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Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte in Ostfildern-Scharnhausen die Technologiefabrik von Festo, einem Anbieter von Automatisierungstechnik und technischer Aus- und Weiterbildung. Im Fokus des Besuchs standen die direkte Kooperation von Mensch und Maschine, zukunftsweisende Fertigungstechnologien sowie die Qualifizierung von Mitarbeitern für die Aufgaben in der Produktion der Zukunft.

„Ich konnte mich heute davon überzeugen, wie das Internet der Dinge oder Industrie 4.0 schrittweise Einzug halten in ein Unternehmen wie Festo", sagte die Kanzlerin bei ihrem Besuch. „Ich habe hier die Ventilproduktion betrachten können und deren Automatisierungsgrad gesehen und gleichzeitig die Variantenvielfalt der Produktion. So habe ich in der ganzen Tiefe einen Eindruck bekommen, welche Möglichkeiten das Internet der Dinge eröffnet. Nicht nur Unternehmen wie Festo stehen vor einem großen Wandel. Es ist beeindruckend wie Mitarbeiter nicht nur geschult werden und Lernmöglichkeiten jenseits der Ausbildungsberufe bekommen sondern wie die Organisation des Lernens in der Lernfabrik Teil des Arbeitsalltags wird.“

Wie die praxisnahe Qualifizierung in der Produktion aussehen kann, demonstrierte der Festo-Vorstandschef Claus Jessen anhand der im Werk integrierten Lernfabrik. „Bildung, Wissen und individuelles Lernen sind ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskultur von Festo. Wir wollten diesen Aspekt unmittelbar in die Abläufe integrieren und haben deshalb zusammen mit Festo Didactic das Konzept der Lernfabrik entwickelt.“ Sie schließt auf 220 Quadratmeter Fläche die Lücke zwischen praktischem Lernen am Arbeitsplatz und theoretischem Lernen im Schulungszentrum und ermöglicht den Mitarbeitern, sich bedarfsorientiert weiterzubilden. Mit den so genannten Ideenschmieden wurde zudem Raum für kooperative Technologie- und Produktentwicklungen und den interdisziplinierten Austausch geschaffen. Die vier Besprechungsräume sind individuell gestaltet und begünstigen einen gedanklichen Moduswechsel im Arbeitsalltag.

Ein Beispiel für komplexe Produktionssysteme, wie sie in der Industrie 4.0 zunehmend vorhanden sein werden, sind die beiden modernen, 20 Meter langen, Montageautomaten die jeweils über 50 Varianten von kompakten Magnetventilen in mehreren Größen vollautomatisch zusammenbauen. „Die beiden Anlagen sind hochautomatisiert, modular aufgebaut und an die Steuer- und Leitebenen der Fabrik angebunden“, sagte Werksleiter Stefan Schwerdtle. In weiteren Schritten sollen diese wie auch zusätzliche Anlagen zum Beispiel an das SAP/ME System angedockt werden. „Unser Ziel ist es, künftig Maschinendaten über standardisierte Schnittstellen zentral zu erfassen und auszuwerten, um die Erkenntnisse zur Optimierung unserer Prozesse zu nutzen“, so Schwerdtle. Bereits heute ist für die Instandhalter in der Fabrik der Tablet-PC das vornehmliche Arbeitsgerät, mit dem sie Störungen von Maschinen schnell erkennen oder Aufträge unmittelbar vor Ort bearbeiten können.

Auch für die Verbesserung der Energieeffizienz werden die gesammelten Daten genutzt. Derzeit wird ein Energietransparenz-System im Werk eingeführt, das eine Gesamtsicht auf Energieströme und -verbräuche ermöglichen und Einsparpotenziale zum Beispiel beim Stromverbrauch oder beim CO2-Austausch sichtbar machen wird – sowohl von Gebäudeeinrichtungen als auch von Produktionsanlagen. Schon jetzt zeichnet sich die Technologiefabrik durch schlanke und energieeffiziente Prozesse und eine besonders nachhaltige und umweltbewusste Produktion aus. Das belegt auch das Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), das das Werk im September 2015 erhalten hat.

Die 2015 eröffnete Technologiefabrik Scharnhausen ist das Leitwerk von Festo für die Produktion von Ventilen, Ventilinseln und Elektronik und dient gleichzeitig als Referenzfabrik für Kunden. Das Werk verfügt über 66.000 Quadratmeter Gesamtfläche; insgesamt 1.200 Mitarbeiter arbeiten dort. Festo hat in den Ausbau des Standorts insgesamt 70 Millionen Euro investiert.

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