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Phänomen eG

Text: Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0 Foto: Kristian Sekulic/iStockphoto
Alles nur Wutbürger? Keineswegs, viele Menschen engagieren sich sogar finanziell. Kaum eine eine Woche vergeht, in der nicht ein buntes Völkchen von Menschen irgendwo im Lande eine Energiegenossenschaft gründet. Was die Menschen antreibt, was sie bewirken und wie sie die Energielandschaft verändern, erklärt eine lesenswerte Sammlung von Aufsätzen.

Energiewende - wer macht das eigentlich? Anscheinend die Privatpersonen, gehören ihnen doch heute in Deutschland etwa 40 Prozent der installierten Leistung von Anlagen der erneuerbaren Energie, wie man in dem Heft „Bürgerinvestitionen in die Energiewende“ [1] nachlesen kann. Danach besitzen Landwirte 11 % solcher Anlagen, während es Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zusammen gerade mal auf 6,5 % bringen, die anderen Energieerzeuger auf 7 %. Organisiert sind die Bürger des Landes heute zunehmend in Energiegenossenschaft, die seit der Novellierung des Genossenschaftsgesetzes (GenG) im Jahr 2006 eine Blüte erleben - etwa 700 dürfte es davon heute geben, allein im Jahr 2011 kamen etwa 160 neue dazu.

Elektrizitätsgenossenschaft reloaded

Alles schon mal da gewesen, sagen Insider, deren historisches Bewusstsein bis ins 19. Jahrhundert reicht. Im Unterschied zu den Elektrizitätsgenossenschaften geht es heute aber um erneuerbare Energien - seltener um Nutzwärme, etwa Nahwärmeleitungen. Nur vereinzelt seien Energieübertragung, -handel oder -dienstleistung im Fokus. Richard Volz nennt im Beitrag „Bedeutung und Potenziale von Energiegenossenschaften in Deutschland“ [1, S.515ff] als Ausnahmen die Greenpeace Energy eG und die Netzkauf EWS eG, wobei „eG“ die Organisationsform „eingetragene Genossenschaft“ bezeichnet.

Einstiegsdroge ist oft eine Investition in Photovoltaik, wenn die Finanzkraft Einzelner nicht mehr ausreicht. Das führt unterschiedliche Akteure zusammen (siehe Interview oben auf dieser Seite). Auch Windparks sind ein beliebtest Objekt für ideelles und finanzielles Engagement. Wo Kommunen das Heft in die Hand nehmen, können solche Formen sogar dominieren. In Nordfriesland sind beispielsweise über 90 % der Windparks in Bürgerhand, so Dr. Peter Jakubowski und Annika Koch in ihrem Beitrag „Energiewende, Bürgerinvestitionen und regionale Entwicklung“ [1, S.475ff].

Gegründet werden die Energiegenossenschaften im Durchschnitt mit 32 Mitgliedern, berichtet Volz. Dem novellierten GenG sei Dank starten „beachtliche knapp 12 %“ der Energiegenossenschaften mit weniger als sieben Mitgliedern. Später wachsen sie im Schnitt auf über 113 Mitglieder an. So dürften derzeit allein schon in Energiegenossenschaften rund 80.000 Menschen im Lande in Sachen Energie unternehmerisch denken und fühlen, die nirgends in Branchenverzeichnissen zu finden sind - noch nicht mitgezählt die über Fonds an Energieinvestitionen beteiligten.

Schlüssel für die Energiewende

Für die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung ist weder die Bedeutung der Energiegenossenschaften noch deren positive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der ländlichen Räume wohl kaum zu überschätzen, schon weil hinter den Energiegenossenschaften oft noch Gründungsinitiativen und Vereine als ideelle Unterstützer stehen. Dr. Peter Jakubowski und Annika Koch argumentieren, dass mit der Dezentralisierung der Energieerzeugung auch räumliche Umverteilungseffekte stattfinden - es werde Gewinner- und Verliererregionen geben]. Schon heute falle auf, dass man regional umso mehr Genossenschaften vorfindet, je geringer die Einwohnerdichte ist. „Das klassische Raumgefüge der Energieproduktion in Deutschland wird sich in Richtung ländlicher Räume verschieben“, so ihr Fazit. „Je stärker die Energiewende durch dezentrale Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien getragen wird, desto stärker wird sich die Akteursstruktur auf dem Energiemarkt diversifizieren“.

Vom Ideal des Kongruenzprinzips, nach dem die Gruppen der Finanzierer, Entscheider und Betroffene möglichst weit überlappen sollten, müsse jedoch manchmal abgewichen werden, da die ortsgebundene Finanzierungskraft und das regionale Potenzial an erneuerbaren Energien tendenziell auseinanderlaufen. Uwe Greff und Johannes Prahl widersprechen allerdings der These, „dass die räumliche Überlappung von Finanziers, Nutznießern und Betroffenen mit dem Investionsumfang sinkt“ [1, S.525ff]. Die regionale Finanzierungskraft werde oft unterschätzt. Wichtig seien jedoch „charismatische Innovatoren“ vor Ort, die ihre Mitmenschen „für mehr als eine �??nackte‘ Geldanlage begeistern“.

Weitere Informationen

[1] Bürgerinvestitionen in die Energiewende, in: Informationen zur Raumentwicklung Heft 9/10.2012 (ISSN 0303-2493), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Franz Steiner Verlag, 2012

[2] Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Energiegenossenschaften: www.arge-energiegenossenschaften.de

[3] Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband: www.dgrv.de

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