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Bis Ende 2015 werden im Rahmen des CEGC-Projektes 115 Schnellladestationen mit Multi-Standard-Technologie errichtet. Bild: GreenWay
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Elektromobil durch Europa

Text: Emma Costa, Johann Schwenk, Bayern Innovativ
Das Projekt Central European Green Corridors zeigt, dass Europa e-mobil zusammenwächst. Ein europäisches Ladenetz für Elektroautos ist keine Vision mehr sondern Realität. Eine erfolgreiche und nachhaltige Einführung der Elektromobilität braucht ein interdisziplinäres Förderkonzept und regenerativen Strom.

Wirft man einen Blick auf die ambitionierten klimapolitischen Ziele Europas wird schnell deutlich, dass die oftmals zitierte Energiewende Hand in Hand mit einer Mobilitätswende gehen muss, um erfolgreich sein zu können. Zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 80 Prozent zwischen dem Jahr 1990 bis zum Jahr 2050 ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise erforderlich, die sämtliche Potenziale mit einschließt. Die Elektromobilität als ganzheitliches, nachhaltiges Konzept kann dazu – als effizienteste und bei Verwendung von Grünstrom ebenfalls umweltfreundlichste motorisierte Art der Fortbewegung – einen wichtigen Beitrag leisten.

Aus dieser Intention und zur zunehmenden Umsetzung nachhaltiger Mobilität errichtet das Central European Green Corridors Konsortium – kurz CEGC – im Rahmen des von der EU mit 3,5 Millionen Euro geförderten TEN-T-Projekts in Österreich, der Slowakei und Slowenien ein länderübergreifendes dichtes Schnellladenetz mit zusätzlichen Ladepunkten in Kroatien und Bayern. Ziel der elf Projektpartner – darunter Erstausrüster wie BMW und Volkswagen, Energieversorger wie ZSE und kleine innovative Unternehmen wie greenWay – ist, allen Nutzern von Elektrofahrzeugen grenzüberschreitendes, nahtloses Laden in Mitteleuropa zu ermöglichen und damit die Nutzung von Elektroautos alltagstauglich und komfortabel zu gestalten. Bis Ende 2015 werden insgesamt 115 Schnellladepunkte in Multi-Standard-Technologie mit AC/Typ 2-, DC/Combo 2- sowie DC/CHAdeMO-Anschlüssen errichtet sein, die fast allen Elektrofahrzeugmodellen schnelles Laden ermöglichen.

Studien liefern neue Erkenntnisse

Neben dem Aufbau der Hardware sollen mehrere im Rahmen von CEGC durchgeführte Studien die Akzeptanz des Elektrofahrens fördern. Untersucht wurden verbraucher- und marktorientierte Ansätze, die Substitutionseffekte und Syner­gien grüner Energien auf das Energiesystem im Verkehr und ein konkreter Umsetzungsplan für die Ladeinfrastruktur in Mitteleuropa.

Unter Federführung der Projektleitstelle Elektromobilität bei der Bayern Innovativ GmbH (Kompetenzfeld Mobilität) und in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzfeld Energie wurden in den Studien unter anderem rechtliche, technische und wettbewerbspolitische Maßnahmen zur Förderung der Akzeptanz der Elektromobilität dargestellt. Im Fokus einer weiteren Studie wurden Wechselwirkungen zwischen der Elektrifizierung des Personenverkehrs und der Stromversorgung aus erneuerbaren Energiequellen untersucht.

Analyse von Konsumenten- und Marktverhalten

Die Ergebnisse im Analyseteil Konsumenten- und Marktverhalten beschäftigen sich zum einen mit der Untersuchung des Consumer Service Gap sowie zum anderen mit der Untersuchung des Policy Impact. Zentral ist dabei das Identifizieren von Präferenzen und Bedarfen der Elektrofahrzeugnutzer (EV-User) in puncto Ladeinfrastruktur sowie von Aktivitäten und Maßnahmen zur Optimierung des Markthochlaufes von Elektrofahrzeugen.

Consumer Service Gap Analyse

Im Zusammenhang der vorliegenden Analyse wurden drei relevante Gegenstände untersucht:

  • Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur

  • Service und Preisstrategien

  • Information und Marketingkanäle.

Die Untersuchung der Gegenstände wurde anhand der Durchsicht angebotener Ladelösungen von europäischen Betreibern sowie durch das Identifizieren fehlender sowie positiver Serviceleistungen durchgeführt. Als Stichprobe und Basis dienten:

  • Ergebnisse der CEGC Umfrage (Stichprobe n = 1.500; EV-Users & EV-Erwäger)

  • Marktüberblick relevanter Daten zu den untersuchten Gegenständen

  • Informationen zu Konsumentenverhalten und Kundenanforderungen

  • Experteninterviews mit Fahrern von Elektrofahrzeugen.

Die im Rahmen des Projektes durchgeführte Gap Analyse führte zur Identifizierung folgender Defizite:

Verfügbarkeit geeigneter Ladestationen: Obwohl das Netz an Ladestationen auf den ersten Blick insbesondere in Deutschland und Österreich annähernd flächendeckend aussieht, erkennt man bei einem genaueren Blick, dass ein Großteil der angebotenen Ladelösungen weder bedarfsgerecht noch geeignet für die meisten Anwendungsfälle ist. So entspricht eine Vielzahl am Markt nicht den gängigen EU-Standards und führt zu nicht kundenfreundlichen Ladesituationen. Ebenfalls nicht vorhandene Informationen in Bezug auf Leistung und in puncto Filterung relevanter Informationen erschweren den Alltag des Fahrers von Elektrofahrzeugen.

Pricing & Hidden Costs: Für die angebotenen öffentlichen Ladeservices herrschen aktuell teilweise unüberschaubare und schwer nachvollziehbare Marktpreise und Hidden Costs. Die Recherche ergab, dass identische Leistungen an unterschiedlichen Orten bis zu fünf Mal teurer sind. So verwirren ähnliche Auspreisungen, die im Anwendungsfall zu stark unterschiedlichen Kosten führen können, wie zum Beispiel 0,50 Euro pro Kilowattstunde und 0,50 Euro pro Minute.

Mangel an präzisen Informationen zu:

  • Roaming Services und Pricing (an Charging Points von indirekten Betreibern)

  • Nutzungsbedingungen für Ladestationen von indirekten Betreibern

  • Gebühren und Vertragsbedingungen an Ladestationen von Drittbetreibern.

Ungenügende Precharging-Prozesse: Heutzutage sind ein Großteil der Early Adaptors neuer Technologien gewohnt, moderne Informations- und Kommunikationstools und -kanäle zu verwenden (zum Beispiel Bezahlung via PayPal, Nutzung onlinebasierter Navigationsplattformen). Im Gegensatz dazu verläuft der Precharging-Prozess (etwa die Auswahl geeigneter Betreiber, Vertragsabschluss, Identifikation web-basiert oder RFID, Kommunikation mit Bertreiber und Ladestation) oftmals technologisch nicht adäquat und zudem nicht intuitiv.

Vertrag und Abrechnungsmethoden: Einige Betreiber haben undurchsichtige Vertragsbedingungen und Abrechnungsmethoden. Überweisungsmethoden via Bank Transfer oder Aktivierungszeiten der Ladekarten von mehreren Tagen behindern den Ladeprozess und machen den Ablauf für Kunden wenig attraktiv. Ziel sollte eine Realisierung der meisten Verfahrensschritte in Echtzeit sein.

Policy Impact Analyse

In den letzten Jahren haben sich einige Mitgliedsstaaten – verstärkt durch die Klimapolitik der Europäischen Union – zum Ziel gesetzt, den zukünftigen Marktanteil von Elektrofahrzeugen zu erhöhen. Zur Unterstützung haben dazu die verantwortlichen Regierungen Fördermaßnahmen und regulatorische Rahmenbedingungen gesetzt, die den Markthochlauf schneller realisieren sollen. Die Förderung durch regierende Institutionen kann unterschiedliche Ausprägungen haben, wie Anreize für Endkunden, Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE), Demonstration oder Aufbau von Ladeinfrastruktur und auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen national, regional, oder lokal erfolgen. Das Ziel der Untersuchung im vorliegenden Projekt ist eine Analyse der von der Politik getroffenen Maßnahmen im entsprechenden Verantwortungsgebiet (Deutschland, Kroatien, Österreich, Slowakei und Slowenien).

Ergebnisse und Empfehlungen für politische Maßnahmen zur Förderung des Markthochlaufes von Elektrofahrzeugen:

  • Stärkere Einbindung von Elektrofahrzeugen zur Erfüllung von Nachhaltigkeitsstrategien (CO2-Emissionen)

  • Besser abgestimmte politische Maßnahmen für EU, nationale, regionale und lokale Aktivitäten

  • Ganzheitlicher Ansatz (Einbindung aller relevanten Stakeholder)

  • Innovative Public-Private-Partnerships

  • Umsetzung und Etablierung von Elektromobilität in Städten und Metropolen als wichtiger Treiber

  • Bündelung von Maßnahmen (Technologie und FuE-Förderung zur Marktvorbereitung; Infrastruktur und Konsumentenanreize für den Markthochlauf)

  • Verfügbarkeit fundierter Informationen und Vorzeigeprojekte.

Energiesystemanalyse

In der vorliegenden Studie wurde der Einfluss des Markthochlaufs von Elektrofahrzeugen auf das Energiesystem in allen Projektpartner-Ländern (Deutschland mit Bayern, Kroatien, Österreich, Slowakei, Slowenien) untersucht. Für die Hochlaufszenarien, basierend auf Daten von existierenden Studien, Länderstatistiken und -zielen, Experten- und projektinternen Schätzungen von Erstausrüstern und Service Providern, wurden Annahmen über die technologische Entwicklung von Elektrofahrzeugen, den Grad der Elektrifizierung des Straßentransportwesens, die Entwicklung der CO2-Emissionen pro Antriebsart für 2020 und 2030 gemacht.

Unter den getroffenen Markthochlaufszenarien in den Ländern wird der zusätzliche Bedarf an Energie relativ gering ausfallen. Nichtsdestotrotz ist eine vorausschauende Planung der Netze an hochfrequentierten Standorten sinnvoll, da in Leistungsspitzen eine Überlastung dieser möglich ist.

Im Zusammenhang des CO2-Footprints kann konstatiert werden, dass besonders positive Effekte von der zunehmenden Elektromobilität ausgehen, wenn die benötigte Energie verstärkt aus regenerativen Energien gewonnen wird. Deshalb ist eine Verbindung der Steigerung von regenerativen Energiequellen mit dem Markthochlauf von Elektrofahrzeugen zu empfehlen. Dies kann von Seiten des Staates durch eine entsprechende Subventionierung unterstützt werden.

Fazit und Ausblick

Neben dem Ziel 115 Schnellladepunkte bis Ende 2015 zu errichten, hat das TEN-T-Projekt Central European Green Corridors wichtige Ergebnisse in den Studien zu Markt, Politik und Energiesystem geliefert. Im Rahmen des EU-Projekts wurden die Auswirkungen finanzieller, struktureller und sozialer Anreizsysteme für die breite Einführung der Elektromobilität untersucht. Letztendlich zeigt sich im Vergleich der beteiligten Länder, dass eine erfolgreiche Elektromobilitätsförderung nicht nur auf staatlichen Kaufanreizen aufbauen sollte. Vielmehr erscheint eine breite Palette aufeinander abgestimmter Maßnahmen höchst erfolgversprechend. Hierzu zählen neben dem Aufbau einer entsprechenden Ladeinfrastruktur besonders steuerliche Vergünstigungen, Medienkampagnen, Berufsausbildungen, neue Dienstleistungen und Forschungsförderung. Elektromobilität braucht ein interdisziplinäres Förderkonzept.

Politische Maßnahmen haben besonders hohen Einfluss, wenn Elektromobilität noch stärker mit Nachhaltigkeitsstrategien verbunden wird. Ganzheitliche Ansätze sollten in konzertierten Maßnahmen auf EU-, nationaler, regionaler und lokaler Ebene resultieren. Für das Energiesystem kann konstatiert werden, dass die prognostizierte Zahl von Elektrofahrzeugen grundsätzlich keinen wesentlichen Einfluss auf den zukünftigen Energiebedarf bis 2030 haben wird, dass jedoch im Netz auf Leistungsspitzen geachtet werden muss. Zudem kann Elektromobilität als Teil der Energiewende einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten, vor allem bei Verwendung regenerativer Quellen.

Weitere Informationen: www.cegc-project.eu

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