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Kernkraftwerk Philippsburg von EnBW: Greenpeace Energy appelliert an die Staatenvertreter auf der Pariser Klimakonferenz, Atomkraft als Alternative zu klimaschädlichen Energieerzeugungsarten kategorisch auszuschließen. Bild: EnBW/Daniel Meier-Gerber
UN-Klimakonferenz

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Hohe Erwartungen an den Klimagipfel in Paris

Führende Klimawissenschaftler warnen vor den Auswirkungen des Klimawandels. Die UN-Konferenz brauche Verbindlichkeit und ambitionierte Ziele, fordert der VDMA. Greenpeace Energy appelliert an die Staatenvertreter, Atomkraft als Alternative zu klimaschädlichen Energieerzeugungsarten kategorisch auszuschließen.

Seit Montag läuft der Klimagipfel in Paris. Vertreter von 196 Staaten versuchen dort, ein verbindliches weltweites Klimaschutzabkommen auszuhandeln. Die Erwartungen sind hoch.

Hierzulande hatten führende Klimawissenschaftler, die im Deutschen Klima-Konsortium (DKK) zusammengeschlossen sind, schon im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in einer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht, dass nur ein „couragiertes und schnelles Handeln auf der weltpolitischen Ebene“ die Erderwärmung noch auf unter zwei Grad Celsius begrenzen könne. Angesichts der weitreichenden und sichtbarer werdenden Auswirkungen des Klimawandels bringen die Unterzeichner – Deutscher Wetterdienst, Institut für Weltwirtschaft, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Max-Planck-Institut für Meteorologie, IUP-MARUM, Universität Bremen und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung – ihre Sorgen zum Ausdruck: „Der Stand der Wissenschaft ist eindeutig: Wir Menschen haben den größten Teil der beobachteten globalen Erwärmung verursacht – und der damit angestoßene Klimawandel birgt große, schwer abschätzbare Risiken.“ Der Klimawandel und seine Folgen gefährdeten die Lebensgrundlagen der heutigen und der kommenden Generationen.

Die Zeit, in der die Menschheit eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems noch verhindern könne, werde knapp, warnen die Klimaforscher. Um den Anstieg der Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, darf die Menschheit nur etwa 1000 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen – dieses Treibhausgas-Budget wurde im jüngsten Synthesebericht des Weltklimarats IPCC konkret benannt.

Jochem Marotzke, stellvertretender DKK-Vorstandsvorsitzender und Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, wies darauf hin, dass bis zum Jahr 2011 bereits etwa zwei Drittel dieser maximal zulässigen CO2-Äquivalent-Emissionen in die Atmosphäre gelangt sind. „Daraus ergibt sich, dass spätestens im Jahr 2020 eine Wende erfolgen muss. Die weltweiten Treibhausgasemissionen sollten spätestens 2020 nicht mehr steigen und danach kräftig sinken.“

Nachdem sich die Regierungschefs auf dem G7-Gipfel in Elmau zu einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bekannt haben, sehen die Klimawissenschaftler Rückenwind für die Verhandlungen in Paris. Die nationalen Minderungsbeiträge (Intended Nationally Determined Contributions, kurz: INDCs), die bisher von 164 Staaten eingereicht wurden (Stand 18. November 2015), würden jedoch bisher – selbst bei sehr optimistischen Extrapolationen der Emissionen nach 2030 – auf einen 2,7 Grad-Pfad führen, wie für den jüngsten Bericht des Climate Action Tracker errechnet wurde. „Gleichwohl ist es ein Signal der Hoffnung, dass erstmals bei diesen Berechnungen die Zwei vor dem Komma stehen könnte“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Die INDCs, die derzeit auf dem Tisch liegen, können jedoch nur ein erster Schritt sein. Sie können ein Signal an Entscheider in Politik und Wirtschaft sein, dass das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu Ende geht. Der Einstieg in den Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft muss sich jedoch in den nächsten Jahren massiv beschleunigen, um die Zwei-Grad-Grenze einzuhalten.“

Auch die Umweltschützer melden sich zu Wort: Greenpeace Energy appelliert an die Staatenvertreter auf der Pariser Klimakonferenz, Atomkraft als Alternative zu klimaschädlichen Energieerzeugungsarten kategorisch auszuschließen. „Wir müssen die erneuerbaren Energien konsequent weiter ausbauen, um einen effektiven Klimaschutz zu erreichen“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. „Die angeblich klimaneutrale Atomkraft ist hingegen keine Lösung, deshalb darf die ebenfalls in Paris vertretene Atomlobby bei den Staatenvertretern kein Gehör finden. Atomkraft ist und bleibt hochriskant, schmutzig und exorbitant teuer“, so Tangermann. „Es ist fragwürdig, dass einige EU-Staaten verstärkt auf diese Technik setzen wollen.“

Greenpeace verweist auf das Beispiel Großbritannien: Dort plane man, bis 2025 aus der Kohleverstromung auszusteigen und dafür in den kommenden Jahrzehnten massiv auf den Ausbau der Atomkraft zu setzen. Den Anfang soll das geplante AKW Hinkley Point C im Südwesten des Landes machen. Allein dafür hat der britische Staat den Betreibern nicht nur umfangreiche Kreditgarantien versprochen, sondern auch eine fixe Einspeisevergütung für Atomstrom. Diese liegt weit über dem Marktpreis und dürfte sich über die geplante Laufzeit von 35 Jahren auf Subventionen von weit über 100 Milliarden Euro summieren.

Nach aktuellen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung könnten die europäischen Klimaschutzziele auch dann erreicht werden, wenn alle bestehenden AKWs in der EU abgeschaltet und keine neuen mehr gebaut würden. Mittlerweile sind erneuerbare Techniken wie Windkraft und Photovoltaik auch im großen Stil deutlich günstiger zu realisieren als Atomkraftwerke, die auch mehr als 60 Jahre nach der Einführung dieser Technik nicht ohne hohe staatliche Subventionen realisiert werden können.

Experten befürchten, dass mehrere EU-Länder auf Druck der Atomindustrie dennoch das umstrittene Subventionsmodell für Hinkley Point C übernehmen könnten. Europaweit ist derzeit der Bau von mehr als einem Dutzend weiterer Reaktoren geplant – etwa in Tschechien, Polen oder Ungarn. Hochsubventionierter AKW-Strom könnte dann die Preise auf dem Strommarkt in Europa spürbar verzerren und die Anbieter erneuerbarer Energien benachteiligen. Greenpeace Energy klagt deshalb zusammen mit anderen Unternehmen gegen die milliardenschweren Subventionen für Hinkley Point C, um die ebenso gefährliche wie teure Wiederkehr der Atomkraft in Europa zu verhindern.

Der deutsche Maschinenbau setzt sich für eine glaubhafte und möglichst umfassende Klimaschutzverpflichtung aller Vertragsstaaten auf internationaler Ebene ein. „Nur so können die Ziele zur langfristigen Eindämmung des Klimawandels erreicht werden“, sagt Naemi Denz, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Der Maschinen- und Anlagenbau ermögliche schon heute den Einsatz effizienter Technologien zur Minderung der Treibhausgasemissionen und der durch den Klimawandel verursachten Schäden. Um jedoch die notwendigen Investitionen auszulösen, müsse die Politik mit langfristiger Perspektive stabile und langfristige Rahmenbedingungen schaffen. „Ohne Planungssicherheit ist die Wirtschaftlichkeit von neuen Technologien nicht abschätzbar. Folglich könnten die erforderlichen Investitionen ausbleiben“, warnt Denz, die auch die Abteilung Technik und Umwelt im VDMA leitet.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau sei sehr exportorientiert. „Klimaschutz ist eine globale Herausforderung, die nicht nur die Industrieländer betrifft. Intelligenter Klimaschutz berücksichtigt auch wirtschaftliche Gesichtspunkte. Während gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern wesentliche Klimaschutzpotenziale in der Abfall- und Energiewirtschaft und im Verkehrssektor liegen, stellt sich die Situation in Industrieländern etwas anders dar. An einem Mangel an Effizienztechnologien liegt es aber nicht“, so Denz.

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