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Auf die Dächer, fertig, los: Mit attraktiveren Modulen neue Geschäftsfelder erobern - hierzulande und in ausländischen Märkten.

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Offensiv gegen die Solar-Depression

Text: Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0 Foto: Schott Solar
Was die Schaukelpolitik genau mit dem Solar-Markt anrichtet, wird man erst in einigen Monaten im Detail sagen können. In Deckung zu gehen wäre vermutlich das falsche Rezept. Ein Unternehmen, das sein Heil im Angriff sieht, ist Schott Solar.

Allenthalben hört man Klagen in der Solarbranche - Schott Solar versucht mit einer Produktoffensive gegenzusteuern: Bereits ab Mai verfügbar sind die neuen Hochleistungsmodule „Perform Mono“ in zwei Leistungsklassen bis 260 Watt peak, und das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Die Leistungsklassen 265 und 270 Watt sollen in der zweiten Jahreshälfte folgen. Mittelfristiges Ziel des Mainzer Unternehmens ist es, sogar 280 Watt peak anzubieten. Basis hierfür ist die industrietaugliche Hochleistungs-Zelltechnologie PERC (siehe Interview auf der nächsten Seite), die der deutsche Hersteller entwickelt hat und die mit Wirkungsgraden um 20 Prozent aufwarten kann.

Mehr Leistung pro Fläche

Wer die Leistungsdaten der Modulreihe extrapoliert, kann sich leicht ausrechnen, dass die Marke von 300 Watt früher oder später gerissen wird - für ein einzelnes Modul ein stolzer Wert, aber an sich kein Rekord. Denn wenn man nur auf die Leistung schaut, gibt es das längst. „Die Crux liegt in den Dimensionen“, präzisiert Klaus-Bernhard Hofmann, Unternehmenssprecher des Schott-Konzerns. Bisher sind 300-Watt-Module noch relativ großzügig in den Abmessungen und haben 72 oder mehr Zellen, brauchen entsprechend mehr Platz und sind schwerer. „Mit unserer neuen Schott Perform Mono haben wir mit 60 Zellen bereits einen fertigungsnahen Prototypen erstellt, der auf 289 Watt kommt. Da sind die 300 Watt nicht mehr weit.“

Möglich macht solche Werte die Kombination der PERC-Zelltechnologie mit den ebenfalls neu entwickelten Quasimono-Solarwafern, deren Herstellung die Vorteile von zwei „klassischen“ Herstellungsverfahren für Solarwafer vereint. Der Impfkristall befindet sich dabei wie beim aufwendigen Czochralski-Verfahren, das monokristalline, runde Siliziumblöcke liefert, am Boden des Schmelztiegels und wird zum Teil aufgeschmolzen. Durch gerichtete Erstarrung (Vertical Gradient Freeze, VGF) - ein Verfahren, das normalerweise nur eine heterogene Kristallstruktur, also polykristalline Wafer mit einem geringeren Wirkungsgrad liefert - konnten die Schott-Solar-Entwicklerteam nun ein höherwertiges quasi-monokristallines Wachstum hervorrufen. Der Schlüssel, um aus dem Ingot zum Teil reine monokristalline Wafer zu erstellen, war eine spezielle Prozessführung sowie Ofentechnik. �?hnliche Ansätze hatten bisher zu Wafern mit multikristallinem Anteil geführt, jedoch nicht zu echten Einkristallen.

Das Design spielt eine wachsende Rolle

Die neuen Flaggschiff-Module von Schott betonen darüber hinaus Designaspekte, die in einem sich verschärfenden Konkurrenzumfeld eine immer größere Rolle spielen. „Wer heute eine Solaranlage auf einem Einfamilienhaus installieren lässt, legt zunehmend Wert auf eine ansprechende Optik“, erläutert Hofmann. „Darauf haben wir bei der Entwicklung des Schott Perform Mono großes Augenmerk gelegt. Es erfüllt hohe ästhetische Ansprüche dank dunkler, eng angeordneter Solarzellen, eingefasst von einem schwarzen Rahmen.“ Der hat auch innere Werte, weil das Gewicht der Module nicht unerheblich ist - vor allem für die Installateure. Damit sie im Laufe ihres Arbeitslebens weniger Kilos auf die Dächer wuchten müssen, hat Schott einen Hohlkammerrahmen entwickelt. Das Leichtbauprofil verringert das Gewicht eines Moduls auf 19 Kilogramm.

Apropos Installation: Die Modulpreise sind stark unter Druck - umso mehr werden die Systemkosten fühlbar. „In der Tat wurden die Preissenkungen der vergangenen Jahre hauptsächlich von den Modulherstellern getragen“, stimmt Hofmann zu und ergänzt: „Auf den anderen Wertschöpfungsstufen ist noch mehr, wenn auch knappe, Luft.“ Tools, wie sie Schott Solar künftig zunächst für seine dachintegrierte Serie Advance InDaX auf der Website anbieten will, sollen den Installateuren daher Planung und Montage der Anlagen erleichtern. „Die Beratung wird aber nach wie vor eine sehr große Rolle spielen“, bremst Hofmann allzu überbordende Heimwerker-Träume.

Ausländische Projekte locken

Erste Exemplare der Mono-Baureihe kommen demnächst bereits in ausländischen Anlagen zum Einsatz. So hat bereits im März der israelische Anbieter schlüsselfertiger Photovoltaik-Anlagen GreenTops insgesamt 12 MW an Poly- und Mono-Modulen geordert. „Die Entwicklung in Israel ist durchaus positiv zu werten, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau“, ordnet Hofmann den Großauftrag ein und richtet den Blick auf weitere Mittelmeer-Anrainer, die zwar sonnenreich, aber noch nicht soweit sind: „In Nordafrika fehlt es im Moment noch an politischen Programmen und an politischer Stabilität überhaupt. Hier wird es noch einige Jahre dauern, bis nachhaltige Marktmodelle entstehen.“

Zum Glück gibt es näher liegende Märkte am Mittelmeer, die - schon immer von der Sonne verwöhnt - nun auch das Photovoltaik-Potenzial zunehmend erschließen. So konnte die Mainz Solar, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Mainz und der Schott Solar, Anfang Januar 2012 mit der Einspeisung von Strom aus einer 200-kWp-Anlage den Eintritt in den italienischen Markt feiern. Das Pilotprojekt auf dem Dach des Produktionsstandortes der Schott Italvetro in Borgo a Mozzano soll dort vor allem Modell für weitere Initiativen sein, bei dem ein Asbestdach durch eine Metallscheibenkonstruktion mit Solarmodulen ersetzt wurde, die nun umweltfreundlichen Strom erzeugen. Die Erweiterung der Anlage auf zusätzliche 600 bis 700 kWp ist noch für das Jahr 2012 vorgesehen.

Mega-Märkte am Mittelmeer

Gleich größer ist man im Zentrum Korsikas nahe der Stadt Ucciani eingestiegen: Mit dem Partner Canopy hat Schott Solar auf 7,5 Hektar Fläche durch die Veolia-Tochter Sade eine Anlage erbauen lassen, die aus 10.000 Poly-Modulen Spitzenwerte von 2,2 MW liefern kann und damit rechnerisch rund 1000 Haushalte mit Strom versorgt. �?hnlich in Griechenland, wo bereits Anlagen mit insgesamt 10 MW ans Netz angeschlossen und refinanziert sind, weitere Parks mit insgesamt etwa 7 MW Leistung befinden sich in der Bauphase. „Für die Zukunft ist ein weiterer Ausbau unserer Kooperation vorgesehen“, so Alexandros Xylouris, Chief Financial Officer des Generalunternehmens Environ, über die Zusammenarbeit. „Wir wollen uns an die Spitze des griechischen Photovoltaik-Marktes setzen.“ Ende 2010 hatte der Schott Konzern ein neues Vertriebsbüro in Thessaloniki eröffnet und seitdem das Partnernetz in Griechenland erheblich ausgebaut.

Die nächsten Schritte führen das deutsche Unternehmen nun in Richtung Ostasien: Als Konzern ist Schott bereits seit 1966 in Japan aktiv, mit der Solar-Tochter hat sich das Unternehmen nun im Frühjahr 2012 auf der PV Expo in Japan in ein Stammland der Photovoltaik begeben. „Studien lassen erwarten, dass Japan bis 2015 zu den Top-6-Märkten gehören wird“, erläutert Unternehmenssprecher Hofmann die Strategie, die darauf abzielt, weiter zu internationalisieren und die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu verringern. „Für den Solarbereich haben wir uns zum Ziel gesetzt, in Japan der wesentliche europäische Modulanbieter zu werden.“

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