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Zankapfel: Ist eine elektromechanische Leimpumpe effizienter als eine pneumatische?
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Leserbrief: Druckluft zu negativ dargestellt

Zum Beitrag „Wie kleine Potenziale große Wirkung entfalten“ in Energy2.0, Ausgabe 3.2013 (April 2013), Seite 68, erreichte uns folgender Leserbrief:

Energiesparen ist sicher eine sehr positive Sache. Jedoch sollte man bei den Darstellungen von möglichen Energieeinsparungen auf seriöse Vergleichszahlen nicht verzichten. Technologien, die nach Angaben des Autors 12- bis 18-mal effizienter sind, klingen zunächst gut. Bei der Darstellung sind jedoch die aufgeführten Zahlenwerte nicht klar definiert und ihr Zustandekommen undurchsichtig. Druckluft im Bereich 6bar Überdruck - dies ist der Anwendungsdruck von einer im Artikel aufgeführten Leimpumpe - benötigt heute in der Erzeugung unter 100Wh/pro m 3 und nicht die angegebenen 130Wh/m 3.

Darüber hinaus werden in dem Artikel die Wärmerückgewinnungsmöglichkeiten bei Kompressoren überhaupt nicht erwähnt. Diese ermöglichen heute - je nach Kompressorentyp - die Nutzung von 70 bis 96 Prozent der aufgenommen elektrischen Leistung, um den Energiebedarf anderer Wärmeverbraucher (wie zum Beispiel der Heizung) eines Betriebes zu reduzieren. Berücksichtigt man diese Zahlen, so würden sich die „18-mal effektiver“ auf rund „2-mal effektiver“ reduzieren. Und selbst dann sind die Zuverlässigkeit, die Betriebssicherheit und die funktionsbezogenen Parameter der entsprechenden Maschine noch nicht in Betracht gezogen. Dem Autor ist zu empfehlen, dass er bei zukünftigen Veröffentlichungen seine Zahlen genau definiert und die Herleitung derart enormer Einsparungen verifiziert.Dipl.-Ing. Erwin Ruppelt, Kaeser Kompressoren; Dr.-Ing. Uwe Kaiser, Boge Kompressoren; Prof. Dr. Peter Post, Festo.

Dazu die Stellungnahme vom Autor des Beitrags: "Auch vermeintliche Optimierungsmaßnahmen wie Wärmerückgewinnung verhelfen der Druckluft nicht dazu, eine effiziente Technologie zu werden."

Das Anführen des thermodynamischen Idealfalls einer isothermen Kompression mit einer theoretischen Wärmerückgewinnung von 96 Prozent beschreibt wohl kaum die industrielle Realität. Im Zuge der geforderten Seriosität müssen auch hier die Randbedingungen angeführt werden. So ist der Grad der Wärmerückgewinnung schnell bei einem Drittel der angeführten Potenziale angelangt, wenn die unterschiedlichen Temperaturniveaus und Zeitpunkte von Wärmeanfall und Wärmebedarf berücksichtigt werden. In diesem Fall kann zum Beispiel die Wärme im Sommer nicht verwendet werden; zudem liegt das Temperaturniveau der zurückgewonnenen Wärme knapp über der Umgebungstemperatur. Wärme auf diesem Temperaturniveau ist in der Regel nicht zu gebrauchen.

Grundsätzlich ist die Rückgewinnung von Energie sinnvoll. Allerdings gilt es genau zu prüfen, ob eine solche Maßnahme bezogen auf den Einzelfall sinnvoll und wirtschaftlich ist.

Zur Ermittlung des Energiebedarfs wird eine Druckluftkennzahl herangezogen. Diese setzt sich aus unterschiedlichen Energiebedarfen zum Beispiel für die Erzeugung oder die Aufbereitung der Druckluft zusammen. Die Verwendung der Energie der Kompression unter Vernachlässigung weiterer Energieaufwendungen und Verlusten ist auch an dieser Stelle nicht mit einem seriösen Vorgehen vereinbar. Im Übrigen entsprechen die angegebenen 130 Wh/m 3 umgerechnet (beim derzeit Industrie-üblichen Strompreis von 10 Cent/kWh) einem Druckluftpreis von 1,3 Cent/m 3. Die Herstellerangaben liegen mit 2 bis 2,5 Cent deutlich darüber.

Sogar unter Berücksichtigung weiterer Kostenpositionen wie Abschreibung und Wartung liegt der angesetzte Wert deutlich unter den 2 bis 2,5 Cent. Selbst unter Annahme der Richtigkeit der unbelegten Behauptung einer doppelten Effizienz spart die Anwendung immer noch die Hälfte Energie ein. Bleiben die Investitionskosten gleich, ist auch in diesem Fall die Wirtschaftlichkeit gegeben. Viele andere Optimierungs- und Substitutionsanwendungen können nicht mit einer derartigen Energieeinsparung aufwarten.

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dipl. Oec. Christoph Pohl, Universität Kassel

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