Prozesswärme zu gering ist, um sie wieder für den Prozess einzusetzen, können wir sie mit einer Leistungszahl von 4 auf knapp 100 °C anheben. Das ist enorm interessant und effizient gegenüber Gas und Öl. In großen Gebäuden, wo gleichzeitig geheizt und gekühlt wird, können wir aus 1 kWh Strom 4 bis 5 kWh Heizenergie aber auch 2 bis 3 kWh Kühlenergie erzeugen. So sind in der Industrie und großen Gebäuden Amortisationszeiten von unter fünf Jahren realistisch.

Haben Sie mit großen Projekten schon Erfahrungen gesammelt?

Wir haben die 48.000 qm² große Vattenfall-Zentrale in Hamburg ausgestattet. Dort wird zugleich geheizt und gekühlt und unsere beiden Industriewärmepumpen sparen jährlich knapp 140.000 Euro Energiekosten. Das Projekt hat sich also in drei Jahren amortisiert. Der Ikea-Markt in Berlin, der größte in Europa und der zweitgrößte der Welt, heizt seinen ganzen Markt mit Ochsner aus der Wärmequelle Abwasser. Das zweite Thema ist dezentrale Fernwärme, da haben wir ein Referenzprojekt in Straubing, wo mehrere Wohnungen aus einer Großwärmepumpe versorgt werden.

Wo kommen dabei die Wärmepumpen zum Tragen?

Fernwärmenetze kommen heute an ihre Kapazitätsgrenzen. Es wäre viel teurer, die Kapazität des Netzes auszubauen, als den Rücklauf anzuheben. Wenn man mit 100 °C in die Häuser geht und mit 50 °C zurückkommt, kann man diesen Rücklauf mit einer Industriewärmepumpe wieder auf 98 °C anheben und in das nächste Haus schicken. In der Industrie haben wir unfassbares Potenzial in der Abwärme, die einfach nicht genutzt wird. Wenn wir hier in fünf Jahren sitzen, werde ich Ihnen eine Temperatur nennen, die deutlich über 100 °C ist.

Ist Deutschland ein Entwicklungsland in Sachen Wärmepumpen?

Im privaten Bereich sicher nicht mehr, dort hat die Wärmepumpe absolut Einzug gehalten. Im Industriewärmepumpenbereich ist das so, aber da sind die meisten Länder noch Entwicklungsländer, auch Österreich.

Welche Amortisationszeiten können Sie da bieten?

Drei bis sieben Jahre, wobei alles über fünf Jahre nicht interessant ist. Aber welche andere Technologie amortisiert sich schon? Wenn ein Öl- oder Gasbrenner defekt ist, muss man ihn austauschen, der amortisiert sich nie.

Rechnen Unternehmen vielleicht in Megawatt und sagen, da gibt es sowieso keine Wärmepumpen oder ist das Bewusstsein für vorhandene Abwärmequellen zu wenig verbreitet?

Das Bewusstsein dafür, dass man Temperaturen von 50 oder 60 °C mit einem sehr hohen Wirkungsgrad auf 98 °C heben kann, ist nicht da. Wir bauen Maschinen bis zu 1 MW. Diese Anlagen kann man heute kaskadieren und fast beliebig viele Anlagen in Serie schalten. Der Wettbewerb spricht bei Großwärmepumpen von 100 kW, aber wir sprechen von über 1000 kW.

Wie kann ein mittelständisches Unternehmen wie Ochsner den Sprung von ursprünglich 2 auf 1000 kW überhaupt leisten? Ist das noch dieselbe Technik?

Das ist eine spannende Frage. Natürlich beruht alles auf demselben Prozess, aber die Technik ist grundverschieden. Allein die eingesetzten Kompressoren, die Ventile, die Regelungstechnik und die Wärmetauscher unterscheiden sich massiv. Wir mussten das Ganze ja nicht in zwei Jahren entwickeln, sondern haben über 35 Jahre Zeit gehabt. Dafür investieren wir aber viel von unserem Umsatz, aber wir arbeiten auch mit staatlichen Förderungsfonds zusammen und sind auch mit Universitäten Gespräch und geben Projekte ab.

Ochsner hat nun auch ein Joint Venture mit Stiebel Eltron angekündigt.

Wenn man heute als mittelständisches Familienunternehmen eigenständig bleiben will, muss man sich rechtzeitig Allianzen suchen, um gegen vielfach größere Mitbewerber bestehen zu können. Es freut mich, dass wir den Deutschen Marktführer Stiebel Eltron gewinnen konnten. Wir planen ein Joint Venture bei Großwärmepumpen und wollen diese Technik gemeinsam in einer Vertriebsfirma vermarkten, die noch zu gründen ist. Wir haben auch eine projektbezogene Kooperation für Forschung und Entwicklung, auf die beide zugreifen können. Kunden und Partner beider Unternehmen werden so noch mehr Innovationskraft auf beiden Seiten verspüren.

Ihre Wärmepumpen haben bereits das SG-Ready-Label. Wie stehen wir beim Thema Smart Grids?

Wir waren die ersten, die komplett für Warmwasser- und Heizungswärmepumpen Smart-Grid-fähig waren. Unsere Pumpen erkennen, wann der günstige Strom vom Dach kommt und speichern die Energie in Form von warmem Wasser im Pufferspeicher oder im Estrich. Das ist vor allem in Deutschland interessant, weil die Netze unter der Belastung der Erneuerbaren an ihre Grenzen stoßen. Wir müssen regionale Puffer schaffen, um Spitzen zu glätten.

Werden denn die Smart-Grid-fähigen Pumpen schon angesteuert?

Wir haben genug Projekte, bei denen das schon so läuft. Eigenstrom entsteht ja jetzt erst, aber die EVU-Abschaltzeiten gibt es in Österreich schon, da wird mittags oder in der Früh die Wärmepumpe für zwei Stunden ohne Komfortverlust für den Kunden abgeschaltet. Die EVU werden sicher auch die Wärmepumpentarife nach unten korrigieren sobald sie Nutzen aus der Pufferung ziehen können.

In Deutschland gehen aber kommunale Werke oder die Energieversorger nicht zum Verbraucher und bieten einen speziellen Tarif, wenn er sich eine Wärmepumpe anschafft.

In vielen Ländern ist das schon so und es wird auch in Deutschland aus meiner Sicht kein Weg daran vorbei gehen, weil sich etwa das Elektroauto, das eine puffernde Wirkung haben sollte, noch hinter den Erwartungen entwickelt.

Die Idee ist gut, die Frage ist, ob das überhaupt schon funktioniert.

Solange es nicht genug Elektroautos gibt, bringt das nichts und auch die Batteriespeicher sind ja noch viel zu teuer, als dass der Verbraucher sie einsetzen würde.

Das Gespräch führte Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0.

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