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Die Strommärkte in Europa wachsen zusammen. Die Europäische Strombörse EPEX SPOT ist durch die geografisch zentrale Lage ihrer Märkte einer der treibenden Akteure. Bild: Nasa/Epex Spot
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Der Strompreis, ein europäisches Produkt

Text: Wolfram Vogel, Epex Spot
In Sachen Stromhandel ist die europäische Integration weit fortgeschritten, doch hört man vergleichsweise erstaunlich wenig von den vereinten Strommärkten – vielleicht auch, weil sie so reibungslos funktionieren. Ein Überblick.

Die „vereinten Strommärkte von Europa“ umfassen seit Februar dieses Jahres 19 Länder und erstrecken sich von Finnland bis Portugal, von Großbritannien bis Slowenien. Das sind an der Zahl genauso viele Staaten wie in der Eurozone. Dafür, dass Strom und Geld beide fundamental für das Funktionieren moderner Gesellschaften sind, hört man erstaunlich wenig von diesen vereinten Strommärkten.

Still war diese kleine Revolution schon immer. Im langen Schatten von Erzeugern, Netzbetreibern und Versorgern arbeiteten Strombörsen seit ihrer Entstehung vor etwa 15 Jahren zusammen mit den Übertragungsnetzbetreibern an einem Binnenmarkt für Strom. Dieser erspart heute Stromhändlern und indirekt auch den europäischen Bürgern hunderte von Millionen Euro an Kosten – pro Jahr, wohlgemerkt.

Dahinter steht ein eher komplexes Produkt namens Marktkopplung. Sie sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Strombörsen in Europa auf hocheffiziente Weise Gebote über die Grenzen austauschen, solange genügend Übertragungskapazität zwischen den Märkten vorhanden ist. Auf diese Weise finden mehr Käufer und Verkäufer zueinander als auf einem isolierten nationalen Markt. Alle Marktteilnehmer profitieren. Es ist ein klassischer Binnenmarkt: Durch die Marktkopplung wird die nationale Stromnachfrage durch das international günstigste Angebot gedeckt. Durch gesenkte Barrieren entstehen spürbare Entlastungen für die Allgemeinheit. Die Europäische Strombörse EPEX SPOT, die heute acht Länder und etwa die Hälfte des europäischen Stromverbrauchs abdeckt (siehe Foto), ist ein Kind dieser Entwicklung: Ihre Gründung erwuchs auch aus den ersten Schritten der Marktkopplung in Zentralwesteuropa. Heute umfasst sie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Österreich, Belgien, Luxemburg und die Schweiz.

Auf all diesen Märkten unterscheiden sich auch heute noch regelmäßig die Großhandelspreise für Strom. Aber die Preisniveaus haben sich angeglichen – ein klares Zeichen für die positiven Effekte der Marktkopplung.

Früher mussten Händler Preisentwicklungen auf zwei Seiten einer Grenze abschätzen, um durch eventuelle Preisdifferenzen gewinnbringend zu arbeiten. Zudem mussten sie die Übertragungskapazität an der Grenze eigens reservieren. Das ist heute vorbei: Sie können sich darauf verlassen, den wirtschaftlich idealen Preis für Ihren Strom zu zahlen oder zu bekommen, indem sie ihre Gebote auf ihrer gekoppelten Strombörse platzieren.

Wichtig auch: Die Marktkopplung funktioniert. Jeden Tag, reibungslos. Denn nicht nur das Ersinnen und Erarbeiten einer solch komplexen Verbindung zwischen Märkten ist eine Herausforderung. Erst im täglichen Betrieb, in der Zusammenarbeit zwischen Börsen und Übertragungsnetzbetreibern zeigt die Marktkopplung Wirkung. Es entsteht ein wahrhaft europäischer Strompreis. Genaugenommen nicht einer, sondern weiterhin viele europäische Strompreise. Diese sind nun aber mit Zutaten aus dem gesamten Kontinent gewürzt: Unterschiedliche Erzeugungen werden im idealen Wechsel eingesetzt, je nach Verfügbarkeit und Transportkapazität. Kompass ist hier stets der Preis: Durch ihn wird bestimmt, in welche Richtung der Strom fließt, nämlich im Allgemeinen von der Niedrigpreiszone in die Hochpreiszone. In Ermangelung einer koordinierten europäischen Energiepolitik ist die Marktkopplung das Beste, was dem europäischen Verbraucher passieren konnte. Die Marktkopplung ist ein Gleichmacher, fragt nicht nach Herkunft des Stroms und ob er subventioniert wurde. Sie erweitert einfach nur das Spiel von Angebot und Nachfrage über die Grenzen hinweg, verschärft den Wettbewerb und bringt damit Millionen-Entlastungen für Industrie und Verbraucher.

Dabei sind die Initiatoren der Marktkopplung die Börsen selbst – und keine politische Instanz. Gleichzeitig bekommt sie nun, da sie seit über 18 Monaten reibungsfrei täglich angewandt wird, einen regulatorischen Rahmen. Die Europäische Union hat die Marktkopplung in eine Verordnung gegossen, die nun auf alle europäischen Staaten angewandt werden soll, gleichzeitig aber bereits auf einem Löwenteil des europäischen Kontinents im Einsatz ist.

Zeitgleich beginnt die Ausdehnung des grenzüberschreitenden Handels auf den komplexeren, weil deutlich kurzfristigeren Intraday-Markt. Dieser Markt ist zwar noch deutlich kleiner, aber flexibler. Er hat sich bereits als unabdingbar für die Integration der Erneuerbaren erwiesen und wird in seiner Bedeutung zunehmen. Europaweit, soll er 2017 vereinheitlicht werden.

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